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Pressemitteilung BoxID: 432862 (Ernst & Young AG)
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Stadtwerke wollen in erneuerbare Energien investieren

Erneuerbare Energien und Dienstleistungen als neue Wachstumsfelder / Windkraft ist Spitzenreiter / Hohe Investitionen und Risiken nur in Kooperation zu meistern / Gefragt: Mehr Bereitschaft zu innovativer Finanzierung

(PresseBox) (Berlin, ) Die deutschen Stadtwerke und regionalen Energieversorger (EVU) wollen verstärkt in erneuerbare Energien investieren. Hintergrund ist die kürzlich von der Bundesregierung beschlossene Energiewende, die zu einem Umbau der Energieversorgung in den kommenden Jahren führen wird. Als weitere vielversprechende Geschäftsfelder haben die EVU Service-Produkte wie Energiedienstleistungen, energienahe Dienstleistungen oder Kommunikationsdienste im Blickfeld. Allerdings ist noch nicht allen Unternehmen klar, wie sie neuen Umsatz- und Ertragsquellen erschließen wollen. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young unter lokalen und regionalen Energieversorgungsunternehmen in Deutschland.

Für 27 Prozent der befragten EVU haben die erneuerbaren Energien erste Priorität, wenn es um künftiges Wachstum im insgesamt stagnierenden Markt geht. Bis 2020 sollen die Regenerativen im Schnitt 35 Prozent zu den Umsätzen der Stadtwerke beitragen. Mehr als 55 Prozent des beschafften Stroms sollen aus erneuerbaren Quellen stammen, und 30 Prozent davon wollen die EVU selbst herstellen.

Spitzenreiter Windkraft

Bei der Erzeugung regenerativer Energien haben die EVU klare Präferenzen. Weit an der Spitze steht die Windkraft - 55 Prozent wollen in Onshore-, 42 Prozent in Offshore-Windanlagen investieren. Photovoltaik steht für 30 Prozent im Fokus, Wasserkraft für 23 Prozent. Biogas (20 Prozent) und Biomasse (11 Prozent) rangieren danach schon eher auf den hinteren Plätzen, und Solarthermie (6 Prozent) ebenso wie Geothermie (4 Prozent) sind weit abgeschlagen. Grundsätzlich geht es in allen Fällen nicht nur um eigene Kapazitäten, sondern gleichermaßen um Beteiligungen.

Die dezentrale Stromerzeugung in Haushalten und Betrieben, auf abgelegenen Flächen und im Wattenmeer wird intelligente Netze ("smart Grids") erfordern, die die vielen kleinen Strommengen sinnvoll aufnehmen und wieder verteilen. "In dieser Dezentralisierung liegt die Chance der lokalen und regionalen EVU", erklärt Gerd Lützeler, Leiter des Bereichs Energieversorgung bei Ernst & Young. "Denn damit kehrt die Stromerzeugung von wenigen Großkraftwerken zurück in die Fläche, also in den Wirkungsbereich der Stadtwerke." Freilich: Wer sich sein Stück vom großen Kuchen der künftigen Energieversorgung sichern wolle, müsse entsprechende Vorleistungen bringen und massiv investieren.

Ähnliches gilt für den zweiten großen Hoffnungsbereich der Energieversorger, die technischen Dienstleistungen und das Feld der Energieeffizienz im weiteren Sinne. Innerhalb der nächsten fünf Jahre wollen die befragten Unternehmen im Schnitt ein Sechstel ihrer Deckungsbeiträge mit neuen Dienstleistungen erzielen. Dabei setzen 26 Prozent der Unternehmen auf Energiedienstleistungen und energienahe Dienstleistungen, jeweils 17 Prozent auf Kommunikations-Services und Contracting-Dienstleistungen und 11 Prozent auf Energieeffizienz als Wachstumsträger.

