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Fördern ohne Maßstab, schrumpfen ohne Strategie, verteilen ohne Wirkung

Wie politische Subventionen die Versorgung verfehlen, kleine Apotheken marginalisieren und systemrelevante Standorte unsichtbar machen

(PresseBox) (Karlsruhe, )
 

Apotheken-News von heute

Was politisch als Unterstützung für Apotheken deklariert wird, erweist sich bei näherer Betrachtung oft als Verteilpraxis ohne Wirkung, deren Kriterien an betriebswirtschaftlichen Oberflächenmerkmalen orientiert sind und zentrale Funktionen kleiner, systemrelevanter Betriebe systematisch übersehen. Wer nicht skaliert, dokumentiert oder strategisch sichtbar ist, wird aus Förderlogiken verdrängt – unabhängig davon, welche reale Versorgung er sichert. Damit entsteht eine Förderarchitektur, die nicht nur lückenhaft wirkt, sondern aktiv zur strukturellen Ausdünnung beiträgt. Der systemische Fehler liegt nicht allein in der Mittelverteilung, sondern in der fehlenden Differenzierung: Förderung wird zur pauschalen Verwaltung, nicht zur strategischen Steuerung. Kleinere Apotheken geraten so unter Legitimitätsdruck, während Filialverbünde ihre Prozesse und Mittelzuweisungen professionalisieren. Die politische Sprache behauptet Stabilisierung, doch in der Fläche entstehen Leerstellen – nicht nur räumlich, sondern auch funktional. Entscheidend wird, ob künftig Wirkung gemessen oder lediglich Positionen verteidigt werden. Apotheken, die ihre Rolle nicht nach außen tragen, riskieren Unsichtbarkeit. Der politische Rahmen muss erkennen, dass Versorgung kein Betriebsvolumen, sondern infrastrukturelle Tragweite bedeutet – und dass Förderung ohne Zielsystem das Gesundheitswesen strategisch entkernt.

Was bleibt von einem System, wenn seine Förderung das Falsche stützt? Wenn das Geld dorthin fließt, wo der Bedarf am geringsten ist – und dort fehlt, wo Stabilität gebraucht wird? Wenn Apothekenpolitik nicht mehr aus der Versorgung heraus denkt, sondern aus der Statistik heraus rechnet? Es bleibt ein Vakuum. Und in diesem Vakuum verlieren gerade jene Betriebe an Boden, die der Fläche Halt geben.

Der Fehler liegt nicht in der Marktveränderung selbst. Dass große Apotheken wachsen, ist keine Fehlentwicklung, sondern betriebliche Logik. Der Fehler beginnt dort, wo diese Entwicklung als Modell verabsolutiert wird – und kleine Betriebe aus dem Raster fallen, nicht weil sie unwichtig wären, sondern weil sie unpassend erscheinen. Was zählt, ist Skalierung. Was fehlt, ist Systembezug.

Fördermittel greifen ins Leere, wenn sie nicht unterscheiden können. Wenn sie versorgen wollen, aber nicht fragen, wer tatsächlich versorgt. Wenn sie Flächendeckung beschwören, aber keine Kriterien liefern, die diese Abdeckung plausibel absichern. Nicht die Anzahl der Apotheken garantiert Stabilität – sondern ihre funktionale Präsenz im Alltag. Und genau diese Präsenz ist es, die politisch kaum erfasst, selten gemessen, fast nie geschützt wird.

Und was entsteht stattdessen? Eine Landschaft, in der wirtschaftlich starke Filialen expandieren, weil sie die Spielregeln beherrschen, während kleinere Apotheken administrativ überfordert und strategisch allein zurückbleiben. Es ist kein Verlust an Qualität – sondern ein struktureller Ausschluss. Wer zu wenig dokumentiert, verliert Anspruch. Wer nicht skaliert, wird nicht adressiert. Wer keinen Bericht liefert, bleibt ungehört.

