„Remote-Messdienstleistungen sind derzeit gefragt" | Messtechnik In Zeiten der Corona Krise

Der Remscheider Messdienstleister Klostermann hat Chancen in der Medizintechnik aufgetan / Viele Unternehmen der Branche fahren ihre Produktion hoch - und benötigen dafür Messtechnik

Christian Klostermann im Interview mit Quality Engineering.

Christian Klostermann ist Geschäftsführer von Klostermann Ingenieur­büro und Vertriebsgesell­schaft in Remscheid (PresseBox) ( Remscheid, )
Sabine Koll im Interview mit Christian Klostermann: 

Sabine Koll :: Herr Klostermann, die Corona-Pandemie hat das wirtschaftliche Leben hart getroffen. Wie schaut es bei Ihrem Unternehmen aus?

Klostermann: Die Auftragslage wird defini­tiv dünner. Aber ich will mich nicht be­schweren, geschweige denn den Kopf in den Sand stecken.

Die vergangenen vier Jahre waren schließlich attraktive Jahre für uns, wo wir in allen Abteilungen - Vertrieb, Schu­lung, Service und Lohnmesstechnik - sehr gut zu tun hatten. Wir sind in dieser Zeit ge­wachsen, haben ein neues Gebäude und neue Mitarbeiter an Bord genommen. Wirt­schaftlich sind wir sehr solide aufgestellt - und werden diese schwierige Zeit wohl recht gut überstehen. Insofern haben wir den Kopf frei für neue Ideen, auf die wir uns nun mit Vollgas stürzen - und genau das ist als Geschäftsführer meine Aufgabe.

Koll :: Gibt es Unterschiede zwischen ihren vier Bereichen Vertrieb, Schulung, Service und Lohnmesstechnik hinsichtlich der Auftrags­lage?

Klostermann: Ja, da haben wir gravierende Unterschiede zu verzeichnen. Der Service­-Bereich ist tatsächlich im Moment eine Ka­tastrophe, weil wir durch die Reisebeschrän­kungen und die Zutrittsverbote bei unseren Kunden tatsächlich nicht mehr in die Werke kommen. Serviceeinsätze werden derzeit von Werkleitern, Geschäftsführern oder Vor­ständen genehmigt - und dann auch nur für Aufträge, die für die Unternehmen es­sentiell sind.

Koll :: Auch Schulungen sind aufgrund des Kon­taktverbots schwierig durchführbar, oder?

Klostermann: Das stimmt, doch in Abspra­che mit dem Kunden und mit meinen Mitarbeitern lassen wir Schulungen noch selektiv stattfinden - damit die Kunden ihre neu ge­kauften Messmaschinen auch nutzen kön­nen. Wir haben dazu natürlich alle notwen­digen Hygienemaßnahmen bei uns im Un­ternehmen getroffen. Außerdem haben wir in einigen Schulungsräumen Messmaschi­nen vereinzelt. Dahinter haben wir große Monitore gehängt, sodass der Schulungslei­ter an der Messmaschine sitzen kann und die Teilnehmer in ausreichendem Sicher­heitsabstand - auch untereinander - sitzen können. Über den Monitor können sie alles genau mitverfolgen, was er vorne tut.

Koll :: Verkaufen Sie in der aktuellen Situation, in der viele Unternehmen ihre Produktion herunterfahren, noch neue Maschinen?

Klostermann: Glücklicherweise ja, und nur rund 20 % der aktuellen Projekte sind bis­lang geschoben oder ganz auf Eis gelegt worden. Das heißt, die meisten Projekte, an denen wir arbeiten, können wir wohl über die Ziellinie heben.

Koll :: Wie schaut es mit dem Bereich Lohnmess­technik aus?

Klostermann: Der läuft nach wie vor prima -nicht zuletzt deswegen, weil wir seit meh­reren Monaten aktiv daran gearbeitet ha­ben, unseren Branchenmix zu verändern. Kamen vor der durch die Diesel-Krise verur­sachten Krise der Automobilindustrie noch rund 80 % unserer Kunden aus dieser Bran­che, sind es jetzt nur noch knapp 60 %.

Koll :: Ist denn bei Ihnen durch das Coronavirus die Nachfrage aus dem Bereich Medizintech­nik gestiegen?

Klostermann: Definitiv ja. Doch die Anfra­gen kommen nicht von alleine, wir sind ver­triebsseitig sehr aktiv und werfen unseren Hut überall in den Ring -nicht nur bei Be­stands-. sondern auch bei Neukunden. Da­durch haben wir aktuell auch ein Projekt an Land ziehen können, bei dem es um die Her­stellung von Covid-19-Teströhrchen geht. Das Unternehmen fährt die Produktion die­ser Teströhrchen in China derzeit hoch, die Werkzeugkapazitäten müssen verdoppelt werden.

