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Pressemitteilung BoxID: 755395 (Industrie- und Handelskammer des Saarlandes)
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IHK hilft Flüchtlingen - Zusätzliches IHK-Engagement bei Vermittlung von Sprachkenntnissen und Erfassung beruflicher Kompetenzen

Dr. Weber: "Alle müssen substanzielle Beiträge leisten!"

(PresseBox) (Saarbrücken, ) „Der in diesem Jahr zu erwartende Zustrom von bis zu 10.000 Flüchtlingen stellt unser Land vor riesige Herausforderungen. Er bietet zugleich aber auch die große Chance, für die Zukunft ein ausreichendes Fachkräfteangebot zu sichern. Dazu müssen wir alles uns Mögliche tun, die Flüchtlinge schnell in Gesellschaft und Wirtschaft zu integrieren. Das ist auch ein Gebot der Menschlichkeit, dem sich keiner verweigern darf. Das heißt: Alle gesellschaftlichen Gruppen sind gefordert, sich substanziell zu engagieren – auch die Wirtschaft. Unsere IHK will deshalb jetzt mit konkreten Maßnahmen ein deutlich sichtbares Zeichen setzen. Denn unternehmerische Verantwortung ist immer auch gesellschaftliche Verantwortung.“ Mit diesen Worten werben IHK-Präsident Dr. Weber und IHK-Hauptgeschäftsführer Volker Giersch dafür, die ankommenden Flüchtlinge mit offenen Armen zu empfangen und sie möglichst rasch am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu lassen.

Schlüssel für eine erfolgreiche Integration der Flüchtlinge in Gesellschaft und Arbeitsmarkt sind nach Auffassung der IHK die Vermittlung von Sprachkenntnissen und die Erfassung der beruflichen Kompetenzen. „Hier setzen deshalb auch die Maßnahmen unserer IHK an, für die wir insgesamt gut 100.000 Euro zur Verfügung stellen“, erklärte Dr. Weber. Konkret hat die IHK folgende Maßnahmen beschlossen und zum Teil bereits eingeleitet:

(1) Kurse zur Vermittlung von Sprachkenntnissen
Bei der Aufnahme einer Arbeitstätigkeit oder einer Ausbildung bietet die IHK ihren Unternehmen an, die Integration durch einen gezielten fachsprachlichen Unterricht zu ergänzen. Giersch: „Damit wollen wir die Sprachkurse, die von den Arbeitsagenturen und den Jobcenter angeboten werden, ergänzen und die Integration in den Arbeitsmarkt unterstützen“.

Junge Flüchtlinge werden gezielt durch Schnupperpraktika, Einstiegsqualifizierung und fachbezogene Sprachkurse auf die Aufnahme einer Ausbildung oder Beschäftigung vorbereitet. Ein erster Modellversuch mit dem Jobcenter Saarpfalz und dem Christlichen Jugenddorf Homburg (CJD) ist vielversprechend gestartet. Weitere Maßnahmen sind in der Vorbereitung. Für die Sprachförderung stellt die IHK insgesamt rund 30.000 Euro zur Verfügung.

(2) Ausbildung zusätzlicher Sprachmittler
Als Hilfe bei den erforderlichen Behörden- bzw. Arztgängen erhalten Flüchtlinge Unterstützung durch Sprachmittler. Diese Personen haben in der Regel die gleiche Muttersprache wie die Flüchtlinge. Sie unterstützen auch die Jobcenter und die Landesaufnahmestelle beim Abfragen der Kompetenzen. Alle eingebundenen Einrichtungen und Behörden beklagen, dass zu wenig Sprachmittler zur Verfügung stehen und dies beim Aufnahme- und Integrationsprozess hemmend sei.

Die IHK Saarland hat deshalb gemeinsam mit ihren Bildungspartnern zwei Lehrgänge zur Qualifizierung von zusätzlichen Sprachmittlern ausgeschrieben. Ende September beginnt der erste Lehrgang in Saarbrücken. Ein weiterer Kurs in Homburg startet im Oktober. Die ausgewählten bzw. noch zu suchenden Personen sollen überwiegend Sprachkompetenzen in Arabisch bzw. Kurdisch/Türkisch und der Sprachen in Eritrea haben. Dr. Weber: „Sprachmittler stehen am Anfang einer erfolgreichen Eingliederung. Insofern sind sie die personalisierte Visitenkarte unserer Willkommenskultur.“ Die IHK finanziert die Lehrgänge mit je 10.000 Euro.

(3) Einsatz von Seniorexperten als Paten
Ganz wichtig ist aus Sicht der IHK, junge Menschen beim Einstieg in die Arbeitswelt aktiv zu begleiten. Giersch: „Hierzu wollen wir Seniorexperten gewinnen. Das sind Personen, die in ihrer aktiven Berufstätigkeit an Schlüsselstellen in Unternehmen oder anderen Einrichtungen saßen. Mit ihrem Erfahrungswissen sollen sie quasi als „Paten“ helfen, den jungen Menschen den Einstieg in Ausbildung und Beruf zu erleichtern.“ In einer Mitgliederversammlung der Seniorexperten Anfang Oktober wird das konkrete Vorgehen vereinbart. Fest steht bereits, dass die IHK die entstehenden Kosten übernehmen wird.

(4) Erfassung der beruflichen Kompetenzen
Zur besseren und schnelleren Erfassung der beruflichen Kenntnisse und Fähigkeiten der Flüchtlinge wird die IHK eine zusätzliche Stelle im Welcome Center von saar.is finanzieren. „Hier laufen derzeit erste Bewerbungsgespräche, so dass wir schon bald entlastend auch für die Clearingstelle in Lebach tätig werden können“, so Giersch. Die Kosten belaufen sich auf rund 50.000 Euro. Überdies steht auch unsere Jobbörse unter willkommen.saarland zur Vermittlung von Praktikanten allen Interessierten zur Verfügung.

