OpenLimit-Chef: " Wir sind in der Vorreiterrolle"

Baar, (PresseBox) - OpenLimit-CEO Marc Gurov über die Bedeutung der exklusiven Partnerschaft mit Power Plus Communications, die Konkurrenzsituation und die Ziele für das laufende Geschäftsjahr.

Der Schweizer IT-Security-Spezialist OpenLimit hat sich im Bereich Smart Grid ein neues, attraktives Wachstumsfeld erschlossen: In Deutschland gibt es ein Marktpotenzial von rund 47 Millionen Stromzählern, die in den nächsten Jahren komplett ausgetauscht oder nachgerüstet werden müssen. Bis Anfang 2013 wird das erste zertifizierte Smart Meter Gateway auf dem Markt verfügbar sein. Bei der Entwicklung arbeitet OpenLimit exklusiv mit der Power Plus Communications AG zusammen. Die Kooperation umfasst zudem die gemeinsame Produktion und den Vertrieb des Gateways.

Herr Gurov, Openlimit hat mit der Power Plus Communications AG eine exklusive Partnerschaft im Bereich Smart Meter Gateway vereinbart. Könnten Sie unseren Lesern bitte zuallererst kurz erläutern, was genau ein Smart Meter Gateway ist und wo es zum Einsatz kommt.

Marc Gurov: Mit der beschlossenen Energiewende und der dezentralen Einspeisung von erneuerbaren Energien muss das Energieversorgungssystem modernisiert werden. Die Lösung ist ein intelligentes Stromnetz, das sogenannte Smart Grid. Bestandteil des Smart Grids sind moderne Messsysteme, welche es den Verbrauchern ermöglichen, sich Transparenz über den eigenen Energieverbrauch zu verschaffen und somit die Möglichkeit bieten, Kosten zu reduzieren. Die Messeinrichtung besteht technologisch aus zwei Komponenten, auch wenn es zukünftig mitunter als ein Gerät angeboten werden wird: ein Smart Meter, letztendlich ein moderner Stromzähler, und ein Smart Meter Gateway, welches den sicheren Datenaustausch zwischen Stromzähler, Energieversorger und Verbraucher ermöglicht. Aufgrund der Verarbeitung und Zusammenführung personenbezogener Verbrauchsdaten in Messsystemen sowie möglicher negativer Rückwirkungen auf die Energieversorgung ergeben sich hohe Anforderungen an den Datenschutz und die Datensicherheit. Dies sicherzustellen ist die zentrale Aufgabe des Smart Meter Gateways.

Welche Rolle werden intelligente Stromzähler bei der angepeilten Energiewende aus Ihrer Sicht zukünftig spielen?

Entsprechend einer europäischen Richtlinie aus dem Jahr 2009, müssen bis zum Jahr 2020 80 Prozent der Haushalte nach einer positiven Kosten-Nutzen-Analyse ein Smart Meter implementieren. Mitte letzten Jahres erfolgte auf Basis der EU-Richtlinie die Novellierung des Energiewirtschaftgesetzes in Deutschland, der Grundstein für die Einführung des intelligenten Messsystems, wobei gleichzeitig sehr strikte Ansprüche an das System aus Datensicherheits- und -schutzkriterien gestellt wurden. Der Beschluss der Bundesregierung ist es, bei Kunden mit einem Jahresverbrauch von mehr als 6.000 kWh, mit dezentralen Erzeugungsanlagen größer als 7 kW und bei Neubauten und Generalsanierungen ab Verfügbarkeit der entsprechenden Systeme, Smart Metering einzuführen. Eine noch bis Jahresende zu verfassende Wirtschaftlichkeitsstudie wird ggf. auch zu einer Vergrößerung dieser Gruppe führen. Bereits vorliegende Wirtschaftlichkeitsstudien, wie z. B. in Österreich oder England, sind diesbezüglich sehr ermutigend.

