Vorausschauend Nachfolge sichern: Wie sich ein Familienbetrieb neu aufstellt

Betriebsbesuch
(PresseBox) ( Großwoltersdorf/Potsdam, )
Einen Handwerksbetrieb in Familientradition weiter zu führen, ist heute nicht mehr selbstverständlich. Die Tischlerei von Familie Müller in Großwoltersdorf erzählt eine solche Geschichte. Ihre Profession ist der individuelle Möbelbau. Die Tischlerei existiert in dritter Generation. Neun Mitarbeiter zählt sie heute und steht als Musterbeispiel für eine vorausschauend geplante Unternehmensnachfolge. Am heutigen Mittwoch tauschten sich Kammerpräsident Robert Wüst und Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach im Rahmen eines virtuellen Betriebsbesuches über die Herausforderungen aus.

Der Anfang für die Familientischlerei gestaltete sich alles andere als leicht. Großvater Günter gründete die Bau- und Möbeltischlerei erst im Jahr 1990, nachdem es ihm zu DDR-Zeiten versagt blieb, sich selbstständig zu machen. Da war er schon 61 und führte den Betrieb noch 8 Jahre, ehe er ihn in die Hände seines Sohnes Wolfram legte. Mit 32 hatte der 1998 gerade seinen Meisterabschluss in der Tasche und war fortan auf sich allein gestellt. Für seine Kinder war die Werkstatt immer auch ihr Spielplatz. Mit Holz wuchsen sie auf, Holz war das Spielzeug Nr. 1.

Heute ist der Seniorchef 54, die Söhne Philipp und Markus jenseits der 20 und beide ebenfalls Tischler. Ehefrau und Schwester unterstützen im Büro. Während Markus zunächst Forstwirt erlernte und sich erst im zweiten Ausbildungsweg für den Tischlerberuf entschied, ging Philipp den geraden Weg und ist mit 24 bereits Tischlermeister. Nun stellt Vater Wolfram sein Unternehmen für die Zukunft neu auf: gemeinsam mit seinen beiden Söhnen. Diesen Weg schlug er so früh ein, weil er das Engagement seiner beiden Jungs im Betrieb würdigen wollte. Unterstützung und Hilfe suchte die Handwerkerfamilie bei den Betriebsberatern der Handwerkskammer Potsdam. Sie begleiten den Prozess der Übergabe bis heute.

„Unser erstes Gespräch fand vor anderthalb Jahren statt. Wir hatten sofort ein gutes Gefühl, wussten, wir haben die richtigen Partner an unserer Seite. Unser Fahrplan, wie es in den kommenden Monaten weitergehen würde, stand“, erinnert sich Senior Wolfram. Er gibt seinen Berufskollegen den Rat, sich für diesen Prozess unbedingt Hilfe zu holen. „Ohne Zweifel ist es aufregend. Es ist eine Zeit des Umbruchs. Neue Strukturen entstehen, es braucht viel Geduld und viele Gespräche auf beiden Seiten. Zwei bis drei Jahre dauert es, bis alles wieder in ruhigeres Fahrwasser kommt. Es ist kein einfacher, aber ein lohnenswerter Prozess. Umso wichtiger ist es, einen Partner wie die Handwerkskammer an der Seite zu haben, der auch bei der Überwindung von bürokratischen Hürden hilft.“

