- Berylls by AlixPartners stellt das E-Mobility Ranking 2026 vor.
- BEV-Zulassungen erholen sich strukturell und nicht aufgrund neuer Incentives.
- Firmenflottenbesteuerung ist der Haupttreiber für wachsende BEV- Zulassungszahlen in Europa, politische Rahmenbedingungen spielen eine entscheidende Rolle.
- Nach Einbruch im Jahr 2024, erholt sich der Europäische-Markt 2025 auf BEV-Neuzulassungsanteil von 19,5 Prozent.
- Progressive Flottenelektrifizierung der Märkte mit anhaltenden hohen BEV-Absatzvolumen führt mittlerweile zu Wachstum beim Energiebedarf.
- Ladeinfrastruktur – die Lücken liegen abseits der Autobahnen, in Europa, aber auch in China.
Henning Ludes, Associate Partner bei Berylls by AlixPartners und einer der Studienautoren, erläutert: „Besonders aufschlussreich ist der deutsche Markt: Nach dem abrupten Ende des Umweltbonus galt er als Beleg für eine subventionsabhängige Nachfrage. Stattdessen liegt der BEV-Anteil 2025 mit 19,1 Prozent über dem Vorkrisenniveau von 14,6 Prozent aus dem Jahr 2023 – getrieben durch neue Einstiegsmodelle, steigende Lebenszyklusvorteile, striktere EU-Vorgaben im vergangenen Jahr und eine stärkere Nachfrage nach Firmenwagen. Mittlerweile ersetzen handfeste strukturelle Treiber immer mehr die Kaufprämien – bleiben jedoch regulatorisch flankiert.“ Offensichtlich ist das Modellportfolio an E-Autos mittlerweile so umfangreich, dass immer mehr Menschen ein für ihre Anwendungsfälle und finanziellen Verhältnisse passendes Modell finden können. Dazu tragen nicht zuletzt chinesische Hersteller bei, die zunehmend außerhalb Chinas produzieren. Der Iran-Krieg hat auf die aktuellen Neuzulassungen dagegen noch keinen Einfluss. Einige Hersteller verzeichnen allerdings eine gesteigerte Nachfrage nach E-Modellen – vermehrte Neuzulassungen sind mit einem Versatz von einigen Monaten zu erwarten.
Flottenpolitik entscheidet – nicht Marktgröße
Incentives wie spezielle Einfahrerlaubnisse in Innenstädte für BEVs, verringerte Mautkosten auf bestimmten Strecken und natürlich Kaufprämien gelten als starke Anreize für den Erwerb eines E-Autos. Die E-Mobility-Studie zeigt jedoch, dass ein ganz anderer Faktor einen viel größeren Einfluss auf steigende Zulassungszahlen hat. Dr. Alexander Timmer, Partner und Managing Director bei Berylls by AlixPartners, sagt dazu: „Belgien hat seinen BEV-Anteil bei den Neuzulassungen seit 2021 von 5,9 Prozent auf 34,7 Prozent verfünffacht – ohne Kaufprämien. Hier wirkt die asymmetrische Flottenbesteuerung: Verbrenner verlieren ab 2028 die steuerliche Abzugsfähigkeit als Firmenwagen völlig, E-Autos bleiben hingegen vollständig absetzbar. 89 Prozent aller neuen BEVs wurden 2025 in Belgien als Firmenwagen zugelassen. Länder, die einen derart klaren Schnitt vollziehen, erzeugen einen strukturellen Nachfrageschub – unabhängig von der Kaufkraft ihrer Bürger oder der Größe ihres Marktes.“
Bis 2035 werden zwei Nationen mehr als die Hälfte des EU-BEV-Ladeenergiebedarfs tragen: Deutschland und Großbritannien
Norwegen, Dänemark, Belgien und Schweden liegen beim Marktanteil der BEV an der Flotte im europäischen Vergleich zwar vorn, doch die Energiemengen fließen woanders. Julien Petat, Berater bei Berylls by AlixPartners, sagt: „Deutschland und Großbritannien werden 2035 mit rund 18 bzw. 14 Millionen BEVs in der Bestandsflotte zusammen die Hälfte des gesamten europäischen BEV-Energiebedarfs auf sich vereinen. Im gleichen Zeitraum sinkt der Anteil Skandinaviens und Benelux von 31 auf 20 Prozent. Wer Ladeinfrastruktur nach Marktanteilsquoten priorisiert, investiert am Energievolumen vorbei.“
Tatsächlich verzerren Kennzahlen wie ‚installierte öffentliche Ladeleistung pro BEV‘ das Bild. So wirkt Norwegen schwach, denn ca. 70 Prozent der Ladevorgänge finden zuhause statt, nicht im öffentlichen Raum. Osteuropa wirkt dagegen stark, da eine EU-Regulierung Schnelllader entlang der Autobahnen erzwingt – in Städten und ländlichen Regionen bleibt die Versorgung jedoch dünn. Abseits der Autobahnen ist das Ladenetz noch sehr grobmaschig. In reifen Märkten wie DACH, Großbritannien und Frankreich verlagert sich der Wettbewerb zeitgleich vom reinen Netzausbau auf Themen wie Standortqualität, Auslastung und Flottenintegration.
