Jahres-Hauptversammlung der GIN-Mitglieder: Stets die optimale Tragwerksqualität im Blick

Anforderungen an die Herstellung und Montage von Nagelplattenbindern steigen / GIN bereitet neue Schulungen vor

Für Qualitäts-Tragwerke: Die gemeinsame Jahres-Hauptversammlung aller 52 Mitgliedsunternehmen der Gütegemeinschaft Nagelplattenprodukte e.V. und des Interessenverbandes Nagelplatten e.V. (GIN) fand Mitte Februar im Congress Hotel am Stadtpark in Hannover statt. Foto: Achim Zielke für den GIN, Ostfildern; www.nagelplatten.de (PresseBox) ( Ostfildern/Hannover, )
Die gemeinsame Jahres-Hauptversammlung aller 52 Mitgliedsunternehmen der Gütegemeinschaft Nagelplattenprodukte e.V. und des Interessenverbandes Nagelplatten e.V. (GIN) fand Mitte Februar im Congress Hotel am Stadtpark in Hannover statt. Nach den Berichten der Vorstandschaft, des Geschäftsführers und der Kassenprüfer, der Obmänner des Marketing-, Technik- und Güte-Ausschusses sowie der Entlastung aller Funktionsträger loteten die Teilnehmer Märkte mit besonderem Zukunftspotenzial aus. Erklärtes Ziel ist, die Verwendung hochwertiger Nagelplattenkonstruktionen auch in neuen Anwendungsbereichen zu etablieren und speziell für die Bindermontage die RAL-Güteüberwachung konsequent auszubauen.

„Wir haben als Interessenverband den Anspruch, Sprachrohr aller Hersteller von Nagelplattenprodukten in Deutschland zu sein. Diese Aufgabe erfordert, dass wir uns von verbandlich nicht-organisierten Betrieben abheben und Maßstäbe für Qualitätsarbeit setzen, die in der gesamten Baubranche anerkannt sind und beachtet werden.“, betonte gleich zu Beginn der Tagung GIN-Vorsitzender Jochen Meilinger, der im Hauptberuf Geschäftsführer seines gleichnamigen Holzbauunternehmens im Altmühltal ist. In seinem Bericht zur Lage der Branche zeichnete er ein positives Bild, verschwieg jedoch nicht, dass er den angestauten Neubaubedarf längst noch nicht in eine angemessene Nachfragesteigerung nach Nagelplattenbindern umgemünzt sieht. In der detaillierten Erläuterung holzbau-typischer Vorteile der Vorfertigung sowie besonderer Produktqualitäten sieht er gute Chancen, dass die Ausschreibung von Tragwerken aus Nagelplattenbindern mit der Zeit immer selbstverständlicher wird, resümierte Meilinger.

„Auch den Einsatz von Parallelträgern in Deckenkonstruktionen und die damit verbundenen Erleichterungen bei der TGA-Installation gilt es forciert zu vermarkten“, schloss sich Oliver Amandi an, Geschäftsführer des in Köln ansässigen Nagelplatten-Herstellers MiTek Industries. Als Mitglied im GIN-Marketingausschuss kündigte er zudem die Entwicklung einer Muster-Ausschreibung für Nagelplattenkonstruktionen an, die von ausschreibenden Stellen, Architekten und Planern in die Gebäudeplanung übernommen werden kann. Der GIN wird über dieses Projekt zu gegebener Zeit gesondert berichten.

Aufstockung als Wachstumsmarkt

Nachhaltigen Bedarf an Nagelplattenbinderkonstruktionen sehen die GIN-Mitglieder aktuell vor allem beim Aufstocken von Gebäuden: Hallen in Gewerbegebieten sowie Mehrfamilienhäuser in städtischen Lagen haben häufig Flachdächer, die als Bauland auf bereits bebautem Grund betrachtet werden können. Dies legt auch das Ergebnis der „Deutschland-Studie 2019“ nahe, die die TU Darmstadt in Zusammenarbeit mit dem Pestel-Institut, Hannover, vorgelegt hat: Die Verfasser kommen zu dem Schluss, dass bundesweit etwa zwei Millionen Gebäude stehen, die aufgestockt werden können – ohne dass für die Bebauung auch nur ein einziger Quadratmeter Bodenfläche versiegelt werden müsste. Zu einer tendenziell ähnlichen Bewertung war bereits 2015 eine vergleichende Untersuchung der Aufstockungspotenziale von Hannover und Bonn gekommen, die der GIN für seine Mitglieder in Auftrag gegeben hatte.

