Wirtschaftstransferbeauftragte gehen an den Start

(PresseBox) ( Schwerin, )
Die Wirtschaftskammern und Hochschulen des Landes sind sich einig: Die Wirtschaftskraft Mecklenburg-Vorpommerns kann nur mit Unternehmen gesteigert werden, die durch Forschung und Entwicklung (FuE) innovative, international wettbewerbsfähige Produkte und Dienstleistungen auf dem Markt anbieten können. Hierzu müssen die Potenziale der regionalen Wissenschaft genutzt und Kooperationen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft im Land intensiviert werden. Diesen Prozess wollen sie gemeinsam unterstützen.

Bundesweit wohl einmalig haben sich im vergangenen Jahr alle Industrie- und Handelskammern, die beiden Handwerkskammern sowie alle Hochschulen und wirtschaftsnahen außeruniversitären Forschungseinrichtungen des Landes Mecklenburg-Vorpommern mit dem Wirtschaftsministerium und dem Bildungsministerium im Technologie- und Innovationskreis Wirtschaft/Wissenschaft zusammengeschlossen, um die Technologieoffensive M-V zu starten. Erstes Ergebnis: Im Verbund aller Wirtschaftskammern mit den Hochschulen gehen im Frühjahr 2011 landesweit fünf Wirtschaftstransferbeauftragte an den Start. Gemeinsames Ziel ist der Ausbau des Techno-logietransfers zwischen Wissenschaft und Wirtschaft.

"Der neu geschaffene Wirtschaftstransferbeauftragte ist sozusagen die regionale Schaltstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft im Land. Er soll jeweils die Zusammenarbeit in fünf spezifisch technologieorientierten Netzwerken zwischen Unternehmen aus MV und der jeweiligen Hochschule organisieren und koordinieren", sagte Wirtschaftsminister Jürgen Seidel. Thematisch sind sie wie folgt ausgerichtet: Netzwerk für Biotechnologie und Medizintechnik, Netzwerk für maritime Technologien, Netzwerk für Lebensmitteltechnologie, Netzwerk für Informations-/Kommunikationstechnologien und Energietechnologie sowie Netzwerk für Erneuerbare Energien und Umwelttechnik.

Die fünf Wirtschaftstransferbeauftragten arbeiten abwechselnd in den Hochschulen und in den Kammern. Sie sind sowohl für die Unternehmen als auch für die Forschung der direkte Ansprechpartner, wenn es darum geht, den richtigen Partner für ein Forschungsprojekt zu finden.

Mit der seit 2007 vom Wirtschaftsministerium betriebenen Neuausrichtung der Unterstützung von Forschung, Entwicklung und Innovation werden bereits wesentlich mehr Forschungsprojekte zwischen Unternehmen und Hochschulen umgesetzt. So sind zwischen 2007 bis 2010 insgesamt 91,2 Millionen Euro für 516 Forschungsprojekte und 11 Netzwerkvorhaben bewilligt worden. Dennoch gibt es in diesem Bereich in Mecklenburg-Vorpommern noch Nachholbedarf. Um langfristig wettbewerbsfähig sein zu können, ist ein deutlicher Ausbau erforderlich. Dies zeigt sich unter anderem bei den Ausgaben für FuE im Vergleich mit anderen Ländern. Die EU hat als Ziel formuliert, 3 Prozent vom BIP (Brutto-Inlands-Produkt) für FuE auszugeben. Deutschlandweit sind es 2,67 Prozent, in Mecklenburg-Vorpommern sind es nur 1,46 Prozent.

Lars Bosse, Hauptgeschäftsführer der geschäftsführenden IHK der Landesarbeitsgemeinschaft der Industrie- und Handelskammern des Landes Mecklenburg-Vorpommern, schätzt ein: "Die Gründe dafür sind vielfältig: Zu hartes Tagesgeschäft und daher zu wenig Zeit, zu wenig FuE-Personal, fehlendes Eigenkapital und damit fehlende Finanzierungsmöglichkeiten, um nur die wichtigsten Argumente zu nennen." Die Forschungseinrichtungen des Landes finden in der regionalen Wirtschaft zum Teil nicht die Partner, mit denen Forschungsprojekte realisiert werden können. Auch das hat Gründe, wie Unternehmensgröße, Projektumfang und Realisierungszeitraum von Projekten oder auch das Fehlen passender Branchen. Zuweilen sind Gründe noch profaner: Man kennt sich nicht. Und nicht zuletzt: Innerhalb der Hochschulen gilt der Grundsatz der Freiheit von Forschung und Lehre. Aus Wissen Geld zu machen ist nicht zentraler Bestandteil des Lehrplanes. Umgekehrt kann es sich MV künftig nicht mehr leisten, aus Geld "nur" Wissen zu machen. Forschungsergebnisse müssen dazu beitragen, künftig mehr Einnahmen zu erzielen. Hier ist die Forschung gefordert, sich verstärkt den Themen der regionalen Wirtschaft zu öffnen und mit dieser Lösungen zu erarbeiten.

Edgar Hummelsheim, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der Handwerkskammern Mecklenburg-Vorpommern: "Aus unserer langjährigen Technologietransfer-Praxis kennen wir das große Innovations- und Entwicklungspotenzial des Handwerks. Mit den Wirtschaftstransferbeauftragten können wir dieses Potenzial systematisch erschließen und geben den Betrieben damit bessere Möglichkeiten, aus guten Ideen marktreife Produkte oder verbesserte Verfahren zu machen. Darüber hinaus wird die Wissenschaft vom unmittelbaren Praxisbezug des Handwerks profitieren, um ihre Forschung besser auf die Bedürfnisse der Wirtschaft auszurichten."

Seitens der Hochschulen stehen die Signale auf grün. "Die Hochschulen des Landes sind national und international anerkannte Einrichtungen der Forschung und Lehre. Sie bieten hochqualifizierte Absolventen und exzellente wissenschaftliche Expertise. An beidem besteht bei den Unternehmen des Landes großer Bedarf. Das Netzwerk der Wirtschaftstransferbeauftragten ist ein erfolgversprechender Weg, diese Bedürfnisse der Wirtschaft zu erfassen und in die Hochschulen zu tragen", so Prof. Dr. Rainer Westermann, Rektor der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald und Vorsitzender der Landesrektorenkonferenz.

Der Technologie- und Innovationskreis Wirtschaft/Wissenschaft unter Federführung des Wirtschaftsministeriums diskutiert dafür notwendige Maßnahmen und Rahmenbedingungen mit den Wirtschaftskammern, Hochschulen und wirtschaftsnahen außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Es liegt nun an den Unternehmen und den Hochschulen sowie Forschungseinrichtungen, das neue Angebot der Wirtschaftstransferbeauftragten anzunehmen. Die Wirtschaftstransferbeauftragten werden sowohl durch die Wirtschaftskammern und Hochschulen als auch durch eine anteilige Förderung des Wirtschaftsministeriums aus EU-Mitteln finanziert.
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