Gefragt sind Lösungen, die sich im Alltag bewähren. Dabei lohnt der Blick über das eigene Unternehmen hinaus: Entlang von Lieferketten lassen sich Ressourcen neu nutzen, Stoffkreisläufe schließen und zusätzliche Wertschöpfung erschließen. Genau hier setzt evolvis an und bringt Akteure aus Wirtschaft und Verwaltung zusammen. Gründerin und Kreislaufwirtschaftsberaterin Sonja Wegge weiß, wie daraus tragfähige Geschäftsmodelle entstehen.
Welche zirkulären Geschäftsmodelle funktionieren besonders gut?
Für langlebige, elektronische Produkte und Maschinen werden mit Product-as-a-Service und Wiederaufbereitung bereits sichtbare Umsätze generiert. Der Kunde profitiert von attraktiven Upgrade-Zyklen, optimiertem Cashflow, niedrigeren Wartungskosten und Trade-in-Angeboten. Auch C2C-Plattformen für den Wiederverkauf von Konsumgütern sind etabliert. Dass für weitere Sektoren Potenzial besteht, zeigt auch die wachsende Zahl von Innovationen. Dies lässt sich etwa für Textilien, Elektronik, Bau und Lebensmittel beobachten. Neue Dienstleistungen erleichtern die Umsetzung. Viele dieser Ansätze befinden sich noch in der Skalierungsphase. Welche Modelle rentabel sind, hängt stark von Produkt, Kundensegment und Rahmenbedingungen ab.
Was unterscheidet Unternehmen, die mit zirkulären Geschäftsmodellen erfolgreich sind, von denen, die über Pilotprojekte nicht hinauskommen?
Kundenerlebnis, Business Case und Skalierung müssen von Anfang an durchdacht und strategisch verankert werden. Dabei können positive Effekte auf Kundenbasis und -bindung entstehen. Zudem lohnt es sich, über die eigenen Unternehmensgrenzen hinaus zu denken. Ineffizienzen können entlang der gesamten Wertschöpfungskette identifiziert werden. Partnerschaften mit Dienstleistern oder Marktbegleitern können Investitionshürden senken und die Time-to-Market reduzieren.
Welche Rolle können Kommunen spielen, um zirkuläre Geschäftsmodelle in Gang zu bringen?
Beschaffung und Liegenschaftsmanagement sind große Hebel für Kommunen, um die Vorteile zirkulärer Produkte und Services zu nutzen und dabei ein klares Nachfragesignal zu senden. Abfallwirtschaftsbetriebe können zu Ressourcen-Hubs weiterentwickelt werden. Zusätzlich können Kommunen durch Flächenmanagement, Fördermittelvergabe oder Start-up-Ökosysteme als Katalysatoren wirken. Besondere Chancen bieten auch Unternehmensnetzwerke, die neue Partnerschaften zur Schließung lokaler Stoffströme ermöglichen.