Das süße Gold

Vom Inbegriff für Luxus und Macht zum Volksnahrungsmittel und Spritlieferant

(PresseBox) ( Monheim am Rhein, )
Von der teuren Importware zum Massengut: Die rasante Erfolgsgeschichte des Zuckers begann erst vor rund hundert Jahren. Inzwischen gehört das "süße Gold" zum wichtigsten Nahrungsmittel der Welt. Und auch als nachwachsender Rohstoff für die Industrie wird das Naturprodukt immer wichtiger: Aus den beiden Pflanzen Zuckerrohr und Zuckerrübe lässt sich zum Beispiel Ethanol gewinnen, das als Zusatzkraftstoff in Benzin genutzt wird.

Zucker bedeutet schnelle Energie. Besonders unser Gehirn verlangt nach dem süßen Stoff: Die grauen Zellen verbrauchen zehn Esslöffel Traubenzucker pro Tag. Sinkt der Blutzuckerspiegel, nimmt die Konzentrationsfähigkeit ab - und meist auch die Laune. Im Blutkreislauf zirkulieren permanent bis zu zwei Teelöffel des Power-Moleküls: Ohne Zucker könnten wir nicht atmen, denken oder laufen. Und vor allem die Lebensmittelindustrie kann auf das "süße Gold" nicht verzichten: Zucker wird vielen Produkten beigemischt, ob Ketchup, Fruchtsäften, Marmelade, Pizza und Schokolade. Er sorgt für den Geschmack und macht viele Lebensmittel überhaupt erst haltbar.

Von Rüben und Rohren

Heute ist Zucker eine der wichtigsten Handelswaren und wird in 113 Ländern produziert - und in vielen Erzeugerländern auch besonders gerne konsumiert. Vor allem die Südamerikaner sind große Zuckerfans: Jeder Brasilianer verbraucht rund 65 Kilogramm pro Jahr. Den europäischen Spitzenplatz belegen die Schweizer - sie verzehren knapp 61 Kilogramm im Durchschnitt. Der süße Rohstoff stammt heute zu rund drei Viertel aus Zuckerrohr und zu einem Viertel aus Zuckerrüben. In der Saison 2010/11 wurden 132,8 Millionen Tonnen Rohrzucker und 32,3 Millionen Tonnen Rübenzucker erzeugt, so die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker. Die aus den beiden Pflanzen gewonnenen Zucker sind hierbei völlig identisch. Für den Rübenanbau eignen sich vor allem die gemäßigten Klimazonen, also West-, Mittel- und Osteuropa, die Vereinigten Staaten, China und Japan. In den Tropen und Subtropen finden sich dagegen weitläufige Zuckerrohr-plantagen. Die wichtigsten Anbauländer sind Brasilien, Indien und China.

Süßes Riesen-Gras

Die Halme der tropischen Zuckerrohrpflanze wachsen bis zu sieben Meter hoch. Sie sind durchzogen von einem fruchtig-erfrischenden Mark, das für die Zuckerproduktion verwendet wird. In den Anbauländern wird das süße Rohr häufig direkt an der Straße in kleinen Maschinen ausgepresst und der frische Zuckersaft als Getränk verkauft. Zurück bleibt der Faseranteil des gigantischen Grashalms - die so genannte Bagasse. Zuckerrohrpflanzen lassen sich problemlos über Stecklinge, also Stücke aus dem unteren Bereich der Zuckerrohrhalme vermehren. Nach der Ernte der Rohre durch Schlagen mit Messern oder Maschine schießen neue Halme wieder aus dem Stumpf aus, so dass daraus die nächste Ernte geschnitten werden kann. Eine Zuckerrohrplantage kann dadurch mehrfach abgeerntet werden, in Brasilien fünf- bis sechsmal, in Südafrika sogar bis zu 20 mal. Vor allem die brasilianischen Bauern pflanzen die süßen Rohre in großem Stil an. Das Land ist deswegen ein wichtiger Zuckerlieferant: "Mehr als die Hälfte des weltweiten Zuckers stammt heute aus Brasilien", sagt Dr. John Lohrenz, aus dem Bereich Growth & Strategy von Bayer CropScience. Tendenz steigend. Der Zuckerrohr-Anbau in dem südamerikanischen Land soll Prognosen zufolge deutlich wachsen: Werden heute noch rund zehn Millionen Hektar bewirtschaftet, so sollen es 2020 bereits bis zu 17 Millionen Hektar sein, schätzt die Brazilian Sugar Cane Industry Association (UNICA).