„Für Unternehmen, die regelmäßig ganze Gebäude oder Gebäudeteile wie etwa Dachtragwerke, Decken und Wände aus vorgefertigten Elementen errichten, ist das Aufstocken ein ideales Betätigungsfeld“, betonte GIN-Geschäftsführer Thomas Schäfer. Im Zuge seines Rechenschaftsberichts gab er der Versammlung einen profunden Überblick über das Baugeschehen in Deutschland 2018: „Der Holzbau blickt auf ein sehr gutes Jahr 2018 zurück, das für die Nagelplattenbinder-Branche allerdings nicht ganz so glücklich verlief. Das lag vor allem daran, dass in einigen Teilmärkten, die traditionell ein hoher Bedarf an Nagelplattenkonstruktionen auszeichnet, eine spürbar rückläufige Bautätigkeit zu verzeichnen war.“

Der Markt differenziert sich

In Zahlen ausgedrückt, wurden 2018 insgesamt 315.200 Neubauvorhaben genehmigt, ca. 300.000 davon sind bereits im Bau oder fertiggestellt. Gegenüber 2017 nahm die Neubautätigkeit um 1,3 Prozent zu. Den stärksten Zuwachs verzeichnete der Bau von Mehrfamilienhäusern mit einem Plus von 4,5 Prozent. Rückläufig hingegen entwickelten sich 2018 gegenüber 2017 der Einfamilienhausbau (minus 0,5 Prozent), der Zweifamilienhausbau (minus 5,2 Prozent) sowie der Bau von Flüchtlingsunterkünften (minus 16 Prozent) – drei Marktsegmente, in denen der Tragwerksbau mit Nagelplattenbindern fest etabliert ist (alle Angaben: Stand November 2018). Dass die Nagelplattenbinderbauweise nicht in vollem Umfang von der prosperierenden Holzbau-Konjunktur profitieren konnte, lässt sich somit schlüssig erklären.

Wie ein Jahr Bau-Pause

„Festzuhalten bleibt, dass es nach wie vor einen ungestillten Bedarf an 350.000 bis 400.000 zusätzlichen Wohneinheiten gibt. Das entspricht dem üblichen Neubauvolumen eines ganzen Jahres! Für mich fühlt sich das so an, als ob die gesamte Bauwirtschaft in Deutschland einfach mal ein Jahr pausiert hätte…“, sagte Thomas Schäfer, der für den fortbestehenden Mangel an Wohnraum in erster Linie das Versagen politischer Steuerungsinstrumente verantwortlich machte.

Fachkräftemangel am Bau

Angesichts der bundesweit anhaltend hohen Nachfrage nach bezahlbaren Wohnungen führt der gleichzeitige Fachkräftemangel im Bauhandwerk zu einer weiteren Verschärfung der Lage. Für Hochbauunternehmen macht es von daher Sinn, möglichst viele Bauteile vorfertigen zu lassen. „Das Bauen von Tragwerken mit maßgenau vorgefertigten Nagelplattenbindern wird von dem angestauten Nachholbedarf voraussichtlich überdurchschnittlich profitieren,“ erwartet Kay-Ebe Schnoor, 2. Vorsitzender des GIN und Inhaber von Ing.-Holzbau Schnoor mit Niederlassungen in Burg bei Magdeburg und Husum.

Von der Mitgliederversammlung in Hannover wurde Kay-Ebe Schnoor als neuer Obmann des Marketingausschusses bestätigt. Im November letzten Jahres hatte er diese Funktion zunächst kommissarisch von Hans-Werner Backes übernommen, der sein Amt aus privaten Gründen nicht weiter ausüben kann. Die Mitglieder dankten denn auch in Abwesenheit Vorstandsmitglied Hans-Werner Backes, der Holzbauunternehmer in Hennef/Nordrhein-Westfalen ist, für seine jahrelange engagierte Arbeit zum Wohle der Verbandsgemeinschaft.

Güte sichern

Dass jegliches Mengenwachstum nicht auf Kosten der Qualität gehen darf, mahnte Christian Hierl an, Prokurist und Vertriebsleiter des GIN-Mitgliedsunternehmens Jura-Holzbau aus Riedenburg. „Unser Hauptunterscheidungsmerkmal gegenüber Nicht-Verbandsmitgliedern ist die Güte unserer Binder, die in der Herstellung durch Eigen- und Fremdüberwachungen sichergestellt wird. Unbedingt hinzukommen muss, dass unsere Qualitätsprodukte auf der Baustelle sachgerecht gelagert und fachgerecht verbaut werden“, sagte Hierl und forderte, die Erfüllung der anspruchsvollen RAL-Gütekriterien nicht nur in der Herstellung, sondern ebenso bei der Montage engmaschig zu überwachen.

Komplexes Systemprodukt

Dass die Sicherstellung einwandfreier Qualität vom Holzeinschlag über die Sortierung des Bauholzes, die technische Trocknung sowie das Ablängen der Gurte und Stäbe bis hin zur objektspezifischen Binderfertigung nach statischer Bemessung eine facettenreiche und zugleich verantwortungsvolle Aufgabe ist, betonte der Sachverständige Ralf Stoodt aus Rheinbreitbach in seiner Funktion als Obmann des GIN-Güteausschusses. Er führte aus, dass sich Qualitätsarbeit bis ins Detail bei der Herstellung und professionelles Montage-Know-how auf der Baustelle idealerweise ergänzen sollten. Um dies flächendeckend zu bewirken, beschlossen die Verbandsmitglieder, dass sich der GIN 2019 verstärkt der Montage von Nagelplattenkonstruktionen widmen wird. Dazu gehört unter anderem die Qualifizierung des Montagepersonals in Schulungen, die der Verband sowohl Architekten/Planern und Statikern als auch Bauhandwerkern anbieten will. Inhaltlich werden sich die neuen GIN-Montage-Schulungen an den strengen Standards orientieren, die für die Erlangung und das Führen des RAL-Gütezeichens 601 gelten. Das kommt nicht von ungefähr, da der GIN für die Vergabe des RAL-GZ 601 zuständig ist. „Das RAL-Gütezeichen 601 umfasst in Teil I die Herstellung von Nagelplattenprodukten und regelt in Teil II deren fachgerechte Montage.“, sagte Stoodt. Ergänzend wird vom GIN eine neue Arbeitsgruppe einberufen, die sich mit den Prüfungsmodalitäten zur Erlangung des RAL-Gütezeichens befasst; dazu zählt insbesondere die Schulung der Anwärter in korrekter Bindermontage und im systematischen Vermeiden von Imperfektionen.

Für Theo Schönhoff, Obmann im Technischen Ausschuss des GIN, ist dabei die Sensibilisierung der Schulungsteilnehmer auch für weitere Themenfelder von Bedeutung. Aspekte wie die Aussteifung des Tragwerks, die statische Kompensation von Winddruck und Schneelasten durch gezielte Ableitung über die Umfassungswände eines Gebäudes, dessen Erdbebensicherheit, Möglichkeiten zur TGA-Integration in die Geschossdecke durch Open-Web-Joists (Parallelträger mit Nagelplattenstegen) sowie der Wandaufbau als Nagelplattenkonstruktion gehören für ihn zu einem zeitgemäßen Schulungsangebot mit dazu.

Das Wesen der Normen

Darüber hinaus kommt auch dem Verbandsengagement bei der technischen Normung auf nationaler und internationaler Ebene immer größere Bedeutung zu, wie GIN-Vorstand Jochen Meilinger anmerkte. Mit Konrad Meier, Experte für Nagelplatten und Binderkonstruktionen sowie Mitglied im Technischen Ausschuss des GIN, sind die Gütegemeinschaft und der Interessenverband in den normsetzenden Gremien der Bauwirtschaft auf nationaler wie auch internationaler Ebene äußerst kompetent vertreten. Am Beispiel der Einführung von BIM-Standards im Hochbau machte Konrad Meier der Versammlung klar, dass es ohne vertieftes Vorfertigungs-Know-how insbesondere auf Großbaustellen künftig kaum noch geht. „Auf die digitale Planungsmethode BIM alias Building Information Modeling werden wir uns beim Tragwerksbau für öffentliche und größere privatwirtschaftliche Bauvorhaben mit Sicherheit einzustellen haben“, betonte er. Dazu gehören unter anderem auch der Schalungsbau mit Nagelplattenbindern für Brückenneubauten sowie der Verkehrswegebau (Bahngleise, Straßen, Wasserwege etc.).

