Kommunale Wärmeplanung ist ein zentrales Instrument auf dem Weg zur klimaneutralen Wärmeversorgung, sorgt aber häufig für Verunsicherung. Ein neues Whitepaper von TÜV Rheinland Consulting, einem Beratungsunternehmen von TÜV Rheinland, zeigt, wie Städte und Gemeinden ihre Wärmeplanung zielgerichtet umsetzen und Missverständnisse ausräumen können. Denn der Handlungsbedarf ist groß: Kommunale Wärmepläne sollen den Umstieg auf eine klimafreundliche Wärmeversorgung erleichtern, indem sie Gebiete für Wärmenetze und dezentrale Lösungen wie Wärmepumpen identifizieren. Auf Bundesebene gilt das Ziel der Klimaneutralität bis 2045, in einigen Bundesländern bereits bis 2040. Kommunen müssen bis 30. Juni 2028 einen Wärmeplan vorlegen, Städte ab 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern bereits bis 30. Juni 2026.
Wärmeplanungsgesetz oder Landesgesetze geben Rahmen vor, Bestimmungen jedoch oft unklar
Dr. Florian Nigbur, Teamleiter Energieinfrastruktur bei TÜV Rheinland Consulting, erklärt: „Entscheidend ist, dass Wärmepläne und die darin definierten Maßnahmen in konkrete Schritte überführt werden. Rahmen und Vorgaben sind durch das Wärmeplanungsgesetz (WPG) auf Bundesebene und entsprechende Landesgesetze klar abgesteckt, doch vieles lässt sich aus den Bestimmungen allein nicht unmittelbar ableiten. Hier setzt das Whitepaper an: Auf Grundlage unserer Erfahrungen listen wir neun Thesen auf, aus denen jeweils ein Handlungsimpuls abgeleitet wird.“
Wärmeplan als strategischer Kompass
Das Autorenteam ordnet den Wärmeplan als strategischen Kompass ein. Er kann Orientierung für künftige Investitionen geben, ohne für sich genommen bereits rechtliche Verbindlichkeiten für einzelne Gebäude oder Heizsysteme zu schaffen. Die Strategie im Wärmeplan sollte so angelegt sein, dass sie nahtlos umsetzbar ist: durch klare Zuständigkeiten, verbindliche Fristen und eine Erfolgskontrolle anhand weniger, aussagekräftiger Kennzahlen. Kommunen sollten die Wärmewende trotz offener Fragen zum Gebäudeenergiegesetz, zur Stromsteuer und zu Förderprogrammen aktiv angehen. Gleichzeitig ist die Bürgerbeteiligung entscheidend: Zentraler Erfolgsfaktor ist eine frühe, klare Kommunikation mit aktiver Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger im Planungsprozess.
Wasserstoff ist keine Standardlösung
Wasserstoff ist für die flächendeckende Gebäudeheizung keine tragfähige Standardlösung. Sinnvoll bleibt er dort, wo lokale Bedingungen passen, etwa in der Industrie. Prüfgebiete können helfen, wenn die geeignete Wärmequelle noch nicht belastbar feststeht. Sie sollten aber begründet, befristet und räumlich begrenzt sein, damit Entscheidungen nicht aufgeschoben werden.
Abwärme aus Rechenzentren nutzen
Lokale Rechenzentren erzeugen kontinuierlich große Wärmemengen. Diese Abwärme sollte systematisch erfasst und frühzeitig in die Netzplanung eingebunden werden. Entscheidend sind Temperaturniveau, Leitungswege und eine verlässliche Anbindung. Rechenzentren können damit vor Ort zum „Gamechanger“ werden.
Maßnahmen priorisieren und lokal anpassen
Das Spektrum an möglichen Maßnahmen in Wärmeplänen ist breit und eröffnet Raum für vielfältige Lösungsansätze. Das Whitepaper nennt etwa Machbarkeitsstudien und Transformationspläne für Wärmenetze, energetische Sanierung, kommunales Energiemanagement und Energieberatung. Wichtig ist, dass alle Maßnahmen systematisch geprüft, nach Wirkung und Machbarkeit priorisiert und im engen Austausch mit den lokalen Beteiligten umgesetzt werden.
Weitere Informationen unter Whitepaper | Kommunale Wärmeplanung im Praxistest – neun Handlungsimpulse für die Umsetzung