"Leadership ist wie Fallschirmspringen"

Führungskräfte-Training per App

Benjamin Bader (PresseBox) ( Frankfurt, )
Der Managementforscher Benjamin Bader hat einen 12-wöchigen Führungskräfte-Kurs für die App Leada geschrieben. Im Interview erklärt er, warum ein Smartphone-Programm effektiver ist als manches mehrtägige Seminar – und verrät, was Leadership mit Fallschirmspringen zu tun hat. 

Das „Leadership Advancement Program“ vermittelt drei Führungsansätze. Das wirft die Frage auf, warum man Leadership überhaupt lernen soll – ist das nicht ein Skill, den man „on the job“ entwickelt?
BENJAMIN BADER: Ich denke, es ist eine Kombination aus beidem. Es gibt vieles, was man über Leadership lernen kann, bevor man Führungsverantwortung übernimmt. Aber bestimmte Dinge, da haben Sie völlig recht, kann man nur in der Praxis nachvollziehen. Das ist wie beim Fallschirmspringen: Sie können darüber noch so viel lesen und noch so viele Videos schauen ...

... den Schritt aus der Flugzeugtür muss ich doch selbst tun.
BADER: Genau. Diese Erfahrung ist nicht durch Theorie zu ersetzen. Aber auch beim Fallschirmspringen gibt’s jede Menge, was Sie noch am Boden lernen können: Grundtechniken, physikalische Gesetzmäßigkeiten, Ausrüstung und so weiter. Und das hat absolut Sinn – sonst ist die Gefahr, dass beim eigentlichen Sprung etwas schiefgeht, deutlich höher.

Und das gilt auch für das Übernehmen von Führungsverantwortung?
BADER: Ja. Es ist mehr als sinnvoll, die Basics zu lernen, bevor Sie konkrete Führungsverantwortung übernehmen. Und es ist auch absolut empfehlenswert, sich anschließend kontinuierlich weiterzubilden. In einer Hinsicht passt das Bild mit dem Fallschirmspringen allerdings nicht so gut.

Nämlich?
BADER: Leadership ist viel komplexer. Ich muss viel mehr Faktoren berücksichtigen und mein Tun permanent hinterfragen. Beim Fallschirmspringen entwickle ich nach einer Weile Routinen, die mir in Fleisch und Blut übergehen, und das ist in den meisten Situationen ein großer Vorteil. Routinen gibt’s natürlich auch in der Führung, aber hier muss ich viel stärker reflektieren. Und man darf nicht vergessen, dass Führungskräfte sehr viele unterschiedliche Führungssituationen erleben. Ich muss mich permanent selbst hinterfragen und bereit sein, Neues auszuprobieren. Das macht es komplex.

Sie haben ein Leadership-Programm für Leada entwickelt. Warum ausgerechnet eine Smartphone-App? Sie hätten doch auch ein Buch schreiben können.
BADER: Ich finde es faszinierend, wie Leada den Nutzer aktiviert. Die Möglichkeit, das persönliche Leistungs- und Gesundheitsniveau zu tracken und meinen Fortschritt zu überschauen, finde ich total spannend. Gleichzeitig finde ich es gut, dass Leada die Nutzer nicht in die Pflicht nimmt: Die App macht mir Angebote; ob ich sie annehme, bleibt mir überlassen. Diese Art des Self-Empowerment finde ich spannend. Leada hat ja auch schon eine ganze Menge Preise eingesammelt, zuletzt etwa den Deutschen Exzellenzpreis im Januar. Ich freue mich, dass wir Teil dieser Erfolgsgeschichte werden dürfen.

Wie sind Sie bei der Entwicklung vorgegangen?
BADER: Zunächst – das war nicht nur ich. Hinter dem Leadership Adavancement Program steht ein großes Team. Michael Gielnik von der Leuphana Universität und ich haben die Themen vorsortiert und eine grobe Struktur aufgesetzt. Die haben wir mit Leada-CEO Frank Kübler besprochen. Dabei hat sich herauskristallisiert, dass LeAP die drei wichtigsten Führungskonzepte der Gegenwart abbilden soll: transformationale, dienende und beidhändige Führung. Die Basis des LeAP-Programm haben wir dann in einem Lehrpraxisprojekt mit Studierenden entwickelt – das heißt, wir haben die theoretische Struktur in konkrete Impulse für Leada übersetzt, diskutiert und verfeinert. Das war ein riesiges Unterfangen, die Studierenden haben uns hier ganz entscheidend geholfen. Wir haben das Programm dann in mehreren Schleifen perfektioniert. Umso stär ker sind w ir vom Endprodukt überzeugt!