Aber was wäre ein gerechtes System? Eines, das Wirkung misst. Nicht Umsatz. Nicht Fläche. Nicht Personalstärke. Sondern funktionale Leistung: Wie viele Pflegeeinrichtungen werden versorgt? Wie viele Notdienste abgedeckt? Wie viele pharmazeutische Dienstleistungen aktiv angeboten? Wo liegt die Ankerfunktion für ländliche Räume oder für vulnerable Stadtquartiere? Das sind die Fragen, die zählen – wenn man fördern will, was trägt.

Was trägt wirklich? Nicht der Umsatz allein. Auch nicht die Verfügbarkeit von Parkplätzen. Sondern das Verhältnis zwischen Standort und Lebensrealität. Zwischen Patient und Wegstrecke. Zwischen Beratung und Vertrauen. Es ist dieses Dreieck, das im politischen Diskurs fehlt. Weil es schwer zu operationalisieren ist. Und weil seine Wirkung erst sichtbar wird, wenn sie verschwindet.

Die Konsequenz: Förderpolitik wird zur Verwaltung von Symptomen. Apothekensterben wird registriert, nicht reguliert. Verlust wird beklagt, nicht abgewendet. Symbolische Programmatik ersetzt strukturelle Intervention. Und am Ende bleibt ein System, das seine relevanten Einheiten verliert, weil es ihre Relevanz nie definiert hat.

Wer heute eine Apotheke betreibt, die nicht zu den großen Ketten gehört, steht nicht nur unter wirtschaftlichem Druck. Sondern unter Legitimationszwang. Der Staat verlangt Nachweise für das, was er bisher als selbstverständlich vorausgesetzt hat. Wer diese Nachweise nicht liefert, fällt aus der Zählung. Und mit der Zählung – aus dem Förderkorridor.

Die Antwort darauf kann nicht im Rückzug liegen. Sie liegt in strategischer Sichtbarkeit. In der präzisen Dokumentation dessen, was über das Geschäft hinausgeht: Gemeinwohlfunktion, Standortbindung, Interaktion mit lokalen Akteuren, Übernahme von Gesundheitsaufgaben außerhalb der Norm. Die Apotheke als Gesundheitsraum, nicht als Abgabestelle – das ist das Narrativ, das über Zuweisung oder Ausschluss entscheidet.

Aber dafür braucht es auch ein politisches Gegenüber, das bereit ist, Wirkung zu bewerten – und nicht nur Positionen zu verteidigen. Denn wo Förderpolitik nach Betriebskennzahlen strukturiert wird, verliert sie ihren politischen Charakter. Sie wird technokratisch – und blind. Und blindes Steuern erzeugt keine Richtung. Nur Drift.

Diese Drift trifft nicht alle gleich. Sie trifft zuerst jene, die schon länger am Rand stehen. Die ohne Lobby. Ohne Verhandlungsmacht. Ohne PR-Struktur. Die still sichern, was andere nur diskutieren: Alltagsversorgung in der Peripherie. Arzneimittel in der Nähe. Vertrauen, das nicht auf digitalem Weg ersetzt werden kann.

Förderung muss sehen lernen – nicht nur zählen. Muss bewerten, was passiert, wenn ein Standort wegbricht. Muss verstehen, dass die Relevanz einer Apotheke nicht in Quadratmetern liegt, sondern im Verhältnis zum Versorgungsraum. Was passiert, wenn dieser Maßstab fehlt, zeigt sich längst: dort, wo der nächste Gesundheitskontakt nur noch online existiert – oder gar nicht mehr.

Und jetzt? Wer handeln will, muss unterscheiden können. Muss politisch priorisieren – nicht statistisch verteilen. Muss erkennen, dass das Gesundheitswesen kein Markt ist, sondern eine Infrastruktur. Und dass Infrastrukturen nicht von Effizienz leben – sondern von Absicherung. Das ist nicht ineffizient. Das ist staatliche Intelligenz.

Wenn diese Intelligenz fehlt, wird gefördert, was bereits stark ist – und ignoriert, was gebraucht wird. Das ist der Kipppunkt. Und dieser Kipppunkt ist erreicht.

Von Engin Günder, Fachjournalist

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