Verzinkerpreis für Architektur und Metallgestaltung 2021

Die Falginjochbahn von Baumschlager Hutter ZT GmbH wurde mit dem ersten Preis ausgezeichnet. (Foto: Albrecht Schnabel)
(PresseBox) ( Düsseldorf, )
Seit 1989 verleiht der Industrieverband Feuerverzinken den mit 15.000 Euro dotierten Verzinkerpreis für Architektur und Metallgestaltung und zeichnet damit seit mehr als 30 Jahren Projekte aus, die sich gestalterisch, aber auch in Bezug auf ihre Ressourceneffizienz und Nachhaltigkeit vom Mainstream wohltuend abheben. Der langen Tradition folgend wurden auch bei der diesjährigen 17. Preisvergabe wieder herausragend gelöste Bauaufgaben in das Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt. Mit 51 überwiegend hochwertigen Einreichungen fand der Preis in der Fachwelt erneut eine große Resonanz und knüpfte nahtlos an die Preise der Vorjahre an. Die Einreichungen und vor allem die prämierten Objekte zeigen erneut das breite Anwendungsspektrum von feuerverzinktem Stahl und die Bedeutung des Feuerverzinkens im Hinblick auf kommende Bauanforderungen wie Dauerhaftigkeit oder Wiederverwendbarkeit.

Die Jury vergab in der Kategorie Architektur einen ersten, einen zweiten und zwei dritte Preise sowie eine Anerkennung und zwei Belobigungen. In der Kategorie Metallgestaltung wurden zwei Anerkennungen vergeben.

Die unabhängige Jury bestand aus:
- Prof. Wim Eckert, E2A Piet Eckert und Wim Eckert Architekten, Zürich
- Stefan Elgaß, Chefredakteur „Metallmarkt.net“, Geretsried
- Holger Glinde, Chefredakteur „Feuerverzinken“, Düsseldorf
- Prof. Christian Knoche, Knoche Architekten BDA, Leipzig
- Katja Reich, Chefredakteurin „DBZ Deutsche BauZeitschrift“, Gütersloh
- Sebastian Schiweck, Hauptgeschäftsführer Industrieverband Feuerverzinken e.V., Düsseldorf
- Dr. John-Thomas Siehoff, Chefredakteur „M&T“, Köln
- Angelika Summa, Bildhauerin, Würzburg

Erster Preis Architektur: Falginjochbahn
Preisträger: Baumschlager Hutter ZT GmbH, Dornbirn (A)

Kommentar der Jury: Die Falginjochbahn im hinteren Kaunertal ersetzt zwei bestehende Schlepplifte und führt bis auf 3.113 müM, zum höchsten Punkt des Schigebietes. Mit der Berg- und Tal-Station wurden zwei technoid wirkende Infrastrukturbauwerke geschaffen, die sich auf Materialien aus dem Seilbahnanlagenbau fokussieren – feuerverzinkten Stahl für die Konstruktion und Beton als „Sockel“.  Durch die außenliegenden Stahltragwerke der Gebäude wird die Konstruktionsweise transparent, nachvollziehbar und erlebbar gemacht. Gleiches gilt für die Mechanik der Seilbahntechnik der Bergstation aus Seilen, Rollen, Führungen und Stützen. Sie wirkt ästhetisch überhöht und verschmilzt mit dem Stahltragwerk des Gebäudes. Technik und Bauwerk werden zu einer Einheit. Auch die exponierte Lage und die hochalpinen Verhältnisse bedingten die Verwendung von feuerverzinktem Stahl. Der hohe Vorfertigungsgrad der Stahlkonstruktion trug erheblich dazu bei, die Baumaßnahmen in einem dem Klima geschuldeten Zeitfenster von sechs Monaten vor Ort gering und in einem ökologisch vertretbaren Ausmaß zu halten. Auch die Dauerhaftigkeit der Feuerverzinkung schafft ökologischen Nutzen, da Instandhaltungsmaßnahmen an der Stahlkonstruktion in der sensiblen hochalpinen Natur obsolet werden. Mit der Berg- und Tal-Station der Falginjochbahn verbinden Baumschlager Hutter Partners in symbiotischer Weise die ästhetischen, funktionalen und technischen Stärken von feuerverzinktem Stahl und schaffen damit eine reduzierte, ikonisch wirkende Architektur von höchster Präzision, die die Jury nachhaltig beeindruckte. Ein würdiger erster Preis.