An wen richtet sich das Programm?
BADER: LeAP richtet sich grundsätzlich an alle Führungskräfte, die ihr Verhalten reflektieren, Neues ausprobieren und sich weiterentwickeln wollen.

Das ist gerade für junge Kollegen interessant, oder?
BADER: Klar – aber ich bin mir sicher, dass das Programm auch für Führungskräfte mit langjähriger Erfahrung einen echten Mehrwert bietet. Denn viele Führungskräfte haben schon mal von „transformationaler Führung“ gehört, auf Seminaren oder in Workshops – aber wie viele setzen diesen Führungsstil konkret im Alltag um? Unser Mehrwert ist: Wir bringen die Theorie in den Alltag der Nutzer. Das ist auch für „alte Hasen“ spannend, da bin ich mir sicher.

Wie genau funktioniert das?
BADER: Kurz gesagt: LeAP fordert den Nutzer auf, sein Führungsverhalten zu beobachten, zu hinterfragen und gegebenenfalls anzupassen. Dabei gibt es aber kein „richtig“ oder „falsch“. LeAP macht Vorschläge und Angebote – welcher Weg der Beste ist, darf der Nutzer individuell entscheiden.

Können Sie das anhand eines Beispiels erklären?
BADER: Gerne – ein ganz einfaches Beispiel ist etwa das Loben. Jeder Mensch weiß, wie motivierend es sich anfühlt, wenn man Wertschätzung von anderen erfährt. Die Literatur zur dienenden Führung bemängelt, dass Führungskräfte viel zu selten loben. Also machen wir daraus einen LeAP-Impuls: Wir fordern die Nutzer auf, ihre Mitarbeiter für konkrete Leistungen zu loben. In der Folge bitten wir die Nutzer, zu beobachten, welche Auswirkungen dieses Lob auf die Mitarbeiter hat.

Oft sind es die Kleinigkeiten, die den Unterschied machen.
BADER: Definitiv. Und ein Ziel von LeAP ist es, das Bewusstsein für diese vermeintlichen Kleinigkeiten zu schärfen.

Setzen Sie dabei auch auf die Grundfunktionen von Leada?
BADER: Ja, absolut. Ich selbst habe zum Beispiel relativ früh die „History“-Funktion von Leada für mich entdeckt, also die Möglichkeit, zu überblicken, wie mein Energie- und Performancelevel sich über die Zeit entwickeln. Das hat für einen ordentlichen Aha-Effekt gesorgt. Eine andere spannende Leada-Funktion sind die Tipps und Anleitungen, also diese riesige Wissens-Datenbank, die mir als Nutzer jederzeit zur Verfügung steht. Wir ermutigen die LeAP-Abonnenten, diese Funktionen zu erforschen – da steckt ganz viel drin.

LeAP schickt dem Nutzer zwei kurze Impulse am Tag – reicht das wirklich, um so komplexe Strategien wie beidhändige Führung zu erklären? 

BADER: LeAP ist keine wissenschaftliche Bibliothek, sondern ein Werkzeugkasten. Das Ziel ist nicht, dass die Nutzer die verschiedenen Theorien auswendig lernen, sondern, dass sie konkrete Praxistipps bekommen. Wichtig ist außerdem, dass LeAP als Einstieg gedacht ist – wir geben an diversen Stellen Hinweise auf weiterführende Angebote. Übrigens bieten wir interessierten Unternehmen gerne eine Zusammenarbeit für eine individuelle Fortsetzung an – da kann man mit Leada ja ziemlich viel machen.

Sie verbinden das Programm mit einer Studie. Worum geht’s da?
BADER: Vereinfacht gesagt, erforschen wir, ob das Programm funktioniert und wie Führung verbessert werden kann – oder eben nicht. Die notwendigen Auswertungen sind übrigens völlig anonym. Ich möchte auch betonen, dass wir als Wissenschaftler hier völlig unabhängig agieren; es fließt kein Geld.

Welche Hoffnungen verbinden Sie mit dem Programm?
BADER: Wir hoffen vor allem, dass die Nutzer das Programm annehmen und vom ersten bis zum letzten Klick dabeibleiben. Wir haben jede Menge Arbeit in LeAP gesteckt und hoffen, dass die Nutzer jetzt davon profitieren können. Der größte Erfolg für uns wäre, wenn individuelle Nutzer sagen: Dieses Programm hat mich weitergebracht.

Benjamin Bader ist Senior Lecturer (Associate Professor) an der Business School der Newcastle University.
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