Geldanlage für Kinder und Enkel
Geld für Kinder und Enkel anzulegen, ist eine wunderbare Idee – und gleichzeitig ein Projekt, bei dem Herz, Verstand, Steuern und Recht zusammenkommen müssen.
Dieser Beitrag gibt Ihnen einen strukturierten Überblick, damit Sie als Eltern und Großeltern gute, bewusste Entscheidungen treffen können – fachlich solide, menschlich stimmig.
1. Bevor Sie ein Produkt wählen: Wofür soll das Geld eigentlich da sein?
Bevor es um Tagesgeld, ETF oder Juniordepot geht, beantworten Sie eine einfache, aber entscheidende Frage:
Wofür genau legen wir Geld für das Kind an – und wann soll es verfügbar sein?
Typische Ziele:
- Starthilfe ins Erwachsenenleben
- z. B. Führerschein, erste Wohnung, erste Kaution, Auslandsaufenthalt, Studienstart
- Zeithorizont: oft 10–20 Jahre
- Langfristige „Altersvorfreude“
jetzt Geld anlegen für in 50-60 Jahren
- Erlebnisse & Entwicklung in der Kindheit
- z. B. Musikunterricht, Sprachreisen, Sportförderung
- Zeithorizont: 5–8 Jahre
2. Rechtliche Grundlagen: Wem gehört das Geld – und wer darf entscheiden?
2.1 Juniordepot oder Konto auf den Namen des Kindes
Ein Kinder- oder Juniordepot läuft auf den Namen des Kindes; eröffnen dürfen es nur die Sorgeberechtigten. (ZDFheute)
Wichtige Punkte:
- Rechtlich gehört das Geld dem Kind.
Das bestätigt u. a. Stiftung Warentest: Geld, das auf den Namen des Kindes angelegt ist, gehört dem Kind; Eltern verwalten es nur treuhänderisch. (Stiftung Warentest) - Eltern dürfen das Geld nicht für eigene Zwecke nutzen, auch nicht in einer persönlichen Notlage.
- Mit 18 erhält das Kind die volle Verfügung – dann kann es mit Depot oder Konto selbst entscheiden, inklusive Verkauf von Wertpapieren. (Finanztip)
2.2 Depot / Konto auf den Namen der Eltern
Die Alternative: Sie sparen auf einen eigenen Namen und „etikettieren“ gedanklich einen Teil als „Geld fürs Kind“.
- Rechtlich bleibt das Ihr Vermögen.
- Steuerlich werden alle Erträge Ihnen zugerechnet, inklusive Abgeltungsteuer.
- Sie behalten die volle Kontrolle – auch über den Zeitpunkt der Schenkung.
- Gleichzeitig kann dieses Vermögen später z. B. im Pflegefall, bei Unterhaltsprüfungen oder im Erbfall anders behandelt werden, als Sie sich wünschen. (Finanztip)
2.3 Schenkungsteuer: Freibeträge für Kinder und Enkel
Bei größeren Beträgen spielt die Schenkungsteuer eine Rolle. In Deutschland gelten aktuell je 10 Jahre folgende Freibeträge: (Finanzamt NRW)
- Kinder: 400.000 € pro Elternteil
- Enkelkinder: 200.000 € pro Großelternteil (wenn die eigenen Eltern noch leben)
3. Steuern clever nutzen: Freibeträge des Kindes
3.1 Sparer-Pauschbetrag & Grundfreibetrag
Für Kinder gelten grundsätzlich dieselben Regeln wie für Erwachsene:
- Sparer-Pauschbetrag: 1.000 € pro Jahr und Person
- Grundfreibetrag bei der Einkommensteuer: aktuell 12.096 € (2025) pro Jahr (Finanzfluss)
Die Praxis:
- Bis 1.000 € Kapitalerträge pro Jahr reicht ein Freistellungsauftrag auf den Namen des Kindes. (Finanzfluss)
- Liegen die Gesamteinkünfte (inkl. Kapitalerträge) des Kindes unter dem Grundfreibetrag, kann eine Nichtveranlagungsbescheinigung (NV-Bescheinigung) beim Finanzamt beantragt und beim Broker hinterlegt werden. Dann werden auch höhere Kapitalerträge zunächst ohne Abzug der Abgeltungsteuer ausgezahlt. (Finanzfluss)
3.2 Blick auf BAföG & Familienversicherung
Mit zunehmendem Vermögen entstehen neue Fragen:
- BAföG: Finanztip weist darauf hin, dass beim BAföG ein Vermögensfreibetrag gilt (derzeit 15.000 € für unter 30-Jährige). Was darüber hinausgeht, wird auf den Förderbedarf angerechnet. (Finanztip)
- Gesetzliche Familienversicherung:
- In der GKV gilt eine Einkommensgrenze; überschreitet ein Kind diese (z. B. durch hohe Kapitalerträge), kann die beitragsfreie Familienversicherung entfallen. (Finanztip)
