IHK-Konjunkturbericht viertes Quartal 2004

Rückschritt wettgemacht - Lage stabil, Erwartungen skeptisch

(PresseBox) ( Halle, )
Die Industrie entwickelt sich weiterhin gut, das Dienstleistungsgewerbe hat sich leicht erholt und die Strukturkrisen in Bau, Handel und Verkehr dauern an. Für die Gesamtwirtschaft im Süden Sachsen-Anhalts ist das konjunkturelle Ausgangsniveau der Vorquartale wieder erreicht worden und damit der Rückschritt im letzten Quartal wettgemacht. Zu diesem Ergebnis kommt die Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau (IHK) anhand ihrer jüngsten Konjunkturumfrage unter ca. 800 Mitgliedsunternehmen.

„Das Konjunkturbild im IHK-Bezirk ist wenig Mut machend, das Wachstumsbild in sich gegensätzlich, mittelfristig nicht ohne Hoffnung. Das Arbeitsmarktbild ist trostlos, und das Geburtendefizit Angst machend und zwar in ganz Deutschland. Dies gilt am Jahresanfang 2005 rückblickend wie vorausschauend. Die Ursache ist ein dramatischer, historisch einmalig langanhaltender Einbruch der Investionen in Deutschland seit 1991“, so IHK-Hauptgeschäftsführer Prof. Dr. Peter Heimann gegenüber den Medien. Als eine der dringendsten Herausforderungen von Bund, Land und Kommunen sieht Heimann die Wiedergewinnung der finanziellen Handlungsfähigkeit und die Verbesserung des Investitionskalküls der Unternehmer. Staatliche Aufgabenschwerpunkte müssten Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur, in Bildung, Ausbildung, Forschung und Entwicklung sein. Dies schaffe verstärkte und neue Fundamente für mehr Arbeitsplätze, zusätzliche Einkommen und Mut zur Zukunft, so Heimann.

Der aus den Lage- und Erwartungswerten über alle Branchen hinweg gebildete Geschäftsklimaindex habe sich im Vergleich zum Vor- und Vorjahresquartal verbessert. Die Wirtschaft rechne wieder mit einem langsameren Arbeitsplatzabbau. Die Zahl der Arbeitslosen sei im zurückliegenden Jahr gesunken, die Arbeitslosenquote betrage 21,3 Prozent. Nach einem deutlichen Anziehen der Investitionsneigung im Jahresverlauf sei sie im Vergleich zum Vorquartal nahezu gleich geblieben. Der Export sei stabil, laut IHK würden hier die Dynamik der Entwicklung und die noch vorhandenen Entwicklungspotentiale auf dem internationalen Markt sichtbar.


Industrie wächst stabil
Der Geschäftsklimaindex verschlechterte sich im Vergleich zum Vorquartal geringfügig und liegt knapp über Vorjahreswert. Dies ist Ergebnis verbesserter Lageeinschätzungen und verschlechterter Erwartungen im Vergleich zum Vorquartal. Im Vergleich zum Vorquartal wird mit verschlechterten Absatzchancen in die Region gerechnet – in das Ausland und die alten Bundesländer bleiben die Absatzchancen nahezu gleich. Der Arbeitsplatzabbau wird sich im Vergleich zum Vorquartal beschleunigen. Die Investitionsneigung ist seit drei Quartalen stabil im positiven Bereich. Auslandsinvestitionen werden wie in den Vorquartalen von ca. 87 Prozent der befragten Unternehmen nicht geplant. Die Entwicklung in und zwischen den Hauptgruppen der Industrie verläuft weiter unterschiedlich: Die Vorleistungsgüter- und Investitionsgüterproduzenten schätzen ihre Lage besser ein, bei der Verbrauchsgüterindustrie wird die Lage noch deutlich positiv, aber verschlechtert gemeldet. In allen drei Hauptgruppen sind die Erwartungen eingetrübt. Die Zahl der in der Industriestatistik erfassten Unternehmen stieg von 726 auf 738. Von Januar bis Oktober wurden 13,8 Mrd. Euro (Sachsen-Anhalt: 21,3 Mrd. Euro; +9,1 Prozent) und damit 12,1 Prozent mehr Umsatz erwirtschaftet.