Über welches Marktvolumen reden wir hier?

In Deutschland gibt es ein Marktpotenzial von ca. 47 Mio. Zählern, welche entweder komplett ausgetauscht oder nachgerüstet werden müssen. Erfüllt Deutschland lediglich die Zielvorgabe der EU, bedeutet dies ein Potenzial von knapp 38 Mio. Smart Meter Gateways bis 2020. Wir gehen davon aus, mit unserem Partner Power Plus Communications AG hier einen wichtigen Player im Markt darzustellen. Es ist außerdem davon auszugehen, dass Empfehlungen der EU dazu führen werden, dass andere EU-Länder stärkere Anforderungen an die Datensicherheit und an den Datenschutz für die Messsysteme definieren werden. Unser Absatzmarkt könnte sich daher auch in diesem Umfeld erweitern.

Am Markt tummeln sich bereits zahlreiche namhafte Smart-Meter-Hersteller. Inwiefern treten Sie zukünftig in Wettbewerb zu diesen?

Einige Smart-Meter-Hersteller haben sicherlich eigene Bestrebungen ein zertifiziertes Smart Meter Gateway zu entwickeln. Wir gehen jedoch davon aus, dass eine Mehrheit eine entsprechende Technologie einkaufen wird. Entsprechend ist auch unsere Vermarktungsstrategie ausgerichtet. Auf der einen Seite werden wir das mit unserem Partner entwickelte Smart Metering Gateway als Integrationsmodul Zählerherstellern anbieten, auf der anderen Seite werden wir ein eigenständiges Gerät, auch mit der Breitband Powerline Technologie von Power Plus Communications AG, den Versorgungsunternehmen, Netzbetreibern und Messdiensten anbieten.

Warum haben Sie sich gerade Power Plus Communications AG (PPC) als Kooperationspartner ausgesucht?

Die Kompetenzen beider Unternehmen ergänzen sich hervorragend. PPC bringt als Anbieter von IKT-Systemen im Smart-Grid-Markt das kombinierte Know-how der Energie- und Kommunikationstechnologie in die Partnerschaft ein und übernimmt die Entwicklung der Hardware-Komponenten und die Protokollimplementierung. Als Spezialist für digitale Sicherheitslösungen in vielen Branchen liefert OpenLimit in der Partnerschaft die sicherheitsrelevanten Elemente für das Gateway. Die Bündelung dieses Erfahrungsschatzes für die Entwicklung und den Vertrieb des Smart Meter Gateways auf dem deutschen Markt sowie die Zertifizierung durch das das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sichern nicht nur die Vorreiterrolle, sie sind auch Grundlage für Angebote an Energieversorger und eröffnen attraktive Kooperationsmodelle für Partner aus der Branche.

Wie soll der Vertrieb des Smart Meter Gateways organisiert werden? Streben Sie in diesem Bereich weitere Kooperationen an?

Wir haben unser Smart Meter Gateway bereits zur Zertifizierung durch das BSI angemeldet. Wir sind somit die ersten oder zumindest eines der ersten Entwickler eines Smart Meter Gateways im Markt und gehen davon aus, diese Vorreiterrolle auch halten zu können. Diese Ausgangslage wird mehrere Marktteilnehmer bestehend aus Zählerherstellern, Versorgungsunternehmen, Netzbetreibern und Messdienstleistern interessieren, die entweder bestrebt sein werden, unser Smart Meter Gateway Modul in ihre Produkte zu integrieren oder das Smart Meter Gateway an Zählerinstallationen anzuschließen. Wir sind demnach sehr interessiert an weiteren Kooperationen.

Welche Bedeutung hat dieses Exklusivabkommen wirtschaftlich für OpenLimit? Ab wann rechnen Sie mit signifikanten Umsätzen aus diesem Bereich?

