"Kerngesunder Standort mit solidem Wachstum"

Chempark-Unternehmen investieren 217 Millionen Euro / Neuansiedlung: Sidra Wasserchemie GmbH

Dormagen, (PresseBox) - 217 Millionen Euro für Neuinvestitionen und Kapazitätserweiterungen, 248 Millionen Euro für Instandhaltungen, 10.488 Mitarbeiter, davon 6.973 in der Stammbelegschaft – das sind die Kennzahlen des Jahres 2016 im Chempark Dormagen. Und darüber freut sich auch dessen Leiter Dr. Ernst Grigat: „Wir sehen hier einen kerngesunden Standort, der sehr solide wächst. Nicht umsonst ist er das Zuhause für 38 Unternehmen aus der chemischen Industrie und chemienahe Dienstleister. Den jüngsten Zuwachs konnten wir erst in diesen Tagen begrüßen.“ Dabei handelt es sich um die Sidra Wasserchemie GmbH. Der Spezialist für flüssige Fällungschemikalien, insbesondere Eisen-III-Chlorid-Lösungen, beliefert die Bayer-Division Crop Science. Grund für die Ansiedlung sind die Nähe zum Kunden und die passgenaue Fügung in den Produktions- und Verarbeitungsverbund des Chempark. Sidra betreibt bereits Standorte am Stammsitz Ibbenbüren und in Bitterfeld sowie in Belgien. Der Betrieb im Chempark Dormagen wird im Sommer 2017 starten. Dafür investiert das Unternehmen rund 2,5 Millionen Euro.

„Die beständige Entwicklung zeigt sich vor allem nach dem Abschluss einiger Großprojekte der vergangenen Jahre“, erklärt Grigat beim Frühjahrspressegespräch am Mittwoch, 22. März 2017. Zwar liegen die Neuinvestitionen 2016 mit 217 Millionen Euro unter den 271 Millionen Euro des Jahres 2015, als beispielsweise die TDI-Anlage von Covestro und der Steam Reformer von Air Liquide starteten. Dafür gaben die Chempark-Unternehmen 2016 mit 248 Millionen Euro für Instandhaltungen 67 Millionen Euro mehr aus als im Vorjahr. Die Gesamtzahl der im Werk Beschäftigten bleibt mit rund 10.500 ebenso wie die Zahl der fest Beschäftigten bei den Chempark-Unternehmen mit knapp 7.000 etwa gleich. „Jetzt fahren die Unternehmen die Ernte der Großinvestitionen ein, die neuen Anlagen verdienen ihr Geld, die Belegschaft ist konstant – der Chempark arbeitet unaufgeregt und solide“, so dessen Leiter. Die Investitionskosten – die Summe aus Neuinvestitionen und Instandhaltung – liegen mit 464 Millionen Euro 2016 etwa auf Vorjahresniveau.

Grigat nutzte das Gespräch mit den Journalisten außerdem, seinen Nachfolger vorzustellen. Zum 1. April 2017 übernimmt Lars Friedrich (44) die Funktion des Chempark-Leiters.

Co-Referent und Gastgeber des Frühjahrspressegesprächs war der Kautschukspezialist ARLANXEO. In dessen Technikum im Chempark Dormagen stellten der Deutschland-Geschäftsführer Stefan Rittmann und Dr. Matthias Gotta, Head of Global Sales & Marketing des Geschäftsbereichs Tire & Specialty Rubbers (TSR), das noch junge Unternehmen vor. LANXESS und Saudi Aramco hatten am 1. April 2016 das Joint Venture für synthetischen Kautschuk mit Unternehmenssitz im niederländischen Maastricht gestartet. Drei Kautschukbetriebe und rund 500 LANXESS-Mitarbeiter am Standort Dormagen waren in das 50:50-Gemeinschaftsunternehmen gewechselt.

Was hast Du davon?

