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Pressemitteilung BoxID: 182533 (Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main)
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Selbstverpflichtung gegen "Ideenklau"

(PresseBox) (Frankfurt am Main, ) Für eine Selbstverpflichtung der Unternehmen zum fairen Umgang mit geistigem Eigentum setzt sich die Industrie- und Handelskammer Frankfurt ein. Die IHK-Vollversammlung beschloss einstimmig einen entsprechenden Ehrenkodex, der Handlungshinweise für den Umgang mit geistigem Eigentum gibt und den Mitgliedsunternehmen zur Beachtung empfohlen wird. "Es ist ein großer Erfolg, dass Vertreter aller Branchen mit dieser Ehrenerklärung an einem Strang ziehen, um die Lücken im Urheberschutz von Konzepten aufzufangen", kommentierte IHK-Vizepräsidentin Ulrike Gehring das Votum.

Mit dieser Initiative werde nun das erste Signal aus der Wirtschaft an die Politik gegeben, das Urheberrecht zu überarbeiten. Geistige Produkte seien die entscheidende Ressource für Europas Wirtschaft in einer globalisierten Welt. "Wie kann es da sein, dass ausgerechnet diese Ressource im Rahmen des Urheberrechts einen schlechteren Schutz genießt als z. B. technische Innovationen?" fragte die Vizepräsidentin bei der Vorstellung des Kodexes in der Vollversammlung.

Die Unternehmen der beratenden und kreativen Branchen leiden nach Beobachtung der Fachleute im IHK-Informationsausschuss zunehmend unter "Ideenklau". Bei der Ausschreibung von Werbekampagnen z. B. lassen die Auftraggeber oft Konzepte von mehreren Anbietern präsentieren, übernehmen geeignete Inhalte und setzen die Konzepte später ohne Auftragsvergabe und ohne Vergütung selber um. Auf diese Weise wird die Arbeitsleistung von Werbefachleuten, Unternehmensberatern, Architekten und andere Produzenten geistigen Eigentums oft unter Verstoß gegen das Urheberrecht verwendet.

Der IHK-Ehrenkodex wurde vom IHK-Ausschuss für Informationswirtschaft nach einer Würdigung der gängigen Praxis besonders in der Kreativwirtschaft erstellt und durch Erfahrungen aus anderen Branchen ergänzt. "In den meisten Fällen geschieht ein Verstoß gegen Urhebergrundsätze nicht aus Raffinesse - sondern vielmehr aus Unkenntnis", resümiert Gehring. Die wenigsten potenziellen Kunden seien sich darüber im Klaren, dass es auch für Geistige Produkte so etwas wie Produktpiraterie gibt. "Deshalb möchten wir das Selbstverständnis unter ehrbaren Kaufleuten an dieser Stelle wieder zurecht rücken." Durch die Vorstellung des Ehrenkodexes in Gremien der Wirtschaft solle bundesweit die Selbstverpflichtung vorangetrieben werden, dass beratende und kreative Leistungen genauso wie technologisches Know-how vom Auftraggeber zu vergüten sind. Entsprechende Korrekturen am Urheberrecht sind auch Inhalt von Empfehlungen der Kultur-Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages.