"Wirtschaftsförderung ist eine Daueraufgabe"

Udo Mager
(PresseBox) ( Dortmund, )
Udo Mager, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Dortmund, blickt im Interview zurück auf das Jahr 2008, spricht über künftige Herausforderungen und wagt einen Ausblick auf das kommende Jahr.

Herr Mager, wenn Sie auf das Jahr 2008 zurückblicken: Welche Bilanz ziehen Sie für die Wirtschaftsförderung Dortmund?

Eine Kernaufgabe der Wirtschaftsförderung besteht darin, die Bedingungen für Unternehmen vor Ort kontinuierlich zu verbessern - sowohl allgemein als auch auf individuelle Bedürfnisse zugeschnitten. Und das ist uns gelungen. Ich freue mich darüber, dass es 2008 wichtige Investitionsentscheidungen von Standortunternehmen und Ansiedlungen in den unterschiedlichsten Branchen gab.

Können Sie zwei konkrete Beispiele nennen?

Erstens: Rothe Erde investiert in den Werksausbau 43 Millionen Euro, sichert damit die bestehenden Arbeitsplätze und ist für die weiteren Entwicklungen gerüstet. Zweitens: Erst vor wenigen Wochen hat das Unternehmen TEDi bekannt gegeben, dass es in Dortmund bleibt. Zusätzlich richtet der Discounter am Brackeler Hellweg seine Europazentrale ein. So bleiben 350 Arbeitsplätze erhalten und 650 neue Stellen entstehen - nicht nur in der Logistik, sondern auch im Controlling, im Vertrieb und im kaufmännischen Bereich. Dass wir die Übergangslösung am Brackeler Hellweg so ertüchtigen konnten, dass TEDi nun dauerhaft vor Ort bleibt, ist eine tolle Nachricht für den Standort Dortmund.

Stichwort "Qualifiziertes Personal": In vielen technologisch ausgerichteten Branchen droht künftig ein Fachkräftemangel.

Dieser Entwicklung arbeitet die Wirtschaftsförderung Dortmund schon heute tatkräftig entgegen. Zwei gute Beispiele für unser Engagement sind die Ausbildungs- und Studienmesse JOBtec und das Kinder- und Jugendtechnologiezentrum KITZ.do mit seinen Forschungslaboren. Wir wecken beim Nachwuchs die Neugier und weisen auf die vielfältigen Chancen hin, die die Neuen Technologien bieten. Unser Ziel ist es, Kindern und Jugendlichen auf eine spielerische und unterhaltsame Art die Angst vor technologischen Themen zu nehmen und ihr Interesse dafür zu wecken, denn: Kein Standort ist so wettbewerbsfähig wie der, der den Unternehmen gut ausgebildete Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer präsentieren kann.

Wie wirkt Dortmund heute dem akuten Fachkräftemangel entgegen?

Der Standort muss so attraktiv sein, dass hochqualifizierte Menschen sich vor der Wahl stehend für unsere Stadt und unsere Region entscheiden. Dabei spielt die Kombination von Leben und Arbeiten vor Ort eine ganz entscheidende Rolle, also Faktoren wie Wohn-, Sport-, Kultur- und Freizeitangebote. Den Standort für Fachkräfte attraktiv zu gestalten, ist eine Frage der Stadtentwicklung, und die können wir bewusst mitprägen. Die Einwohnerzahlen beweisen, dass wir auf dem richtigen Weg sind: Dortmund besitzt als einzige Stadt in der Metropole Ruhr die Perspektive, die Bevölkerungszahl in den nächsten 15 Jahren weitgehend konstant zu halten.

Attraktiv wird Dortmund auch immer mehr für Touristen, das zeigen die Statistiken. Wie reagiert die Wirtschaftsförderung darauf?

Seit Anfang 2008 arbeitet die Wirtschaftsförderung eng mit DORTMUNDtourismus zusammen und für mich steht fest: Da ist zusammengewachsen, was zusammengehört. Der Tourismus ist ein Stück täglich praktizierte Wirtschaftförderung.

Inwiefern?

Jeder Mensch, der in unsere Stadt kommt, vom Geschäftsreisenden bis hin zum Tagestouristen, gibt in Dortmund Geld aus. Davon profitieren wichtige Zielgruppen unserer Arbeit: der Handel, die Gastronomie und das Hotel- und Gaststättengewerbe. Jeder Tourist investiert in unsere Stadt, deshalb ist die Tourismusförderung für mich gleichzeitig immer auch Wirtschaftsförderung. Außerdem muss man im Auge behalten, dass unsere Besucher später in ihrer Heimat von Dortmund erzählen. Sie zeichnen ein realistisches Bild der Stadt, das häufig nur noch ganz wenig mit den alten Vorurteilen und Klischees zu tun hat.

Welche Rolle spielt im neuen Dortmund, an dem die Wirtschaftsförderung mit dem dortmund-project kräftigt mitwirkt, heute noch die Industrie?

In den letzten Jahren hat sich in Dortmund ein industrieller Kern herausgebildet, der mittlerweile Weltmarktführer in den unterschiedlichsten Branchen präsentiert. Vielen Unternehmen vor Ort ist es gelungen, ihre Produkte weiterzuentwickeln und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Wir haben in Dortmund heute Fördertürme, die zwar etwas kleiner sind als früher, die aber auch Umsätze fördern: Dazu gehören Produkte aus der Mikro-/Nanotechnologie, der Stahlveredelung, des Maschinenbaus und der Elektroindustrie, die von Dortmund aus ihren Weg in die Welt finden. Eine gute Basis, um darauf mit Konzepten für eine Neuindustrialisierung aufzusetzen.

Beachtung - auch über die Stadtgrenzen hinaus - fand 2008 das System der Mikrokredite, die in Dortmund vergeben werden. Welchen Zweck erfüllen sie für den Standort?

Die Mikrokredite dienen in erster Linie dazu, dass kleinere Unternehmen auch in finanziell schwierigeren Phasen weiterarbeiten und ihre Arbeitsplätze erhalten können. Mit den Mikrokrediten hat die Nordhand e.G. die alte Idee der Genossenschaft wiederbelebt. Im Laufe der Zeit baut sich ein Finanzstock auf, von dem alle Genossenschaftsmitglieder profitieren. Dieses System, das eine Förderung vom Bund und aus dem Bankensektor erhalten hat, bietet uns die Möglichkeit, Unternehmen zu unterstützen, die von ihrer Hausbank ansonsten keinen Kredit erhalten hätten. Sie werden so auch wieder kreditfähig.

Fürchten Sie negative Auswirkungen der Finanzkrise?

Wir beobachten die Entwicklungen im Finanzsektor und in der Wirtschaft insgesamt natürlich ganz genau und sind mit unseren Krisenberatungsangeboten gut gerüstet. Es macht sich bezahlt, dass wir am Standort eng mit allen Akteuren - von den Kammern, der Arbeitsagentur, den Gewerkschaften bis zu den Unternehmensverbänden - zusammenarbeiten. Trotzdem ist der Ausblick in das kommende Jahr für mich eine Gemengelage aus Zuversicht und Skepsis. Ich halte es aber für sehr wichtig, nicht überzogen schwarz zu malen und damit sich selbst erfüllende Prophezeiungen auszulösen. Im November hatten wir die niedrigste Arbeitslosenzahl seit 15 Jahren. Selbst wenn sich der Arbeitsmarkt verschlechtert, bin ich zuversichtlich, dass wir es aufgrund dieser relativ guten Basis gemeinsam schaffen, die aktuellen Herausforderungen zu meistern. Ich kann für das Team der Wirtschaftsförderung zusagen, dass ich ganz persönlich und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus meinem Hause alles in unserer Macht stehende tun werden, um den Wirtschaftsstandort Dortmund weiter zu profilieren und die Voraussetzungen für die Sicherung und die Schaffung von Arbeitsplätzen zu erfüllen.

Der Rat hat im Juni 2008 die strategische Weiterentwicklung der Wirtschaftsförderung 2008/2018 beschlossen. Wie sieht diese Strategie konkret aus?

Ganz entscheidend ist, dass sie den Bestand stärkt und auf das abstellt, was uns von außen berührt: die Wirkungen der Globalisierung und die Chancen des demografischen Wandels. Diese finden ja nicht nur in New York oder Shanghai oder anderswo um uns herum statt, sondern betreffen uns auch ganz konkret in Dortmund. Dazu haben wir konkrete Handlungsfelder konzipiert, die wir nun gemeinsam mit der Wirtschaft und der Wissenschaft angehen. Wir stehen heute in einer neuen Qualität von Wettbewerb um die hellsten Köpfe und Investoren. Unser Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit Dortmunds langfristig sicherzustellen und damit die Voraussetzungen für die Sicherung und die Schaffung von Arbeitsplätzen zu erfüllen. Wirtschaftsförderung ist eben eine Daueraufgabe.
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