Mit 6.973 Mitarbeitern (2015: 6.866) der Chempark-Unternehmen sowie rund 3.515 Fremdfirmenmitarbeitern (2015: 3.532) bleibt das Dormagener Werk am Rhein 2016 einer der größten Arbeitgeber in der Region. Mit 501 Auszubildenden ist es auch der größte Ausbildungsbetrieb im Rhein-Kreis Neuss. Davon profitiert nicht nur Dormagen, sondern die ganze Region – das Jahres-Nettoeinkommen aller Beschäftigten entspricht einer Kaufkraft von rund 300 Millionen Euro.

Currenta mahnt funktionierende Infrastruktur an

Mit Blick in die Zukunft betonte Grigat aber, dass weitere langfristig angelegte Investitionen im Chempark keine Selbstläufer seien. Der Chempark-Leiter kritisierte in Richtung Politik die unklaren Perspektiven für neue Projekte mit industrieller Nutzung von Strom und Dampf. Im Alltag sichtbarer aber seien die Probleme, die sich aus der dringend notwendigen Instandhaltung öffentlicher Verkehrswege ergeben. „Eine intakte und leistungsfähige Infrastruktur ist wichtig für die Industrie hier im Land – für die Chempark-Standorte hat sie sogar existenzielle Bedeutung. Dies gilt insbesondere für die Autobahn-Situation im westlichen NRW“, so Grigat. „Ersatzbauwerke für die Rheinbrücken der A 1 und der A 40, der Ausbau der A 57 sowie der Neubau einer Rheinquerung bei Köln-Godorf erlauben keine Verzögerung mehr. Es ist entscheidend, dass die bereits bereitgestellten Milliarden des Bundesverkehrswegeplans mit Hochdruck ‚auf die Straße‘ gebracht werden. Andernfalls könnte das ansonsten positive Image unseres Landes und das Investitionsklima für die heimische chemische Industrie auf Dauer Schaden nehmen.“

Standortprojekte
 
Currenta macht Dampf
 
Zehn Flammrohrkessel, jeder über 100 Tonnen schwer, und darüber thronen die drei 40 Meter hohen Schornsteine des neuen Kesselhauses M 75. Bereits im Januar 2016 wurde hier Richtfest gefeiert, weitere Arbeiten laufen. Die beeindruckend großen Anlagenteile werden zukünftig maßgeblich zur sicheren, modernen und ressourcenschonenden Dampfversorgung des Chempark Dormagen beitragen. Hinzu kommt ein weiterer neuer Kessel, der im Juni 2016 in das Gebäude B 735 eingehoben wurde und zukünftig bis zu 40 Tonnen Hochdruckdampf pro Stunde liefern kann. Bereits seit zwei Jahren arbeiten die Energie-Experten von Currenta an diesem wichtigen Projekt, für das ein zweistelliger Millionen-Euro-Betrag investiert wird. Die neuen Anlagen sollen die Dampfbesicherung für die Produktionsbetriebe übernehmen, wenn das von RWE im Chempark betriebene Gas-und-Dampf-Kraftwerk nicht in Betrieb ist. Die neuen Currenta-Kessel werden mit Erdgas betrieben – das ist der effizienteste und emissionsärmste fossile Brennstoff, der außerdem die beste Regelbarkeit, also ein bedarfsgerecht schnelles An- und Abfahren der Dampfproduktion, ermöglicht.

Der Bedarf an Kälte im Chempark steigt kontinuierlich. Um zu gewährleisten, dass die einzelnen Betriebe nicht heiß laufen, wurde im November am Standort Dormagen der Grundstein für eine neue Kältezentrale gelegt. 2018 soll die Anlage in Betrieb gehen. Sie wird künftig Prozesskälte auf dem Temperaturniveau von -20 °C bereitstellen und über sechs Megawatt an die Betriebe von der Bayer-Division Crop Science liefern. Da die neue Zentrale mit den beiden vorhandenen im Verbund betrieben werden soll, erfolgt parallel zum Bau auch die Anbindung an das Kältenetz.