Stadtwerke müssen kooperieren

"Die Unternehmen werden große strategische und investive Anstrengungen unternehmen und dabei neue, ungewohnte Wege beschreiten müssen, um die selbst gesteckten Ziele zu erreichen", prognostiziert Helmut Edelmann, Director Utilities bei Ernst & Young. Ein Weg sei vielen Befragten bereits klar: "Ohne Kooperationen wird es nicht gehen - einzelne Stadtwerke werden im Alleingang nur noch wenig ausrichten können. Gemeinsam können die Unternehmen größere Projekte stemmen und gleichzeitig die Risiken auf mehrere Schultern verteilen", so Edelmann. Im Bereich der erneuerbaren Energien plädieren 75 Prozent von ihnen für die Zusammenarbeit mit anderen Stadtwerken in der Region, 45 Prozent würden gleichartige Partner auch außerhalb der eigenen Region suchen.

Nur 30 Prozent versprechen sich einen Erfolg von der vertikalen Kooperation mit Vorlieferanten-EVU. Die strategische Partnerschaft als Minderheitsbeteiligter an einem anderen EVU mag sich nur knapp jeder fünfte Befragte vorstellen, und gerade einmal 14 Prozent könnten sich mit einem Nicht-Energieunternehmen als Partner anfreunden, etwa mit einem Projektentwickler oder mit einem Solar- oder Windanlagenhersteller. Vollends auf Ablehnung stößt der Finanzdienstleister als Kooperations-Kandidat: Ganze 5 Prozent ziehen eine Kooperation mit einem Finanzdienstleister in Erwägung.

"Die Mehrheit der Stadtwerke verhält sich hier noch sehr konservativ", stellt Lützeler fest. Das belege nicht zuletzt die Absicht von 58 Prozent der EVU, ihre Investitionen überwiegend aus Eigenkapital zu bestreiten. "Schaut man sich aber die gewaltigen Summen an, die sowohl in die Stromerzeugung als auch in die Verteilung über neue, intelligente Netze investiert werden müssen, dann wird auch die Finanzierung nicht ohne innovative Ansätze auskommen", erwartet Lützeler. Seriöse Schätzungen gehen davon aus, dass bis 2020 mindestens 250 Milliarden Euro in Stromerzeugung, -speicherung, -transport und -verteilung zu investieren sind.

Kooperationen besser vorbereiten und umsetzen

Probleme sieht Edelmann indessen in der Art und Weise, wie viele Unternehmen an Kooperationen herangehen. "In der Einschätzung der Erfolgsfaktoren haben emotionale und qualitative Faktoren ein zu großes Gewicht gegenüber rationalen betriebswirtschaftlichen Argumenten", mahnt Edelmann. So sei häufig die "Partnerschaft auf Augenhöhe" wichtiger als die Erschließung von Synergien, die persönliche Sympathie rangiere vor dem wirtschaftlichen Erfolg. Schnelligkeit, Arbeitsteilung oder Gewinne an Flexibilität spielten dagegen kaum eine Rolle.

Die Folge: Kooperationen oder Akquisitionen könnten häufig besser vorbereitet und umgesetzt werden. Denn Unternehmensbewertungen fänden kaum statt, und andere bewährte betriebswirtschaftliche Instrumente blieben oft ebenfalls weitgehend ungenutzt. "Kooperationen, die ausschließlich auf weichen Faktoren beruhen, bergen ein erheblich größeres Risiko des Scheiterns in sich", so Edelmann.

Ernst & Young AG

Ernst & Young* ist eine der drei großen deutschen Prüfungs- und Beratungsorganisationen. In der Steuerberatung ist Ernst & Young deutscher Marktführer. Ernst & Young beschäftigt 6.900 Mitarbeiter an 22 Standorten und erzielte im Geschäftsjahr 2009/2010 einen Umsatz von 1,1 Milliarden Euro. Gemeinsam mit den 141.000 Mitarbeitern der internationalen Ernst & Young-Organisation betreut Ernst & Young Mandanten überall auf der Welt.

Ernst & Young bietet sowohl großen als auch mittelständischen Unternehmen ein umfangreiches Portfolio von Dienstleistungen an: Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Rechtsberatung, Transaktionsberatung, Advisory Services und Immobilienberatung.

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