Zweiter Preis Architektur: Haus D//6
Preisträger: Aretz Dürr Architektur BDA, Köln

Kommentar der Jury: Das Haus D//6 besticht zuerst durch seine einfache aber stringente Grundkonzeption. Auf einen Ortbetonsockel steht ein einfaches, einraumtiefes Langhaus. Die Grundstruktur dieses Langhauses besteht aus einem verschraubten und daher demontablen Stahlskelett mit vier gleichdimensionierten Rasterfeldern. Diese Grundraster werden mit vorgefertigten Holzbauteilen ausgefacht und weiter unterteilt. Die Dachsparren ebenfalls als vorgefertigte Holzbauteile, verbinden die innere Tragstruktur mit der äußeren, filigranen Verandastruktur. Es entsteht ein Dachüberstand, der das Haus vor Überhitzung schützt. Nach Außen wird das Haus und das Dach mit verzinktem und hinterlüftetem Wellblech verkleidet. So einfach diese Grundkonzeption zu beschreiben ist, so einfach ist sie auch umgesetzt. Das «maison démontable» verblüfft durch die schiere Dünnheit seiner Konstruktion und durch die dadurch evozierte, ungewohnte architektonische Leichtigkeit und Durchsicht. Die Jury ist vor allem von der kostengünstigen, hybriden, materialarmen und zirkulären Bauweise angetan. Die verzinkten Stahlbauteile bleiben ebenso wie die Holzbauteile materialsichtig und bieten in der Flut der Verkleidungsarchitekturen eine erholsame Ausnahme. Zudem ist der Einsatz von sichtbar bleibenden Stahlbauteilen im Wohnungsbau erfrischend mutig und unprätentiös. Ob ein Einfamilienhaus aber in seiner Grunddisposition noch ökologisch vertretbar ist, muss diskutiert werden, ebenso wie die Durchlässigkeit seines suburbanen Kontextes. Wenn man das realisierte Projekt allerdings prototypisch versteht, wünscht man sich eine solche Bautechnik vermehrt auch im Mehrfamilienhausbau zu sehen. Darin liegen die Kraft und die Hoffnung dieses Projektes. Die Jury zeichnet hier vielmehr die konsequente und konstruktive Logik eines intelligenten, hybriden und materialarmen Bausystems aus, in der Absicht, solche Systeme auch im verdichteten Wohnungsbau wiederzuentdecken.

Dritte Preise Architektur:

3. Preis Architektur:: Brücke über die Salzach in Kaprun
Preisträger: SSF Ingenieure AG, Halle / Saale

Kommentar der Jury: Wie ein kraftvoll gespannter, abstrakter Bogen führt diese Brücke über die Salzach, dabei erzeugen die geschweißten Trogwannen mit geneigten Obergurten die sichtbaren Konturen der Brückenkonstruktion und symbolisieren spannungsvoll den Verlauf der Kräfte in die Auflager. Durch die zwischen die Trogwannen konstruierte Fahrbahnplatte und ihre minimierte Verbundkonstruktion wird die Wahrnehmung der Konstruktionshöhe geschickt relativiert. Bemerkenswert sind auch die seitlich angeformten, mit Lochblech eingefassten Medienkanäle zur Aufnahme der Beleuchtungs– und Entwässerungsführung, die die Konturen des Tragwerks unterstreichen und eine störungsfreie und geometrisch geordnete Untersicht ermöglichen. Durchdachte Konstruktionen unter Verwendung feuerverzinkter Verbunddübelleisten, eine präzise Planung der Montagefolge bei verkürzter Bauzeit und die Integration aller Installationsbestandteile erzeugen eine intelligente und innovative Konstruktionsidee für eine leichte Straßenbrücke mit bestechender Eleganz.

