Die geplante Einführung eines erhöhten Fixzuschlags von bis zu elf Euro für ausgewählte, „besonders versorgungsrelevante Apotheken“ stößt bei aporisk auf grundsätzliche Kritik. Aus Sicht des pharmazeutischen Versicherers birgt das Vorhaben erhebliche Risiken für die wirtschaftliche Gleichbehandlung und strategische Planungssicherheit von Apothekenbetrieben. Die gezielte Förderlogik sei weder systemisch durchdacht noch praxistauglich umsetzbar. Statt einzelner Zuschüsse brauche es eine faire, tragfähige Vergütungsstruktur für alle Betriebe.
„Wer den Apothekenmarkt stabilisieren will, darf keine Zwei-Klassen-Vergütung schaffen“, betont ein Sprecher von aporisk. Die Fixzuschläge sollen laut Koalitionsvertrag je nach Versorgungsgrad regional differenziert angehoben werden – bis zu elf Euro für „systemrelevante“ Apotheken, während andere mit einer Erhöhung auf 9,50 Euro rechnen dürfen. Diese Aufspaltung kritisiert aporisk als kontraproduktives Signal: „Identische pharmazeutische Leistungen dürfen nicht unterschiedlich honoriert werden – das gefährdet Berufsethik, Vertrauen und Investitionssicherheit.“
Besondere Sorge bereitet aporisk die Frage nach der Operationalisierbarkeit des geplanten Fördermodells. Es sei nicht klar definiert, nach welchen Kriterien Apotheken als „förderwürdig“ gelten sollen – und wie häufig diese Einschätzung aktualisiert wird. Die politische Einzelfestlegung führe zu Unsicherheit bei Betriebsgründungen, erschwere die Nachfolgeregelung und untergrabe die mittel- bis langfristige Finanzierungsplanung vieler Apotheken, insbesondere im ländlichen Raum.
„Ein Vergütungsmodell darf nicht zur Lotterie werden. Wirtschaftliche Planbarkeit ist Grundvoraussetzung für stabile Versorgung“, so aporisk. Eine Zuschussregelung, die sich an dynamischen Versorgungsindikatoren orientiert, könne nicht gewährleisten, dass Standorte langfristig abgesichert werden. Zudem drohten bürokratische Folgeeffekte, etwa im Rahmen der Dokumentation, Rückforderungen oder Zweckbindungsnachweise.
Auch haftungs- und versicherungstechnisch sei das geplante Modell problematisch: Bei Unsicherheiten über die Zweckbindung staatlicher Mittel könne es im Streitfall zu Rückforderungen kommen, was finanzielle Schäden auslöst, die in klassischen Betriebsausfall- oder Rechtsschutzversicherungen nicht abgedeckt sind. Aporisk rät daher dringend zur Vorsicht bei der wirtschaftlichen Einplanung künftiger Fixum-Zuschüsse.
Statt punktueller Einzelzuschüsse plädiert aporisk für eine systematisch nachvollziehbare, bundesweit einheitliche Anhebung des Fixums auf ein Niveau, das reale Kostenentwicklungen, Personalaufwand und Notdienstverpflichtungen angemessen berücksichtigt. Nur so lasse sich ein funktionierendes Gleichgewicht zwischen flächendeckender Versorgung und betrieblicher Tragfähigkeit erreichen.
Aporisk fordert die politischen Entscheidungsträger auf, die Förderlogik grundlegend zu überdenken und eine klare, faire sowie kalkulierbare Vergütungsstruktur zu schaffen, die die Leistung aller Apothekenbetriebe würdigt und Versorgungssicherheit nicht vom Zufall politischer Einstufungen abhängig macht.
Redaktionelle Einordnung
Diese Pressemitteilung richtet sich an gesundheitspolitische Entscheidungsträger, Apothekenverbände, Medien und Kostenträger mit dem Ziel, auf die systemischen Risiken selektiver Vergütungsmodelle aufmerksam zu machen und einen Beitrag zur Debatte über faire Apothekenfinanzierung zu leisten. Sie formuliert die Position von aporisk zur geplanten Fixum-Förderung im Koalitionsvertrag und wirbt für ein verlässliches, einheitliches und gerechtes Vergütungssystem.
Von Matthias Engler, Fachjournalist