Sohn Philipp, der künftig als Geschäftsführer fungiert und sich gemeinsam mit seinem Bruder noch einige Jahre auf die beratende Mitarbeit seines Vaters in Büro und Werkstatt verlassen kann, blickt als einer der Übernehmenden ähnlich auf den Prozess. „Wichtig ist ja zuallererst, dass man das gemeinsame Interesse auslotet, die Firma weiterzuführen. Mein Bruder und ich übernehmen gern Verantwortung, das war die Basis.“ Dass die Unternehmensnachfolge in der Familientischlerei so früh geregelt wurde, sehen die beiden Brüder als Riesenvorteil: „Wir werden noch einige Jahre von unseren Eltern begleitet. Das vermittelt Sicherheit, gerade jetzt, wo wir den Betrieb auch technologisch aufrüsten. Wären wir da völlig auf uns allein gestellt, wären die Sorgen vielleicht größer“. Und sie sind stolz auf das Vertrauen, das ihnen ihr Vater entgegenbringt. Jeder der drei hat seinen eigenen Arbeits- und damit auch Verantwortungs-bereich, auch entsprechend seiner Vorlieben. Dennoch sei man flexibel, auch zeitlich. Das werten alle als Vorteil in einem Familienbetrieb. Dabei betont Tischlermeister Wolfram als der Ältere, wie wichtig es sei, die junge Generation auch machen zu lassen und rät älteren Geschäftsführern: „Man muss vertrauen! An seinem Sessel zu kleben, bis es nicht mehr funktioniert, geht schief. Und mit Sturheit kommt man auch nicht weiter.“

Doch nicht nur die betriebswirtschaftliche Begleitung durch die Handwerkskammer schätzen die drei Tischler. Als Stipendiat der Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung gGmbH betreute die Handwerkskammer 2016 den damals 21-jährigen Tischlergesellen Philipp bei der finanziellen Vorbereitung der Meisterausbildung. „Hätte es dieses Stipendium nicht gegeben, hätte ich mit der Meisterausbildung nicht unmittelbar anfangen können.“ Wie sein Vater absolvierte er die Meisterausbildung über einen Zeitraum von zwei Jahren nebenberuflich im Zentrum für Gewerbeförderung in Götz. Seine Meisterklasse, so erinnert er sich, bestand zu Dreivierteln aus Meisterschülern, deren Perspektive ebenfalls in der Unternehmensnachfolge lag.

Heute ist Philipp einer der ersten Antragsteller der neuen Meistergründungs-prämie, die das Land Brandenburg gewährt. Mit der Meistergründungsprämie setzt die Politik einen finanziellen Anreiz, ein eigenes Unternehmen zu gründen oder einen bestehenden Betrieb zu übernehmen. Maximal 19.000 Euro stehen hier in Aussicht. Mit diesem Geld will Philipp mit seinem Bruder nach der Bewilligung durchstarten – in der neuen Konstellation als WMP Tischlerei & Möbelbau GmbH & Co. KG, mit neuer Verantwortung und vielen Hoffnungen auf beiden Seiten. Und diese werden sich sicher erfüllen.

Robert Wüst, Präsident der Handwerkskammer Potsdam lobt den Betrieb als Vorbild für all jene, die sich in den kommenden Jahren mit der Nachfolgeproblematik auseinandersetzen müssen: „Die Tischlerei hat alles richtig gemacht. Senior und Junioren nutzen die Hilfsinstrumente, die wir als Handwerkskammer, aber auch das Land bieten. Sie haben sich begleiten lassen. Wie groß der Bedarf nach Unternehmensnachfolgern und Gründern in den kommenden Jahren ist, zeigen auch unsere aktuellen Zahlen: In rund 4.300 Betrieben unseres Kammerbezirks sind Inhaberinnen und Inhaber 56 Jahre und älter. Das sind 25 Prozent unserer Mitgliedsbetriebe, die sich mit dem Thema Unternehmensfortführung und –übergabe beschäftigen und auf der Suche nach Nachfolgern sind. An der Spitze liegen dabei die Landkreise Ostprignitz-Ruppin und Prignitz. Schaut man auf die Gewerke, sind der Elektro- und Metallbereich sowie die Nahrungsmittelgewerke dabei besonders betroffen, Gewerke, die gerade in ländlichen Regionen wesentlich zur Daseinsvorsorge beitragen und wichtige sozialökonomische Aufgaben erfüllen. Das Thema brennt also auf den Nägeln. Ich möchte deshalb junge Meisterinnen und Meister ermuntern, sich mutig auf die Reise des Unternehmers oder der Unternehmerin zu begeben.“
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