(5) Nachqualifizierung der Flüchtlinge
Nach den vorliegenden Informationen sind zwei Drittel der Flüchtlinge im erwerbsfähigen Alter. Viele von ihnen sind qualifiziert und hoch motiviert, eine Arbeit aufzunehmen. „Dieses Potenzial müssen wir – auch mit Blick auf die große Zahl offener Stellen und Ausbildungsplätze, insbesondere im technisch-gewerblichen Bereich, in der Hotellerie, Gastronomie und Logistik – nutzen. Und dort, wo wir feststellen, dass die fachlichen oder sprachlichen Kompetenzen nicht ausreichen, wollen wir den Flüchtlingen Angebote zur zügigen Nachqualifizierung unterbreiten. Dies im Rahmen unserer Weiterbildungspartnerschaft mit saarländischen Bildungsträgern“, so Giersch.

(6) Informations- und Orientierungsveranstaltungen
Darüber hinaus wird die IHK in Veranstaltungen für die rasche Integration ausländischer Fachkräfte werben, Best-practice-Beispiele aufzeigen und gemeinsam mit Partnern und Experten Erfolgsfaktoren für die Integration ausländischer Fachkräfte aufzeigen. Auftakt dieser Veranstaltungsreihe ist der „1. Zuwanderungskongress Saar: Erfolg durch Vielfalt – wie ausländische Fachkräfte Ihr Unternehmen verstärken können“, der am 9. November in der IHK stattfindet.

„Wir wissen, dass unser IHK-Engagement nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Aber wenn sich andere vergleichbar engagieren, werden wir ein gutes Stück vorankommen und die aktuelle Problemlage spürbar entschärfen können“, so Dr. Weber.

Integration der Flüchtlinge ist Zukunftssicherung für unser Land

Die Bereitschaft der Unternehmen, Flüchtlinge einzustellen oder ihnen durch Praktika und mit einer dualen Ausbildung den Einstieg in den Arbeitsmarkt zu ermöglichen, ist aus Sicht der IHK hoch. Dr. Weber: „Die Unternehmen wissen, dass sie selbst aktiv zur Sicherung ihres Fachkräftebedarfs beitragen müssen und dass dazu erhebliche Eigenanstrengungen etwa bei der Integration von Flüchtlingen erforderlich sind. Viele von ihnen wissen auch, dass es Vorteile bringt, Mitarbeiter unterschiedlicher Nationalitäten zu beschäftigen – etwa bei der Erschließung neuer Märkte oder bei der Kundenbindung. Unsere Wirtschaft braucht die Flüchtlinge und sie wird sich kraftvoll dafür engagieren, möglichst viele von ihnen rasch in Beschäftigung zu bringen.“

Aus Sicht der IHK kann die Integration der Flüchtlinge erheblich dazu beitragen, den Fachkräftebedarf der Saarwirtschaft für die kommenden Jahre zu sichern. Der demografische Wandel treffe das Saarland mit besonderer Wucht. „Nach unseren Berechnungen“, so Giersch, „werden hier im Land im Jahr 2030 gut 100.000 Fachkräfte fehlen, wenn wir nicht energisch gegensteuern. Allein mit der Steigerung der Erwerbsquoten der Frauen und der Älteren ist dieses Ziel nicht zu erreichen. Eine erfolgreiche Integration der Flüchtlinge ist deshalb zu Recht auch ein vorrangiges Ziel der Fachkräftesicherungsstrategie und für unser Land ein notwendiges Stück Wachstumsvorsorge und Zukunftssicherung.“ Die IHK begrüßt deshalb ausdrücklich, dass die Landesregierung kurzfristig eine Million Euro im Haushalt für zusätzliche Sprachkurse bereitstellen und das „Sonderprogramm Bildung und Förderung von Flüchtlingskindern an saarländischen Schulen“ ausweiten will.

Bundespolitik muss Zugang zum Arbeitsmarkt weiter erleichtern

An die Bundespolitik appelliert die IHK, die rechtlichen Hürden, die einen Zugang von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt bislang noch erschweren, weiter abzusenken. Giersch: „Ein Problem ist unter anderem die Karenzzeit von drei Monaten, in denen Asylbewerber keine Arbeit aufnehmen dürfen. Diese Frist sollte auf einen Monat verkürzt werden.“

Gänzlich zu streichen ist aus IHK-Sicht die sogenannte Vorrangprüfung. Damit soll überprüft werden, ob ein deutscher Arbeitsloser oder ein EU-Bürger für eine bestimmte Stelle in Frage kommt. Diese Prüfung kann bis zu 15 Monate dauern, ehe ein Unternehmen die Stelle mit einem Asylanten besetzen kann. Giersch: „Das ist unangemessen und entspricht nicht (mehr) der deutschen Arbeitsmarktrealität. Die Vorrangprüfung sollte deshalb ersatzlos gestrichen werden.“

Ganz wichtig ist aus unserer Sicht zudem, dass die Unternehmen bei der Einstellung von Flüchtlingen genügend Planungssicherheit erhalten. Deshalb sollten geduldete Jugendliche, über deren Asylantrag noch nicht endgültig entschieden wurde, in der dreijährigen Ausbildung und den beiden Folgejahren nicht abgeschoben werden. Dr. Weber: „Eine solche Praxis wäre für alle gut – für die Unternehmen und die Integrationsperspektive der Jugendlichen.“

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