„Es sollte nicht darum gehen, Hochschul-IP einfach billig abzugeben, sondern gründungsfreundliche und zugleich ausgewogene Konditionen zu schaffen, die für alle Beteiligten Anreize setzen, gemeinsam auf eine erfolgreiche Entwicklung der Ausgründung hinzuwirken. Genauso wichtig ist dabei ein leistungsfähiges Ökosystem, das technologische Entwicklung, Gründungsteam, Validierung, Finanzierung und professionellen Transfer wirkungsvoll miteinander verbindet“, sagt Axel Koch, Vorstandsvorsitzender der TransferAllianz.
Ein Gründungsprivileg, das Gründerinnen und Gründern einen besonderen Anspruch auf eine kostenlose oder vergünstigte Übertragung von Hochschul-IP einräumt, greift nicht nur zu kurz – es kann auch Fehlanreize setzen und bestehende Transferstrukturen schwächen. Es würde die Gründung als Verwertungsweg institutionell bevorzugen, unabhängig davon, ob sie für die jeweilige Technologie tatsächlich die erfolgversprechendste Option ist. Damit drohen Nachteile für andere Verwertungswege, nicht gründende Miterfinderinnen und Miterfinder sowie die wirtschaftliche Grundlage professioneller Transferstrukturen.
IP-Zugang erleichtern – mit fairen Rahmenbedingungen für alle
Die innovationspolitische Aufgabe besteht daher nicht darin, öffentliches IP möglichst günstig abzugeben. Entscheidend ist, den Zugang zu IP schnell, transparent, investmentfähig und gründungsfreundlich zu gestalten und dabei eine faire Partizipation aller am Transfer beteiligten Akteure sicherzustellen.
Für junge Unternehmen gibt es bereits heute Möglichkeiten, die wirtschaftliche Belastung in der Frühphase zu reduzieren. Flexible Lizenzmodelle, gestufte Zahlungen, erfolgsabhängige Vergütungen und sogenannte back-loaded deals können Zahlungen an spätere Entwicklungs- und Finanzierungsschritte koppeln und damit die Liquidität junger Unternehmen schonen.
Auch die öffentlichen Vermögenswerte, die hinter Hochschul-IP stehen, müssen berücksichtigt werden. Viele Technologien entstehen auf Grundlage öffentlich finanzierter Forschung sowie der Infrastruktur und Arbeit von Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Angemessene wirtschaftliche Rückflüsse sind daher gerechtfertigt und können aus erfolgreichen Verwertungen können wiederum in Patentierung, Validierung, Proof-of-Concept und die Unterstützung weiterer Ausgründungen fließen.
German Spin-off Framework als konkrete Alternative
Mit dem German Spin-off Framework (GSOF) liegt bereits ein konkreter Ansatz für schnellere und gründungsfreundlichere Spin-off-Prozesse vor. Das gemeinsam von Wissenschaftseinrichtungen und Venture-Capital-Akteuren entwickelte Framework wurde im Juni 2026 als gemeinsamer Rahmen für die Ausgestaltung von Spin-off-Konditionen vorgestellt.
Das GSOF setzt auf standardisierte, marktnahe und zugleich flexible Konditionen. Ziel ist es, IP-Verhandlungen zu beschleunigen, Verfahren transparenter zu machen und jungen Unternehmen einen investmentfähigen Zugang zu Technologien zu ermöglichen. Besonders relevant sind back-loaded deals, bei denen wirtschaftliche Verpflichtungen auf spätere Entwicklungsphasen verlagert und an Finanzierungs-, Umsatz- oder andere Meilensteine gekoppelt werden können.
„Wir brauchen keine pauschale Privilegierung eines einzelnen Verwertungswegs. Mit dem German Spin-off Framework haben wir einen konkreten Ansatz, um IP-Prozesse zu beschleunigen, Gründungen in der frühen Phase zu entlasten und gleichzeitig faire Bedingungen für Hochschulen, Forschungseinrichtungen und weitere Transferakteure zu erhalten“, betont Thomas Gazlig, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der TransferAllianz.
Die TransferAllianz plädiert deshalb dafür, das German Spin-off Framework als Kern einer transparenten und gründungsfreundlichen IP-Strategie weiterzuentwickeln und breit zu etablieren. Ziel müsse nicht sein, möglichst viele Unternehmen zu gründen, sondern möglichst viele wissenschaftsbasierte Unternehmen erfolgreich zu entwickeln.