Aktuell befindet sich das Projekt in der Investitions- und Entwicklungsphase. Wir gehen davon aus, dass Mitte 2013 unser Smart Meter Gateway zertifiziert sein wird. Bis zur Verfügbarkeit des Produkts wollen wir uns gemeinsam mit Power Plus Communications AG im Markt positionieren, um dann gemeinsam mit Partnern und Kunden die notwendigen Pilotierungen vorzunehmen. Wir rechnen ab Ende 2013/Anfang 2014 mit dem Beginn der verbindlichen Implementierung und demnach mit der Generierung von signifikanten Umsätzen in diesem Bereich.

Sie haben es bereits angesprochen: Mit dieser Kooperation erschließt sich OpenLimit zugleich ein neues Geschäftsfeld. Welche weiteren Wachstumsoptionen erschließen sich Ihnen in diesem Bereich?

Im Rahmen unserer erweiterten Produktstrategie haben wir für uns neue Märkte entdeckt, wo wir unser IT-Sicherheits-Know-how gewinnbringend einbringen können. Die Smart-Themen, z. B. im Heim- oder Automotive-Bereich, werden daher für uns künftig eine starke Rolle spielen. Hier können wir Datenkommunikation schützen und somit Manipulationen von außen entsprechend dem Stand der Technik verhindern. Eines der ersten Produkte in diesem Bereich wird das gemeinsam mit Power Plus Communications AG entwickelt Smart Meter Gateway sein.

Kommen wir abschließend auf das laufende Geschäftsjahr zu sprechen. Wie zufrieden sind Sie mit dem bisherigen Jahresverlauf?

Das Ziel im ersten Halbjahr 2012 war die Umsetzung der erweiterten Produktstrategie und die Neuausrichtung des Vertriebs auf die Industrie mit den neuen Technologien. Mit dem Fortschritt sind wir zufrieden, wenngleich ein solcher Prozess nicht ohne Herausforderungen umsetzbar ist. Insbesondere vor diesem Hintergrund sind wir mit dem Umsatzwachstum von 17 Prozent auf 2,06 Mio. Euro sowie dem EBIT-Resultat von -1.28 Mio. Euro, eine Verbesserung um 25 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode, zufrieden. Operativ konnten wir mit der Exklusivitätsvereinbarung mit Fujitsu Technology Solutions für einige ausgewählte OpenLimit-Technologien sowie mit der Partnerschaft mit der Power Plus Communications AG einiges erreichen.

Welche Ziele haben Sie sich für 2012 gesetzt?

Der Fokus im zweiten Halbjahr wird auf der Produktentwicklung auf die marktreife Fertigstellung der Authentisierungstechnologien, der Entwicklung der Smart Metering Gateway Technologien sowie der kontinuierlichen Pflegemaßnahmen und der Umsetzung der laufenden Projektverpflichtungen liegen. Auf Vertriebsseite wird der Fokus auf die Umsetzung neuer sich anbahnender Partnerschaften und Kunden gerichtet. Hier liegt der Schwerpunkt auf Industriekunden mit einem Bedürfnis für sichere Authentisierungsprozesse und beweiswerterhaltende Langzeitspeicherung von Daten. Unter der neuen Vertriebsleitung wird hier seit Jahresanfang eine entsprechende Kunden- bzw. Projektpipeline aufgebaut.

Was heißt dies konkret für Umsatz und Ergebnis im laufenden Geschäftsjahr?

Wir gehen davon aus, mit den neuen Technologien des dritten Quartals sowie bestehenden Verträgen mit unserem strategischen Partner Fujitsu ein Umsatzwachstum gegenüber dem Vorjahr im soliden zweistelligen Bereich zu erreichen. Abgeschwächt wird die Realisierbarkeit des EBIT-Breakevens aufgrund diverser Marktunsicherheiten (z. B. größere Umstrukturierungsmaßnahmen und Stellenabbau bei vielen IT-Großkonzernen, unseren Kunden) sowie Investitionsaufwände im Zusammenhang mit der Strategieerweiterung.

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