Schon bei der Leitmesse XPONENTIAL Europe im März dieses Jahres wurde deutlich, dass unbemannte Systeme eine Schlüsseltechnologie für künftiges Wirtschaftswachstum und sicherheitspolitische Resilienz sind. Allerdings droht Deutschland – und Europa insgesamt – im internationalen Vergleich abgehängt zu werden. Sowohl mit Blick auf den militärischen Einsatz von Drohnen als auch auf deren Nutzung bei Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, beim Bevölkerungsschutz oder in der Privatwirtschaft ergeben sich täglich neue Anwendungsmöglichkeiten. Und die Nachfrage steigt stetig an.
Die neue Luftfahrtstrategie der Bundesregierung benennt zwar richtigerweise die zentrale Bedeutung unbemannter Systeme. Allerdings bleibt noch vieles im Ungefähren und konkrete Anliegen der UAS-Industrie blieben unberücksichtigt. „Es darf jetzt nicht bei Lippenbekenntnissen bleiben“, mahnt daher Dr. Gerald Wissel, Vorstandsvorsitzender des Industrieverbandes UAV DACH. „Wir sehen in Ländern wie den USA, China oder auch Israel eine massive finanzielle und strukturelle Unterstützung der zivilen und militärischen UAS-Industrie. Deutschland und Europa können es sich nicht leisten, hier vollends den Anschluss zu verlieren.”
Von zentraler Bedeutung ist jetzt der schnelle Aufbau industrieller Fertigungskapazitäten sowie resilienter Lieferketten. Diese Kapazitäten sind erforderlich, um sowohl flächendeckend zivile Anwendungen zu ermöglichen als auch kurzfristig auf Veränderungen der Sicherheitslage reagieren zu können. Aufbau, Finanzierung und langfristiger Erhalt dieser Kompetenzen setzen jedoch eine kontinuierliche Nachfrage voraus. Diese entsteht insbesondere durch die Skalierung kommerzieller Drohnenanwendungen sowie durch die Nutzung unbemannter Systeme durch Organisationen zum Schutz der Bevölkerung und kritischer Infrastrukturen. „Damit deutsche und europäische Hersteller die Voraussetzungen schaffen können, um hochwertige und preislich wettbewerbsfähige Drohnen in großen Stückzahlen zu produzieren, sind verlässliche und planbare Nachfragesignale essenziell“, erläutert Dr. Gerald Wissel. Die UAS-Industrie benötigt daher keine kurzfristigen Subventionen, sondern ein nachhaltiges Bekenntnis zum „Drohnenstandort Deutschland“ als Zugpferd einer europäischen Drone-Economy. „Behörden, der öffentliche Dienst, BOS-Organisationen oder auch KRITIS-Unternehmen sollten bereits heute als Ankerkunden eine verlässliche Nachfrage schaffen, um Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit der eigenen UAS-Industrie zu unterstützen.”
Positiv bewertet der größte europäische Industrieverband für die kommerzielle unbemannte Luftfahrt, dass die deutsche Bundesregierung die Integration von Drohnen in einen gemeinsamen Luftraum mit der bemannten Luftfahrt ermöglichen möchte. „Wir erkennen die bisherigen Bemühungen der Bundesregierung ausdrücklich an. Beispielsweise die explizite Aufnahme der UAS-Industrie ins Luftfahrtforschungsprogramm und dessen stärkere Ausrichtung auf kleine und mittelständische Unternehmen“, betont Dr. Gerald Wissel. „Doch die unbemannte Luftfahrt muss jetzt dringend eine noch weitaus höhere Priorität erhalten und Ziele wie die vollständige Integration von Drohnen in einen digitalisierten Luftraum bis spätestens 2035 klar benannt werden.“ Denn insgesamt vermittelt die aktuelle Luftfahrtstrategie nicht den Eindruck, dass das enorme Potenzial unbemannter Systeme für die breite Öffentlichkeit, Unternehmen, die Land- und Forstwirtschaft sowie die nationale Sicherheit vollständig erkannt wurde.