3. Preis Architektur: Seegartenbühne Gemeinde Allensbach
Preisträger: Schaudt Architekten BDA, Konstanz

Kommentar der Jury: Ein leichter, offener Pavillon am Seeufer - das ist tatsächlich eine besonders attraktive Planungsaufgabe. Diese so souverän zu lösen, ist ein außergewöhnlicher Glücksfall. Entstanden ist eine kleine Stahlkonstruktion, die sich zurücknimmt und den Blick rahmt in eine einzigartige Landschaftskulisse mit ihren traumhaften Sonnenuntergängen. Die Grundfläche als verschobenes Parallelogramm überrascht zunächst, doch die Konstruktion ist trotz schiefwinkliger Knotenpunkte denkbar einfach, klar nach den Regeln des klassischen Stahlbaus gefügt, jeder Anschluss sichtbar, konstruktiv gelöst und gerade deshalb auch ästhetisch überzeugend. Alle Teile erfüllen einen Zweck, nichts dient nur der Suche nach Aufmerksamkeit oder dem Wunsch nach zusätzlicher Dekoration. Feuerverzinkte Bauteile dienen keinem ästhetischen sondern ausschließlich technischen Zwecken, gerade deshalb tragen sie aber maßgebend bei zu diesem sympathischen, Bürger/innen und Besucher/innen gleichermaßen einladenden Ort.

Anerkennung Architektur: Neubau Doppeleinfamilienhaus in Waldshut
Preisträger: Keller Architekten PartGmbB, Waldshut-Tiengen

Kommentar der Jury: Das Doppeleinfamilienhaus in Waldshut liegt in exponierter Lage am Hang mit Blick über den Rhein und die Altstadt. Das Gebäude entwickelt sich entlang der Topographie und bietet die nötige Flexibilität sich auch veränderten Lebensbedingungen seiner Bewohner anzupassen. Die Wahl der Fassadenbekleidung in Form von 3 mm starken feuerverzinkten Stahlblechen stellt einen spannenden Kontrast zur eher überästhetisierten Innenraumgestaltung dar. Dabei überzeugte die Jury der augenscheinlich hohe Detaillierungsgrad sowie die handwerkliche Präzision bei der Ausbildung und Umsetzung der vorgehängten hinterlüfteten Fassaden. Dieser Anspruch setzt sich über die Fassade hinaus bis hin zu angrenzenden Bauteilen wie z.B. den Handlauf der Außentreppe fort und macht aus dem Neubau ein bemerkenswertes Bespiel für einen hochwertigen Einfamilienhausbau. 

Belobigung Architektur: Kultur- und Sportkomplex in Romont
Preisträger: GNWA Gonzalo Neri & Weck Architekten GmbH, Zürich (CH)

Kommentar der Jury: Der Neubau des Kultur- und Sportkomplexes in Romont umfasst einen Badebereich mit vier Becken, einen Sportbereich mit Fitness- und Gymnastikräumen, Übungs- und Konzerträumen sowie einen Wellnessbereich. Feuerverzinkte Bleche bekleiden die Fassade und geben ihr ein strenges, rechteckiges Muster, das von Fensterbändern und Einzelfenster unterbrochen wird. Die großformatigen Bleche unterstreichen die kompakte, quadratische Form des Gebäudes. Feuerverzinkte Gitterroste dienen je nach Raumnutzung als Lichtfilter, Vandalismussschutz, multifunktionelles Decken- oder Akustikelement und tragen die metallische Anmutung der Gebäudehülle in das Innere, wo sie sich harmonisch und unaufgeregt mit den Sichtbetonflächen der Wände vereinen kann. Außen wie innen charakterisieren eine klare Ästhetik und die sparsame Materialwahl das Gebäude - insgesamt ein gelungener Beitrag zur Baukultur.

