Baustellen werden in den Bereichen Planung, Durchführung, Überwachung und Dokumentation immer stärker digitalisiert. Hintergrund ist die stetige Erhöhung der Qualitätsstandards und gleichzeitig der große Fachkräftemangel in fast allen Berufen des Bauwesens. Durch die zunehmende Automatisierung vieler Arbeitsgänge werden die Folgen dieser Entwicklung abgefangen, so auch beim grabenlosen Bauen. Die gesteuerten Bohrsysteme von TRACTO nutzen bereits heute eine Vielzahl von Assistenzsystemen, damit die Arbeit mit weniger Manpower erledigt werden kann. Damit wird das Bohren effizienter und sicherer und gleichzeitig werden die nötigen Daten zur Bohrung und Bodenbeschaffenheit für den Auftraggeber gesammelt.
Fragt man den Leiter der TRACTO-Entwicklungsabteilung, Elmar Koch, nach der Zukunft des Bohrens, erklärt er, dass das langfristige Ziel die Umsetzung des vollständig autonomen Bohrens sei, um insgesamt mehr Sicherheit, höhere Effizienz, größere Freiräume für die Unternehmen, mehr Nachhaltigkeit sowie eine vollständige Dokumentation zu erreichen. Der Weg dahin führe über verschiedene Zwischenziele, am Ende des Prozesses werde in der Zukunftsvision nur ein Bediener benötigt, der über einen Leitstand mehrere Maschinen zeitgleich überwachen kann.
Diesen Prozess könne man laut Koch sehr gut mit dem langen Entwicklungsweg zum autonomen Fahren vergleichen, den die Automobilindustrie über verschiedene Teilsysteme wie Tempomat, Spurhalteassistenten, Abstandhalter, Parksysteme und viele mehr seit Jahren beschreitet. Liegt auch das finale Ziel des autonomen Fahrens in der Zukunft, so machen diese Systeme bereits heute das Fahren angenehmer und stressfreier – genau das will TRACTO den Anwendern seiner Anlagen bieten.
Teilsysteme machen die Arbeit attraktiver und sicherer
Die langfristige Entwicklung des autonomen Bohrens ist dabei ein vergleichbarer Weg, auf dem Teilsysteme ausgiebig getestet werden, damit Fehler in einem frühen Stadium ausgemerzt werden können. Im Laufe des Gesamt-Prozesses wird die Produktivität und Qualität der Bohrungen stetig weiter erhöht werden, weil anstrengende und eintönige Arbeiten für den Maschinenführer zunehmend reduziert werden und so sein Fokus mehr auf die Planung, Überwachung und Kontrolle des Bohrvorgangs als um dessen eigentliche Durchführung verlegt wird. Diese Entwicklung sorgt durch die kontinuierliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen dafür, dass die Aufgaben des Maschinenführers immer komfortabler werden – eine wichtige Maßnahme gegen den Fachkräftemangel.
Nachhaltige Entwicklungen in der Bohrtechnik
Jedes neue Assistenzsystem verändert die Art des Bohrens und gleichzeitig die Rolle des Bedieners: Derzeit kann der Geräteführer den Bohrvorgang noch manuell ausführen, hat aber auch die Wahl zwischen teilautomatischer und vollautomatischer Bedienung bei verschiedenen Prozessen wie dem Gestängewechsel. Zudem wird er bei der Ausführung durch diverse Assistenzsysteme unterstützt: Kameras überwachen den Bohrprozess, über GPS erfolgt die digitale Dokumentation der Bohrung, die Sensorik am Bohrkopf gibt Auskunft zur Bodenbeschaffenheit, weitere Sensoren messen Abstände im Nahbereich der Maschine und erkennen Gefahren. Ebenso erfolgt eine umfassende Datenanalyse und -auswertung, die den Maschinenbediener bei der Bewertung und Reaktion auf unerwartete Ereignisse während des Bohrvorgangs unterstützen. Die neue Generation der GRUNDODRILL JCS/ACS Bohranalagen bietet den derzeit höchsten Automatisierungsgrad am Markt und setzt in ihrer Leistungsklasse durch ein intuitives Bedienkonzept in Kombination mit maximaler Leistung neue Maßstäbe in Sachen Produktivität und Komfort im HDD-Verfahren. Die Bauweise bietet eine ideale Plattform für nachhaltige Weiterentwicklungen. Dazu gehören auch alternative Antriebskonzepte, die TRACTO mit ersten Bohrgerät der Baureihe mit Elektroantrieb, dem JCS 130E, bereits umsetzt.
Mit dem Radarsystems ORFEUS wird es zudem möglich sein, mit Hilfe von Radarantennen im Bohrkopf unerwartete Hindernisse aufzuspüren, wie beispielsweise falsch kartierte Versorgungsleitungen. Damit werden Fehlbohrungen und Beschädigungen vermieden und der gesamte Bohrvorgang beschleunigt.
Für die Kunden von TRACTO stehen zudem immer mehr digitale Instrumente rund um den Bohrvorgang zur Verfügung, z.B. für das Flottenmanagement, zur einfachen Planung einer Bohrung sowie zur notwendigen Speicherung der Bohrdaten für den Auftraggeber. Für diese Dienste gibt es verschiedene leicht zu bedienende Apps. Die Future Community von TRACTO, in der ein intensiver Austausch zwischen den Digital Services von TRACTO und den Kunden stattfindet, stellt sicher, dass diese Tools nicht am Kunden vorbei entwickelt werden. Das Feedback der Kunden mit ihren Wünschen und Erfahrungen fließt so direkt in die Arbeit der Entwickler ein und trägt auch dazu bei, dass mit diesen Informationen weitere anforderungsorientierte Teilsysteme für das autonome Bohren der Zukunft entwickelt werden können.
Innovation Inliner HDD-Bohrgestänge
Die Zukunft der HDD-Bohrtechnik in puncto Automatisierung, Produktivität und Sicherheit ist untrennbar mit der Erfassung und Verarbeitung größerer Datenmengen verbunden. Hier eröffnet ein von TRACTO neu entwickeltes Bohrgestänge mit innenlegenden Datenkabeln, das erstmals auf der bauma 2025 präsentiert wird, viele neue Möglichkeiten.
Die innovativen Inliner-Gestänge erlauben erstmals die hohe Daten- und Leistungsübertragung, die nötig ist, um Fremdleitungen im Bohrverlauf mittels Bohrkopfradar zu erkennen oder um den Bohrkopf in großen Tiefen durch sogenannte kabelgeführte Bohrungen sicher zu orten. Dieser Prozess war bis jetzt mit viel ‚Handarbeit‘ und Stillstandzeiten der Maschine verbunden, weil das mitzuführende Kabel manuell in jedes einzelne Bohrgestänge eingefädelt und verbunden werden musste. Mit den Inliner-Gestängen wird dieser Vorgang schneller, einfacher und nachhaltiger, indem das innenliegende, fest montiertes Koaxialkabel beim maschinellen Verschrauben automatisch verbunden wird und sowohl Kabel als auch Verbinder wiederverwendbar sind.
Auch in punkto Dokumentation und Sicherheit sind die ‚smarten‘ Kabelgestänge zukunftsweisend. Die hohe Datenübertragungsrate erlaubt zukünftig die Integration verschiedener Mess- und Regelungstechniken über Sensoren im Bohrkopf, die einer umfangreicheren Dokumentation dienen. Zudem schafft die Erfassung großer Datenmengen die Grundlage für die Entwicklung und den Einsatz neuer Assistenzsysteme.