Eine neue Übernahmestation hat an der Rückstandsverbrennungsanlage (RVAD) den Betrieb aufgenommen. Sie erleichtert mit stufenlos auf- und abfahrbaren Plattformen das Übernehmen von Flüssigabfällen. Mitte Oktober wurde der erste ISO-Container an der neuen Anlage angedockt und dessen Inhalt in der RVAD verbrannt. Bereits im Januar 2016 feierte das Projektteam aus der Currenta-Umwelttechnik die Errichtung einer neuen Rohrbrücke – auch das kein ganz alltägliches Ereignis im Chempark. Die Rohrbrücke schafft die Verbindung zwischen der Übernahmestation und der RVAD.

Die Übernahmestation ist Teil des Projekts „CUBE“. Die Abkürzung steht für „Currenta unterstützt Bayer Crop Science-Erweiterung“. Dabei verstärkt der Chempark-Betreiber seine Infrastruktur in den Bereichen Kühl- und Abwasser, Energie, Kälte sowie Entsorgung, um das Wachstum der Pflanzenschutz- und Saatgut-Division von Bayer am Standort Dormagen zu begleiten. Insgesamt investiert Currenta über mehrere Jahre rund 70 Millionen Euro in das „CUBE“-Projekt.

Covestro: Erfolgreiches Jahr unter neuem Namen

Dormagen trug als größter Standort von Covestro in Nordrhein-Westfalen sowie Sitz der NRW-Werksleitung unter Dr. Klaus Jaeger entscheidend dazu bei, dass das Unternehmen in seiner kurzen Tradition nach der Ausgliederung aus dem Bayer-Konzern ein atemberaubendes Tempo hingelegt hat. Die sogenannte Dream Production von Covestro hat in Dormagen, nach der Einweihung im Juni, im vergangenen Dezember offiziell den Betrieb aufgenommen. Hier wir eine zentrale Schaumstoffkomponente für Matratzen und Polstermöbel hergestellt. Der Clou: Das Verfahren verwendet erstmals in industriellem Maßstab das Klimagas CO2 als Rohstoff. Das spart Erdöl und leistet einen Beitrag zur Nachhaltigkeit. Der erste LKW mit dem CO2-basierten Polyol verließ am 13. Dezember den Chempark.

Außerdem erweitert Covestro die Produktionskapazität für Polycarbonatfolien am Standort Dormagen. Rund 20 Millionen Euro investierte das Unternehmen in den Bau einer neuen Coextrusionsanlage für hochwertige, mehrschichtige Flachfolien, einschließlich der zugehörigen Infrastruktur und Logistik. Sie soll im Laufe des Jahres den Betrieb aufnehmen. Die Produkte kommen in Sicherheitskarten, im Autoinnenraum und medizintechnischen Geräten sowie in Displays zum Einsatz. Für den Betrieb der Anlage, deren Grundstein Anfang 2016 gelegt wurde, werden 15 neue Arbeitsplätze geschaffen.

Neuer Standortleiter bei der Bayer-Division Crop Science

Dr. Norbert Lui ist seit dem 1. Januar 2017 neuer Standortleiter von Crop Science in Dormagen. Er folgt Dr. Uwe Stelzer, der die Leitung des Bereichs Prozess- und Technologie-Entwicklung bei Bayer übernommen hat.

Im Geschäftsjahr 2016 hat Crop Science rund 85 Millionen Euro in den Ausbau seiner Kapazitäten für die Herstellung von Pflanzenschutzmitteln investiert. Größte Einzelprojekte von Bayer in Dormagen waren der Insektizidwirkstoff Flupyradifurone (Markenname Sivanto™ prime), der Wirkstoff Prothioconazol gegen pilzliche Krankheitserreger und Logistik.

LANXESS-Tochter Saltigo baut Kapazität in Dormagen aus

Die Saltigo GmbH, eine hundertprozentige Tochter des Spezialchemie-Konzerns LANXESS, steigert die Produktionskapazitäten für das Mückenrepellent Saltidin. Dazu wird aktuell der Betrieb am Standort Dormagen ausgebaut. Der Wirkstoff, der auch unter dem Namen Icaridin bekannt ist, erlebt als Folge des sich inzwischen weltweit verbreitenden Zika-Virus einen großen Nachfrageanstieg. Saltigo ist überzeugt, so nicht nur die unverändert hohe Nachfrage in Brasilien und den USA, sondern auch den steigenden Bedarf in Europa abdecken zu können.