Plantagen-Plagen

Aber nicht nur die Menschen schätzen das süße Riesen-Gras, sondern auch Schädlinge wie die gefräßige Schmetterlingsraupe des Zuckerrohr-Bohrers, die sich durch das zuckerhaltige Mark frisst. Aber auch Unkräuter sind ein ungebetener Gast auf den tropischen Plantagen, weil sie den Nutzpflanzen wichtige Nährstoffe und Sonnenlicht streitig machen: "Mit unserem neuen Herbizid Alion(TM) lässt sich nicht nur ein breites Spektrum an Ungräsern und Unkräutern bekämpfen, sondern der Farmer muss auch geringere Mengen des Pflanzenschutzmittels auf seinen Feldern ausbringen", erklärt Mauro Alberton, Global Crop Manager bei Bayer CropScience. Außerdem ist Alion(TM) ein wirksames Mittel zur Bekämpfung von Unkräutern, die gegen andere Wirkungsmechanismen resistent geworden sind. Ein weiterer Vorteil: Durch seine lang anhaltende Wirkung lässt sich die Anzahl der Anwendungen reduzieren - das schont die Umwelt.

Zucker aus Wurzelwerk

Im Vergleich zu Zuckerrohr ist die Zuckerrübe eine Erfindung der Neuzeit: Erst Ende des 18. Jahrhunderts entdeckte man, dass ihre Vorläuferformen, die im Mittelalter als Gemüse genutzten Gartenmangolde, in ihren Wurzeln Zucker speichern können. Die Entdeckung des Rübenzuckers und seine wirtschaftliche Nutzung brachen das Jahrhunderte alte Monopol des Rohrzuckers. Mitte des 19. Jahrhunderts war Zucker noch der Inbegriff von Luxus und als weißes Gold bekannt. Durch die aufkommenden Zuckerfabriken verlor das süße Salz allmählich seine Rolle als Luxusartikel und startete seine Karriere zum Volksnahrungsmittel. Heute werden in der Europäischen Union auf rund 1,5 Millionen Hektar Zuckerrüben angebaut.

Rivalen der süßen Rübe

"In Sachen Pflanzenschutz war es lange eine Herausforderung ein Herbizid zu finden, das selektiv effektiv gegen Unkräuter wirkt, aber die äußerst sensible Rübenpflanze nicht schädigt", erklärt Jaroslava Govorovska, bei Bayer CropScience Global Sugar Beet Crop Manager. Bis das Bayer-Herbizid Betanal(TM) Ende der 1960er auf den Markt kam. Im Laufe der Jahre gelang es den Pflanzenschutzexperten eine Betanal(TM) -Produktfamilie zu kreieren, um den Rübenbauern maßgeschneiderte Lösungen anzubieten. Dank innovativer Formulierungskonzepte (z.B., Doppel-A Technologie: Aufnahme-verbesserung-Aktivierung in der jungsten Produktgeneration Betanal(TM) maxxPro) konnten die Bayer-Experten die bewährte Herbizidmarke ständig weiter verbessern. Durch Einbettung der Wirkstoffe in spezifische Öle, Trägerstoffe und Emulgatoren verteilen sich die aktiven Substanzen besonders gleichmäßig und werden optimal vom Unkrautblatt aufgenommen. Verwenden die Rübenbauern beispielsweise das neueste Produkt Betanal(TM) maxxPro benötigen sie nur halb so viel Wirkstoffmenge pro Hektar/Saison wie noch beim ersten Betanal(TM) .