Zusammenfassung: Die gemeinsame Mitgliederversammlung der Gütegemeinschaft Nagelplattenprodukte e.V. und des Interessenverbandes Nagelplatten e.V. (GIN) setzte sich anlässlich ihrer Jahres-Hauptversammlung 2019 in Hannover mit der aktuellen Marktsituation im Allgemeinen und Potenzialmärkten im Besonderen auseinander. Einigkeit herrschte darüber, dass trotz des immensen Neubau-Nachholbedarfs in Deutschland die angestrebte Erhöhung der Marktanteile nicht auf Kosten der Qualität von Nagelplattenkonstruktionen gehen darf. „Als Gütegemeinschaft stehen wir für die einwandfreie Qualität unserer Produkte ein“, sagte Konrad Meier, der im Hauptberuf für das österreichische Holzbauunternehmen Wolf System in Scharnstein tätig ist. Das bringen GIN-Mitgliedsbetriebe als Hersteller durch das RAL-Gütezeichen 601, Teil I, zum Ausdruck. Die hohen Produktionsstandards müssen sich aber auch in der Montage widerspiegeln: „Jeder Binder muss exakt im Senkel stehen, damit das Ergebnis stimmt und das Tragwerk seine Funktion dauerhaft erfüllt. Deshalb sollten sich auch möglichst alle montierenden Betriebe nach eingehender Schulung durch den GIN einer Fremdüberwachung unterziehen und sich um das RAL-Gütezeichen 601, Teil II, bemühen.“, fasste Vorsitzender Jochen Meilinger zusammen und beendete damit die diesjährige Hauptversammlung der GIN-Mitglieder.

Über den GIN

Starke Verbindungen! Nach dieser Maxime handeln die Gütegemeinschaft Nagelplattenprodukte e.V. und der Interessenverband Nagelplatten e.V. für derzeit 52 Hersteller und Verarbeiter von Nagelplatten und Nagelplattenprodukten: „Nagelplatten werden vor allem im Dach- und Wandbereich von Wohnhäusern, Supermärkten, Gewerbe-, Produktions- und Lagerhallen, landwirtschaftlichen Gebäuden, öffentlichen Einrichtungen wie Sporthallen sowie für Brückenschalungen etc. als extrem belastbare Verbindungsmittel eingesetzt“, erläutert GIN-Geschäftsführer Thomas Schäfer. Das „RAL-Gütezeichen Nagelplattenprodukte“ führen alle Betriebe, die auch Mitglied der Gütegemeinschaft sind. Es umfasst die Herstellung von Nagelplattenprodukten und kann sich darüber hinaus auch auf die Montage von Nagelplattenbinderkonstruktionen erstrecken. Das Gütezeichen Nagelplattenprodukte bürgt so für sichere, maßgenau hergestellte Verbindungen von Holzelementen mit einer Spannweite von bis zu 35 m sowie für die fachgerechte Montage gebäudespezifischer Tragsysteme von allerhöchster, dauerhafter Qualität.

Gemeinnützig und solidarisch unterstützt der GIN seine Mitgliedsfirmen in allen Fragen, die sich im Hinblick auf technisch vorbildliche und wirtschaftlich vorteilhafte Einsatzmöglichkeiten von Nagelplatten am Bau ergeben. Zugleich ist der Interessenverband Ansprechpartner und Auskunftsquelle für Architekten, Hausbauunternehmen, Bauämter, Zimmerei-, Dachdecker- sowie weitere Handwerksbetriebe, die Nagelplatten und Nagelplattenprodukte bei der Verwirklichung unterschiedlichster Bauvorhaben konstruktiv verwenden. 1982 gegründet, gehört der GIN der Verbändegemeinschaft FORUM HOLZBAU an, hat seinen Sitz in Ostfildern bei Stuttgart und wird von Jochen Meilinger (1. Vors.), Kay-Ebe Schnoor (2. Vors.) und Thomas Schäfer (Geschäftsführer) vertreten. Weitere wissenswerte Informationen über Nagelplatten und -produkte sowie über den GIN als Interessenverband finden sich im Internet auf www.nagelplatten.de

Vorschau: Die nächste Jahres-Hauptversammlung der GIN-Mitglieder findet 2020 – wiederum im Februar – voraussichtlich in Leipzig statt.

Text und Fotos: Achim Zielke M.A., Baufachjournalist abp, Mannheim
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