Koll :: Wie genau unterstützen Sie hier?

Klostermann: Die Daten des Werkzeugs, das bereits heute in Produktion ist, werden vor Ort mit einem 3D-Scanner erhoben und zu uns nach Remscheid geschickt. Wir gehen dann über die Flächenrückführung und die Werkzeugoptimierung und der Kunde erhält auf dieser Basis CAD-Daten, um ein Schwes­terwerkzeug bauen zu können. Wir nutzen dafür eine Software von Wenzel, um ideali­sierte Werkzeugdaten zu ermitteln. Anstatt zwei oder drei Korrekturschleifen hat der Kunde in der Regel nur eine Korrekturschlei­fe, sodass das Werkzeug schneller zum Lau­fen kommt.

Koll :: Das heißt, die Spritzgießwerkzeugefür die Teströhrchen werden in China gebaut?

Klostermann: Ja, und unser Service geht bis hin zum Erstmusterprüfbericht. Ein Problem für den Kunden ist, dass der Werkzeugbauer in China die Erstbemusterung des Werk­zeugs macht- ein Schelm, wer dabei Böses denkt. Hinzu kommt, dass die dafür erstell­ten Messberichte zum Teil nur in der Lan­dessprache vorliegen. Auch werden Toleran­zen wild vergeben. Daher haben wir ein Konzept erstellt, um für den Kunden eine globale Messstrategie zu entwickeln. Wir schreiben Messprogramme - beispielsweise für Messgeräte von Wenzel oder OGP. Oder wir erhalten beispielsweise Punktewolken von 3D-Messsystemen, die wir dann bei uns nach den Spielregeln des Kunden ausrichten und messtechnisch durchlaufen lassen. Wir standardisieren die Messungen des Kunden somit weltweit. Die Messberichte haben al­le den gleichen Aufbau, die gleichen Tole­ranzen, die gleichen Interpretationsmög­lichkeiten.

Koll :: Ist das ein neues Geschäftsmodel/für Sie?

Klostermann: Es ist relativ neu, aber nicht erst jetzt in der Krise entstanden. Das Kon­zept der Standardisierung von Messberich­ten haben wir auch schon bei anderen Kun­den ausgerollt - und das kommt sehr gut an.

Koll :: Sind bei Ihnen durch die jetzige Krise denn neue Geschäftsideen entstanden?

Klostermann: Ja, wir bieten unseren Kunden nun erstmals Maschinenkapazitäten auf Zeit an. Das heißt, wenn ein Unternehmen etwa aufgrund der Covid-19-Pandemie sei­ne Fertigungs- und damit Messtechnikka pa­zitäten hochfährt, dann erhält er von uns für diesen Produktions-Peak von mehreren Monaten eine gebrauchte Messmaschine mit aktuellster Software und Hardware und mit Full-Service-Konzept. Das heißt, der Kunde zahlt eine monatliche Rate für eine Messmaschine einschließlich Aufstellung, Inbetriebnahme und Kalibrierung. Eine ge­wisse Anzahl von Helpdesk-Stunden ist in­kludiert und vielleicht das Erstellen von ein oder zwei Messprogrammen, die dazu aus­reichen, dieses eine Bauteil zu messen.

Für das Röntgen-Museum haben der Remscheider Messtechnik-Dienstleister Klostermann und Excit3D eine Virtual-Reality-Anwendung Virtual Reality Anwendung geschaffen, bei der sie Wilhelm Conrad Röntgen zum Leben erweckt haben: Mit einem Streifenlichtprojektor von GOM hat Klostermann eine Büste des Physikers digitalisiert.

Das System ist mobil, so konnten wir die Büste vor Ort im Museum scannen. CT ist leider nicht geeignet, da die Büste aus Bronze und somit schwer zu durchstrahlen ist. Die Datenqualität wäre hier deutlich schlechter: sagt Geschäftsführer Christian Klostermann. Auf Basis der Messdaten hat Excit3D mit einer Augmented-Reality-Lösung eine virtuelle Animation von Röntgen entwickelt. Im Röntgen-Museum wird Röntgen so einem 60 bis 80 s langen Film über sein Leben und seine Eifindung berichten. Außerdem kann er durch die Kamera im Smartphone betrachtet im Raum auftauchen.

www.Klostermann.com
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