Und dennoch lassen sich durchschnittlich mehr als 90 Prozent aller Unkräuter wirksam kontrollieren. Betanal ist unter den Top 5 Herbiziden Hitliste von Bayer CropScience, wird in über 40 Ländern verkaut und ist in den meisten das führende Zuckerrübenherbizid - ein überzeugendes Zeichnen der Anerkennung und Vertrauen der Zuckerrübenanbauern.

Die jungen Zuckerrüben-Pflänzchen sind darüber hinaus anfällig für Schädlingsbefall. Deswegen bietet die insektizide Saatgutbeizung einen wichtigen ersten Schutz für die Feldfrüchte. Bayer ist auf diesem Gebiet zum Beispiel mit Produkten wie Poncho(TM) Beta führend.

Mobilität auf Biobasis

Zuckerpflanzen gewinnen auch als nachwachsender Rohstoff immer mehr an Bedeutung. Denn aus Zuckerrüben und Zuckerrohr lässt sich Ethanol herstellen. Mittlerweile ist der Alkohol der global am häufigsten genutzte Biokraftstoff und ersetzt Benzin in Fahrzeugen. Laut den Angaben der Renewable Fuels Association wurden im Jahr 2010 weltweit bereits mehr als 103 Milliarden Liter produziert. Spitzenreiter in Sachen Bioethanol-Produktion sind die USA, gefolgt von Brasilien. Im südamerikanischen Staat kommt der grüne Kraftstoff bereits pur in den Tank. "Zuckerrohr ist die zweitwichtigste Energiequelle nach Erdöl in Brasilien", erklärt Marcos Jank, CEO der brasilianischen Zuckerrohrorganisation (Brasilian Sugarcane Industry Organisation, UNICA), die wirtschaftlichen Vorteile von Bioethanol aus Zuckerrohr in einem Blogbeitrag des Verbandes.

"Dank der Flex-Fuel-Technologie können die Verbraucher frei an der Tankstelle entscheiden, welchen Kraftstoff sie tanken wollen", so Jank. Flex-Fuel-Fahrzeuge können sowohl mit Benzin als auch mit Ethanol oder mit Mischungen von beiden fahren. "Ohne Flex-Fuel Technologie und Ethanol, hätten die Verbraucher in den vergangenen sechs Jahren zusätzlich 20 Milliarden brasilianische Real, umgerechnet etwa acht Milliarden Euro, fürs Tanken von Kraftstoffen aus fossilen Quellen ausgeben müssen." Zudem lassen sich durch die Nutzung von Bioethanol die Treibhausgasemissionen im Transportsektor senken.

Um die Bioethanol-Produktion voranzutreiben, forscht Bayer CropScience gemeinsam mit Partnern an Zuckerrohrpflanzen. "Zusammen mit dem Zentrum für Zuckerrohrtechnologie CTC im brasilianischen Bundesstaat São Paulo planen wir eine umfassende Kooperation, um biotechnologisch optimierte Sorten zu entwickeln, die einen höheren Zuckergehalt aufweisen", erklärt Lohrenz. "Erste Forschungsergebnisse deuten auf einen Anstieg um bis zu 40 Prozent hin. Damit lässt sich die Effizienz der Ethanolproduktion verbessern", so der Bayer-Experte.

Aus Zucker können aber auch Bausteine für die Kunststoffindustrie gewonnen werden: Verpackungsmaterial oder Autoarmaturen lassen sich dann umweltfreundlicher und klimaschonender produzieren als auf Erdölbasis. Der süße Rohstoff startet also gerade seine zweite globale Karriere..