Das Zika-Virus wird von Stechmücken übertragen. Saltidin wehrt diese Insekten ab, indem es deren Geruchsrezeptoren beeinflusst und so Menschen nicht mehr als „Blutspender“ erkennen lässt. Der Saltigo-Wirkstoff ist kein Insektengift und daher bei sachgemäßer Anwendung auch für Menschen unbedenklich. Dies ist zusätzlich zur guten Hautverträglichkeit ein besonderer Produktvorteil. Mückenabwehr-Substanzen wie Icaridin werden von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausdrücklich empfohlen, um insbesondere Schwangere und stillende Mütter beim Aufenthalt in Endemiegebieten vor einer Infektion zu schützen. Zika-Viren sind die Auslöser der schweren Schädelfehlbildung Mikrozephalie bei Neugeborenen.

Air Liquide im erfolgreichen Regelbetrieb

Der Steam Reformer, der 2015 anlief, verzeichnete in seinem zweiten Betriebsjahr eine Verfügbarkeit von rund 98 Prozent. Damit leistete die Anlage, in der aus Erdgas und Wasserdampf in mehreren Produktionsschritten Wasserstoff und Kohlenmonoxid erzeugt werden, einen sicheren Beitrag zur Versorgung der Chempark-Unternehmen. Das Kohlenmonoxid wird komplett in der TDI-Anlage von Covestro verwendet.

Dormagener Kunststoffchemie auf der „K 2016“

Im September lud die weltgrößte Kunststoff-Messe, die „K 2016“, nach Düsseldorf. Mit dabei: die Chempark-Unternehmen Covestro, LANXESS und ARLANXEO. Hier zeigten die Firmen auch Entwicklungen und Anwendungen, die ihren Ursprung in Dormagen haben. Einen viel beachteten Höhepunkt der Messe lieferte Covestro: ein neues Gestaltungskonzept für Elektroautos, das aktuelle Trends im Außendesgin aufnahm und dort in Form eines Lifestyle-Elektroautos präsentiert wurde. Bahnbrechende Materialentwicklungen ermöglichten einen Frontbereich ohne sichtbare Fugen und eine innovative Beleuchtung unter Nutzung der Holografie.

Als eines von zahlreichen Beispielen für Leichtbauanwendungen im Automobilsektor stellte LANXESS unter anderem ein Ölwannenmodul aus dem Hochleistungskunststoff der Marke Durethan für den Porsche 911 Carrera vor – die spezielle Kunststoffrezeptur wurde im Dormagener Forschungszentrum entwickelt. Der Schwerpunkt von LANXESS liegt auf innovativen, ressourcen- und umweltschonenden Leichtbaulösungen. Denn in zahlreichen Bereichen eines Fahrzeugs ist eine Gewichtseinsparung durch Leichtbauwerkstoffe und -technologien möglich. Kunststoffe spielen hierbei eine entscheidende Rolle. Sie können – abhängig von den Anforderungen an das jeweilige Bauteil – vergleichsweise schwere Metalle komplett ersetzen oder mit anderen Werkstoffen kombiniert werden. So lässt sich das Gewicht einzelner Komponenten verringern, ohne dass Eigenschaften wie zum Beispiel die Sicherheit der Insassen darunter leiden. Das spart Sprit und schont durch einen geringeren CO2-Ausstoß auch die Umwelt.

Sportlich gab sich auch ARLANXEO und präsentierte unter anderem einen ein Taucheranzug aus Baypren-Chloropren-Kautschuk und Levapren, einem Ethylen-Vinyl-Acetat-Synthesekautschuk-Schaum, der den Körper auch in eiskaltem Wasser warm hält und gegen Salzwasser und UV-Strahlung beständig ist.

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