Baugewerbe weiter unter Druck
Der Geschäftsklimaindex hat sich sowohl im Vergleich zum Vorquartal als auch zum Vorjahresquartal verschlechtert. Dies beruht im Vergleich zum Vorquartal auf gleich bleibender Lagebewertung und deutlich eingetrübten Erwartungen. Es sind keine Unterschiede in den einzelnen Teilbranchen des Baus erkennbar. Positive Entwicklungen gibt es nur regional begrenzt, so durch vereinzelte größere Infrastrukturmaßnahmen wie der A 38, A 143 oder der Umbau des halleschen Riebeckplatzes. Dies führt zu regionalen Sondereffekten. Andere Sondereffekte – wie das Anziehen der Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser auf Grund veränderter Förderkulisse oder Deichbau - können auslaufen oder sich abschwächen. Daher wird die Strukturkrise anhalten und dürfte sich eher wieder verstärken. Die Zahl der in der amtlichen Statistik erfassten Unternehmen des Bauhauptgewerbes sank von Januar bis September 2004 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 243 auf 230. Der Umsatz ging von Januar bis Oktober im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3,6 Prozent auf 870 Mio. Euro zurück (Sachsen-Anhalt: -10,6 Prozent). Die Zahl der Beschäftigten sank im gleichen Zeitraum um 9,2 Prozent auf ca. 9.800 (Sachsen-Anhalt: -9,6 Prozent).

Dienstleistungen nach Rückschlag leicht verbessert
Der Geschäftsklimaindex hat sich nach dem Rückschlag im letzten Quartal wieder erholt und liegt auch über Vorjahreswert. Dies beruht auf verbesserten Geschäftslageeinschätzungen und Erwartungen im Vergleich zum Vor- und Vorjahresquartal. Wieder sind Unterschiede in der Entwicklung zwischen den personenbezogenen und unternehmensnahen Dienstleistungen vorhanden. Positive Geschäftslageeinschätzungen sind in beiden Bereichen festzustellen. Die Erwartungen bei den unternehmensnahen Dienstleistungen sind deutlich aufgehellt. Bei den personenbezogenen Dienstleistungen ist dagegen eine Eintrübung erkennbar. Die personenbezogenen Dienstleistungen sind von der Binnennachfrage direkt abhängig. Hier wird die andauernde Kauf- und Konsumzurückhaltung der Bürger deutlich. Die unternehmensbezogenen Dienstleistungen können dagegen vielfach eher ihren Absatz auf internationalen Märkten, und damit Wachstumsmärkten suchen.

Handel trotz Weihnachtsgeschäft ohne Besserung
Der Geschäftsklimaindex ist wieder leicht erholt. Er liegt über dem Vorquartals- und Vorjahreswert. Dies beruht auf verbesserten Lageeinschätzungen und weiter eingetrübten Erwartungen. Die Investitionsneigung ist weiterhin gering. Unterschiede sind festzustellen: der Großhandel erreicht bei der Geschäftslageeinschätzung die Null-Linie, der Einzelhandel liegt darunter. Auch die Eintrübung der Erwartungen fällt beim Großhandel im Vergleich zum Einzelhandel nicht so drastisch aus. Insgesamt sind in 2005 keine Impulse erkennbar. Es ist damit zu rechnen, dass die Kaufzurückhaltung der Bevölkerung anhält. Das strukturelle Problem einer wachsenden Anbieterzahl mit einem Mehr an Verkaufsflächen und einer schrumpfenden Zahl von Nachfragern verschärft sich.

Verkehr wieder unter Anpassungsdruck
Der Geschäftsklimaindex verschlechtert sich im Vergleich zum Vor- und Vorjahresquartal. Dies basiert auf verschlechterten Lageeinschätzungen und eingetrübten Erwartungen. Die Investitionsneigung sinkt. Die Bewertungen der konjunkturellen Situation fallen in den einzelnen Verkehrsbereichen unterschiedlich aus. So waren bei Personen- und Güterverkehr leichte Geschäftslageverbesserungen vorhanden, im Verkehrsnebengewerbe aber deutliche Verschlechterungen. Die Geschäftserwartungen sanken bei allen. Insgesamt steht das Verkehrsgewerbe weiter unter hohem Anpassungsdruck. Die Kosten steigen durch Rohölpreis und Maut weiterhin. Die Marktlage führt nicht dazu, dass die Unternehmen ihre erhöhten Kosten an den Abnehmer weitergeben können. Durch die Zahlungsfristen bei der Maut wird vielfach ein Vorstrecken an Mitteln bis zur Bezahlung der Aufträge notwendig. Hier sind Liquiditätsengpässe möglich. Die Strukturkrisen in Bau und Handel verschärfen diese Situation noch.
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