Belobigung Architektur: Neubau Laborgebäude der Staatlichen Studienakademie Riesa
Preisträger: dd1 Architekten, Dresden

Kommentar der Jury: Mit dem neuen Laborgebäude erhalten die bestehenden Lehr- und Lerngebäude des Campus der Staatlichen Studienakademie Riesa eine wichtige Ergänzung. Das unmittelbare bauliche Umfeld des Neubaus ist als heterogen zu bezeichnen. Deshalb reagiert er in seiner Eingangssituation und seiner Ausrichtung auf die angrenzenden Gebäude, unterscheidet sich aber in Formensprache und Materialität von ihnen. Hierzu trägt ganz erheblich die Fassade aus feuerverzinkten Stahlblechen des kubischen Baus bei. Sie macht ihn mit ihren lebhaften Oberflächen zu einem Solitär, der sich dennoch gut in sein Umfeld einfügt. Die metallische Fassade ist auch eine Reminiszenz an die Stadt Riesa, die seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis heute ein Stahlstandort ist. Ein gutes Beispiel für den Einsatz und die Gestaltungsmöglichkeiten mit feuerverzinkten Fassadenelementen.

Anerkennungen Metallgestaltung


Anerkennung für Fahrradunterstand Neuhegi, Winterthur
Einreicher: Elias Leimbacher Architektur GmbH, Winterthur (CH)

Kommentar der Jury: Die Elias Leimbacher Architektur GmbH erhielt den Auftrag, zur neuen Schulanlage im Entwicklungsgebiet Neuhegi in Winterthur auf knappem Freiraum eine große Zahl an gedeckten Fahrradstellplätzen zu bauen. Das Büro entwarf hierfür einen passenden flexiblen und effizienten Fahrradunterstand, der mit unterschiedlichen Gefällen und Längen umgehen kann und in der seriellen Aufstellung und Montage einfach ist. Eine maximale horizontale Durchsicht und Raumwahrnehmung sollte vor dem Hintergrund von Sicherheitsempfinden und räumlich offenem Schulkonzept gewährleistet werden. Zwei geschlaufte Böcke und zwei Pfetten aus feuerverzinkten Stahlrohren tragen aufgelegte und verzinkte Wellbleche. Zusammen mit den verbindenden Pfetten steifen die Böcke in überkreuzender Geometrie die Konstruktion aus. Durch tolerante Dachüberlagungen und Bockplatzierungen sowie einfacher planerischer Lage- und Längenanpassung der geraden Rundrohrpfetten ist es möglich, die Längen und Breiten der Fahrradunterstände flexibel zu justieren. So tragen sie auftragsgemäß dazu bei, die Schule als in alle Richtungen offenen und einladenden Treffpunkt im Quartier zu verwirklichen.

Anerkennung für Kreuz Weg #Loveurope
Einreicher: formTL-Ingenieure für Tragwerk und Leichtbau GmbH, Radolfzell

Kommentar der Jury: Die Idee von Künstlerin Mia Florentine Weiss war es, zum 100-jährigen Jubiläum des Friedensvertrags von Versailles eine raumgreifende Installation zu schaffen. Mit Unterstützung der Ingenieure von formTL in Radolfzell am Bodensee, entstand eine begehbare Konstruktion. Die modularen Elemente können in Innenräumen, aber auch im Freien aufgebaut werden. Das begehbare Kreuz steht symbolisch für einen Kreuzweg und vermittelt Besuchern eindrucksvoll die Vision der Künstlerin. Überzeugt haben die einfache Tragkonstruktion aus Fachwerk und die mögliche Mehrfachnutzung an verschiedenen Orten. Durch die feuerverzinkte Oberfläche übersteht die Konstruktion auch längere Reisen mit Auf- und Abbau und Zwischenlagerungen problemlos.

Mehr Informationen: http://www.verzinkerpreis.de
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