Biographie einer Rübe

Die Zuckerrübe ist eine der jüngsten Kulturpflanzen. Ihre Karriere beginnt im Jahr 1747 als der Berliner Apotheker und Chemiker Andreas Sigismund Marggraf bei seinen Studien entdeckte, dass der Zucker aus der Runkelrübe mit dem Rohrzucker chemisch identisch ist. Sein Schüler Franz Carl Achard schaffte es durch gezielte Züchtung und Selektion den Zuckergehalt deutlich zu erhöhen. Er entwickelte zudem ein technisches Verfahren, um den Rübenzucker zu gewinnen. Mit Unterstützung des Königs Friedrich Wilhelm III. errichtete er schließlich in Schlesien die erste Zuckerfabrik. Daraufhin entstanden immer mehr industrielle Produktionsstätten in Deutschland und Frankreich. Parallel dazu gelang es den Züchtern in nur wenigen Jahren, den Zuckergehalt auf über zwölf Prozent zu steigern. Heutige Zuckerrüben können bis zu 20 Prozent des süßen Rohstoffs enthalten. Am meisten Zucker beinhaltet dabei das Mittelstück der Rübe.

Fakten: Zucker in Zahlen

- Ende Januar 2012 lag der Weißzuckerpreis bei 478 Euro pro Tonne. Vor gut einem Jahr, Ende Januar 2011 erreichte er ein neues Rekordhoch: an der Börse in London kostete eine Tonne 790 Euro.

- Nur etwa ein Drittel des weltweit produzierten Zuckers wird auf dem Weltmarkt gehandelt. Zwei Drittel verbrauchen die Erzeugerländer.

- Im Wirtschaftsjahr 2010/11 beträgt die Gesamtmenge des weltweiten Handelsvolumens an Zucker fast 60 Millionen Tonnen.

Auf Zucker gebaut

Das Leben auf der Erde ist eine Erfolgsgeschichte des Zuckers - ausgehend von der Photosynthese. Erst dieser natürliche biochemische Prozess ermöglicht Pflanzen mit Hilfe des Sonnenlichts aus Wasser und Kohlendioxid Zucker zu bilden. Die energiereichen Moleküle kann der Mensch dank des Hormons Insulin in den Zellen aufnehmen und die darin gespeicherte Energie nutzen. Aber auch die Zellen selbst bauen auf Zucker: Auf ihrer Oberfläche sind beispielsweise winzige Zuckerantennen verankert, die chemische Signale übertragen können. Als molekulare Andockstellen spielen sie aber auch bei der Entstehung von Krankheiten, Diagnostik und Therapie eine Rolle.

Links für Ihre Recherchen:

Auf den Webseiten der Comité de Européen des Fabricants de Sucre finden sich zahlreiche Zuckerstatistiken sowie Informationen zur Produktion und Geschichte: http://www.cefs.org

Die Brazilian Sugarcane Industry Association (UNICA) bietet Hintergrundmaterial zum Zuckerrohranbau und Bioethanol in Brasilien: http://english.unica.com.br

Über die Erntesituation der Zuckerpflanzen und aktuelle Handelszahlen informiert die World Association of Beet and Cane Growers: http://www.wabcg.org/index.php/wabcg_en

Infomaterial zu Zuckerrüben, Fakten und Statistiken bietet die International Confederation of European Beet Growers auf ihrer Webseite: http://www.cibe-europe.eu/

Die "Better Sugarcane Initiative": http://www.bonsucro.com

Zuckerpreise: http://www.forexpros.com/commodities/london-sugar-historical-data

Die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker e.V. informiert mit aktuellen Zahlen zum Zuckermarkt weltweit und bietet Hintergrundinfos zur Zuckerrübenverarbeitung: http://www.zuckerverbaende.de

Auf den Webseiten von ePURE findet sich Broschüren, Factsheets und Hintergrundinfos zur Bioethanol-Produktion: http://www.epure.org
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