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Pressemitteilung BoxID: 829962 (IHO Industrieverband Hygiene und Oberflächenschutz für industrielle und institutionelle Anwendung)
  • IHO Industrieverband Hygiene und Oberflächenschutz für industrielle und institutionelle Anwendung
  • Mainzer Landstr. 55
  • 60329 Frankfurt
  • http://www.iho.de
  • Ansprechpartner
  • Eric Buhse

Industrie warnt vor Produktwegfall und erhöhten Kosten

EU-Studie lässt Negativeffekte der Chemie-Gesetzgebung auf Verfügbarkeit von Spezialprodukten befürchten

(PresseBox) (Frankfurt, ) Trotz der zahlreichen Vorteile die eine einheitliche europäische Gesetzgebung mit sich bringt, bedroht sie die derzeitige Produktpalette von Reinigungs-, Wasch- und Desinfektionsmitteln. Wie eine Studie der Europäischen Kommission belegt, gefährden insbesondere die durch die Biozidprodukte-Verordnung entstehenden Kosten die Reinigungsindustrie. Und das hat Konsequenzen für alle Beteiligten, von Rohstoffhersteller bis Anwender.

Fatale Folgen für die Branche

Registrierungs- und Zulassungsgebühren für Reinigungs- und Desinfektionsmittel sowie deren Wirkstoffe ziehen hinsichtlich der Verfügbarkeit von Produkten enorme Auswirkungen nach sich. „Es droht eine Eindampfung der Produktpalette. Aufgrund eines zu befürchtenden starken Wegfalls von Spezialprodukten, muss angenommen werden, dass bald nicht mehr auf individuelle Anforderungen der Kundenbetriebe reagiert werden kann“, so Alfred Stöhr, Vorstandsvorsitzender des Industrieverbands Hygiene und Oberflächenschutz (IHO), im Rahmen eines Pressegesprächs in Frankfurt. Insbesondere hinsichtlich der Herstellung oder Entwicklung von Produkten für seltene und sehr spezifische Anwendungen sind die derzeitigen Gesetzesfolgekosten für Hersteller weder tragbar noch sinnvoll. IHO-Geschäftsführer Dr. Heiko Faubel führte diesbezüglich aus: „Die aktuelle Situation um die Biozidprodukte-Verordnung könnte schlimmstenfalls dafür sorgen, dass diese Produkte einfach vom Markt verschwinden, was fatale Folgen für die Branche hätte.“

Gebäudedienstleister stehen bereits wirtschaftlich unter Druck. Darüber hinaus wird ein Prozess angestoßen, an dessen Ende es nur noch Verlierer gibt: sehr spezielle aber durchaus wichtige Wirkstoffe drohen aus dem Angebot zu verschwinden, kleinere Hersteller geben den Geschäftsbereich auf und der Wettbewerb konzentriert sich zunehmend auf wenige und wirkstoffgleiche Produkte. Innovation findet auf diese Weise nicht mehr statt. Dabei ist die Branche auf Innovation angewiesen, denn diese verbessert Produktqualität und sorgt somit für einen gesteigerten Werterhalt.

Wo liegen die Probleme?

In den Bereichen Gesundheitswesen, Lebensmittelindustrie, Gastronomie, Gebäudedienstleistungen, Wäschereiindustrie, Metallindustrie sind Reinigungs-, Wasch- und Desinfektionsmittel wichtige Faktoren der Arbeitsprozesse. Doch die Kos-ten aus Rechtsvorgaben werden derzeit vorwiegend nur den Herstellern dieser Produkte aufgebürdet. Insbesondere kleine und mittelständische Produzenten dieser Produkte stellen die hohen Folgekosten aus Rechtsvorgaben vor große Probleme. Für bestehende und neue Produkte müssen im Rahmen der europäischen Gesetzgebung extrem aufwändige Dossiers erstellt werden, die einen Aufwand von 200.000 bis zu 500.000 Euro je Wirkstoff bedeuten. Zusätzlich muss jedes einzelne Produkt in jedem Verkaufsland mit zusätzlichen Gebühren angemeldet werden. „Je kleiner das Unternehmen beziehungsweise je spezieller das Produkt, umso dramatischer die Auswirkung. Diese Firmen können angesichts dieser Ausmaße kaum innovativ bleiben oder Spezialprodukte im Portfolio behalten“, beschreibt Alfred Stöhr die Situation.

Gefahr für den Menschen

Es gibt also Wirkstoffe, die angesichts dieser Sachlage zwangsweise aus dem Fokus fallen werden. Das Dilemma dabei: Die Hersteller der Reinigungs-, Wasch- und Desinfektionsmittel sind stets darum bemüht für ihre Kunden anwendungsspezifische, spezialisierte und individualisierte Lösungen zu entwickeln. Betrieben die genau darauf angewiesen sind, drohen nun jedoch Preiserhöhungen und ein Wegfall wichtiger Spezialprodukte.

Im Vordergrund der EU-Chemikaliengesetzgebung stehen mit dem Schutz der Anwender und der Umwelt zwei Aspekte gleichermaßen. Doch bei Reinigungs- und Desinfektionsmitteln muss eine mögliche Umweltbelastung gegenüber dem Schutz des Menschen zurückgestellt werden. Durch mangelnde Hygiene aufgrund fehlender Desinfektionsmittel entsteht eben eine solche Gefahr für den Menschen. Daher ist hier eine klare Differenzierung zu anderen Produkten mit Biozidwirkstoffen, etwa Düngemitteln oder Mittel zur Schädlingsbekämpfung, notwendig. „Niemandem kann daran gelegen sein, dass weitere Wirkstoffe und Produkte vom Markt verschwinden. Betrieben müssen angemessene Lösungen für spezifische Problemfälle zur Verfügung stehen“, so Dr. Heiko Faubel.

IHO Industrieverband Hygiene und Oberflächenschutz für industrielle und institutionelle Anwendung

Der IHO mit Sitz in Frankfurt am Main vertritt die wirtschaftlichen und politischen Interessen der Hersteller von Reinigungs- und Desinfektionsmitteln für den Großverbrauch in Deutschland. Zu den Geschäftsfeldern der 55 Mitgliedsunternehmen gehören Gesundheitswesen, Lebensmittelindustrie, Gastronomie- und Hotelgewerbe, Metallindustrie, Gebäudereinigung und Wäschereiindustrie. Die professionelle Wasch- und Reinigungsindustrie setzte 2015 in Deutschland etwa 1 Milliarde Euro um und beschäftigte über 6.000 Mitarbeiter. Die zumeist kleinen und mittelständischen weisen eine überdurchschnittliche Forschungs- und Innovationsquote auf.