2024 war ein verlorenes Jahr, 2025 nimmt die E-Mobilität wieder spürbar Fahrt auf
In der letztjährigen Ausgabe des Berylls by AlixPartners E-Mobility Country Rankings sprachen wir von einem verlorenen Jahr 2024 für die E-Mobilität. Das Jahr 2025 stimmt dagegen positiv, auch wenn der BEV-Fahrzeugbestand mit 3,5 Prozent in Europa noch eher überschaubar ausfällt: Mit einem BEV-Anteil von knapp 20 Prozent an den Neuzulassungen in Europa ist das Jahr 2025 ein wichtiger Meilenstein. Timo Natemeyer, Berater bei Berylls by AlixPartners sagt: „Wir gehen davon aus, dass der BEV-Flottenanteil bis zum Jahr 2035 im europäischen Durchschnitt auf über 25 Prozent ansteigen wird, was rund 80 Millionen Fahrzeugen entspricht.“ Auch im nächsten Jahrzehnt bleibt die Dominanz von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor auf Europas Straßen also ungebrochen. Im Jahr 2035 wird der tägliche Ladestrom-Bedarf dennoch europaweit bei über 350 GWh liegen (2025: ca. 85 GWh). Der Anteil, der auf die öffentliche Ladeinfrastruktur entfällt, hängt von der Region und dem Ladeverhalten ab.
Schnellere Transformation in China: 28,1 Prozent der Neuzulassungen entfielen im letzten Jahr auf BEV
Bei den Neuzulassungszahlen liegt China weit vor Europa. Im Jahr 2025 erreichte das Reich der Mitte mit 28,1 Prozent einen Rekordanteil bei den Verkäufen von reinen Elektrofahrzeugen. Dies deutet auf eine anhaltende Marktdurchdringung hin, wenngleich sich das Wachstum im Vergleich zu den Vorjahren verlangsamt hat. Mit mehr als 20 Millionen Ladepunkten verfügt China mittlerweile über die weltweit größte Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge. Die Zahl hat sich innerhalb von 18 Monaten etwa verdoppelt. Die NEV-Flotte übersprang die Schwelle von 40 Millionen Fahrzeugen. Hinter diesen beeindruckenden Zahlen konzentriert sich der Wandel jedoch nach wie vor stark auf die größten Städte der Kategorien 1 und 2. In diesen Megacitys haben die Ladenetzwerke eine hohe strukturelle Reife erreicht und der Großteil der verkauften Neufahrzeuge ist bereits elektrisch oder teilelektrisch.
In den ländlichen Gebieten Chinas sieht das Bild weiterhin deutlich anders aus. Andreas Radics Partner und Managing Director bei Berylls by AlixPartners erklärt: „Zwar verfügen etwa 98 Prozent der chinesischen Autobahnraststätten über eine Ladeinfrastruktur, doch die öffentlichen Lademöglichkeiten in Landkreisen und Dörfern sind nach wie vor spärlich, ungleichmäßig verteilt und oft wirtschaftlich unattraktiv. Hohe Betriebskosten, geringe Auslastung, Netzengpässe und Schwierigkeiten beim Zugang zu Grundstücken schränken private Investitionen ein.“ Als Reaktion darauf hat die Regierung ein Dreijahresprogramm gestartet, um bis Ende 2027 28 Millionen Ladepunkte zu installieren. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Bereitstellung von Gleichstromladegeräten in derzeit nicht abgedeckten Gemeinden. Die Transformation mag in China schneller an Boden gewinnen. Abgeschlossen ist sie aber auch dort noch lange nicht.
Das Berylls by AlixPartners E-Mobility Ranking finden Sie im Anhang.