Die integrierte Mediation trifft den Sultan

Über die Mediation in Kasachstan / Ein Reisebericht

Foto: Arthur Trossen aus dem Foyer des Schlichtungszentrums in Nur-Sultan (PresseBox) ( Altenkirchen, )
Wenn ein Mediator in Sachen Mediation unterwegs ist, konzentriert sich der Fokus meist auf Phänomene, die dem normalen Touristen verborgen bleiben. Arthur Trossen, ein Mitbegründer der Integrierten Mediation und langjähriger Vorsitzender des gleichnamigen Verbandes wurde nach Nur-Sultan, der Hauptstadt von Kasachstan, berufen, um dort ein Fortgeschrittenenseminar über Mediation abzuhalten.

Die Geschäftsreise

Bei einer Geschäftsreise sieht der Experte zunächst nicht viel vom Land. Der Flieger kommt um 6 Uhr morgens an. Um 9 Uhr beginnt das Seminar. In Deutschland wäre das noch mitten in der Nacht (5 Uhr morgens).

Das Hotel war recht weit vom Verantstaltungsort entfernt. So gab es die Gelegenheit, die Stadt vom Auto aus kennenzulernen. Nur-Sultan ist der neue Name der Hauptstadt. Früher wurde sie Astana genannt. An den Namen muss man sich gewöhnen. Wenn man aber weiß, dass Nur so viel bedeutet wie Sonnenstrahl, wird deutlich was gemeint ist. Auch das Zentrum wurde velegt. Vor noch nicht allzulanger Zeit war hier noch eine Steppe.

Der neue alte Geist

Die Stadt hat sich völlig neu erfunden. Es gibt viele originelle Gebäude, viele Hochhäuser. Keines ist einfach rechteckig mit einem Flachdach darauf. Ein Architekt wird begeistert sein, wenn er die Komposition von Form, Farbe und Licht erlebt, wodurch die im Zentrum des Landes gelegene Stadt ihren Charakter erhält.

Kaum zu glauben, dass in der Geschwindigkeit ihrer Neuentstehung keine funktionalen Schnellbauten, sondern aufwändig konstruierte Gebäude beeindrucken, die alles andere als billig und improvisiert wirken. Querlinien und Rundungen prägen das Bild. Dahinter verbirgt sich ein Plan. Vielfalt ist das Thema. Ausgewogenheit scheint das Motiv zu sein und irgendwie kommt die Tradition in allem Neuen zum Vorschein.

Die Schlichtungstradition

An die Tradition sollten auch die Bemühungen um die Einführung der Mediation in Kasachstan anknüpfen. Wer das Schlichtungszentrum von Nur-Sultan betritt, wo das Seminar stattgefunden hat, wird von dem Relief der drei Biys begrüßt. Das sind Weise aus dem Mittelalter, die als berühmte Schlichter in die Geschichtsbücher eingingen. Das Schlichtungszentrum will an die ehrenvolle Geschichte anknüpfen und im Idealfall wieder einen Rat der Biys etablieren.

Bei den Seminarteilnehmern handelte es sich überwiegend um Richter. Der Umgang mit Schlichtungen und die Einteilung der Verfahren folgt in Kasachstan anderen Grundsätzen als wir es hier gewöhnt sind. Die Mediation wird als ein Versöhnungskonzept gesehen, bei dem der Mediator Einfluss nimmt und Empfehlungen äußern darf. Nach dem hiesigen Verständnis wäre das eine Schlichtung.

Mediation in Kasachstan

Die methodische Unterscheidung der Verfahren war der Schwerpunkt des Seminars. Ein Mediationsgesetz gibt es seit 2006. Offenbar ist die Nachfrage nicht so wie gewünscht. Hier finden sich Parallelen zur Lage in Deustchland. Dort überlegt man, die Mediation als verpflichtend einzuführen, bevor das Gericht angerufen werden darf. Der größte Wunsch der Teilnehmer war es, Wege zu finden, wie sich Gerichtsverfahren vermeiden lassen. Zu dem Zweck bietet das Schlichtungszentrum zum Beipspiel auch kostenlose Rechtsberatung als Erstberatung an. Das Angebot ist ehrenamtlich. Die Mediation soll das Angebot ergänzen und professionell etabliert werden.

Der Ausblick

Der Einsatz in Kasachstan hat wohl auf beiden Seiten bleibende Eindrücke hinterlassen. Sie betreffen den Umgang mit der Mediation, Fragen der Implementierung, die Kultur und natürlich die Stadt, die den Sonnenstrahl in ihrem Namen trägt. In Gesprächen mit den kasachischen Kollegen wurde immer wieder betont, dass die Kasachen von Nomaden abstammen. Vielleicht möchte der Hinweis ihre Beweglichkeit herausstellen.

Beweglichkeit drückt sich auch in der neu entstehenden Stadt Nur-Sultan aus. Sie gibt der Tradition einen Raum, obwohl sie neu aufgebaut wird. Traditionelle Muster fügen sich in ein modernes, hoch funktionales Bild ein. Man könnte darin eine gelungene Vermittlung zwischen alt und neu erkennen. Die Tradition wird aufgegriffen, nicht ersetzt.

Den gleichen Ansatz verfolgt das Schlichtungszentrum. Wenn es den kasachischen Mediatoren gelingt, Tradition und Moderne auch auf die Mediation zu erstrecken, hat das Land sicher gute Chancen, die Mediation nach vorne zu bringen. Die Integrierte Mediation, das war die übereinstimmende Erkenntnis, könnte mit ihrem kognitiven Verständnis der Mediation der Schlüssel dafür sein.

 
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