4. Welche Anlageformen passen wirklich zu Kindern?
Einfach, kostengünstig, verständlich – so sollte die Geldanlage für Kinder sein. (Verbraucherzentrale.de)
4.1 Kurzfristige Ziele: Tagesgeld und Kinderkonto
Für Ziele in den nächsten 5–8 Jahren (Fahrrad, Führerschein, größere Geschenke) eignen sich vor allem:
- Tagesgeld- oder Festgeldkonten auf den Namen des Kindes
- ggf. ergänzend ein Kinder-Girokonto für den Alltag (Taschengeld)
- flexibel verfügbar
- Einlagen sind aktuell bis 100.000 € pro Bank(enverbund) abgesichert
- Zinsangebote oft besser als beim klassischen Sparbuch (Verbraucherzentrale.de)
Für Zeiträume von 10, 15 oder 20 Jahren und länger empfehlen Verbraucherzentrale, Finanzfluss, Finanztip und Finanzwissen:
- weltweit gestreute Aktien-ETFs, z. B. auf Indizes wie MSCI World, MSCI ACWI oder FTSE All-World
- idealerweise über einen ETF-Sparplan in einem Kinderdepot (Verbraucherzentrale.de)
- historisch höhere Renditen als Sparbuch/Tagesgeld bei langen Laufzeiten
- sehr breite Risikostreuung über Tausende Unternehmen weltweit
- niedrige laufende Kosten gegenüber aktiv gemanagten Fonds
4.3 Wovon viele Ratgeber abraten
Verbraucherzentrale und Finanztip warnen vor komplexen, teuren Produkten, die gerne „für Kinder“ verkauft werden:
(Verbraucherzentrale.de)
- Ausbildungsversicherungen / Kinderpolicen
- kapitalbildende Lebensversicherungen mit hohem Kostenblock
- komplizierte Kombiprodukte mit intransparenten Gebühren
5. In fünf Schritten zur passenden Geldanlage-Struktur
Schritt 1 – Ziel und Zeithorizont klären
- Wofür sparen sparen wir?
- A: Starthilfe Ausbildung / Familiengründung in 10–20 Jahren
- B: Langfristige Altersvorfreude in 50-60 Jahren
- C: Größere Anschaffungen/Förderung in 5–8 Jahren
- Entscheidung:
- Bei A/B → Kombination aus niedrigen-mittleren-hohen Risiko entsprechend der finanzielle Risikobereitschaft der Familie
- Bei C → eher Tagesgeld/Festgeld / kurzfristige Anlagen
- Frage:
Sollen Kind bzw. Enkel das Geld rechtlich schon jetzt bekommen?
- Ja →
- Konto oder Juniordepot auf den Namen des Kindes
- Schenkung dokumentieren (Verwendungszweck, ggf. Vertrag) - Nein →
- Sparen auf eigenes Depot/Konto
- Später geplante Schenkung (Zeitpunkt und Höhe bewusst planen)
Bei Geld auf den Namen des Kindes:
- Nutzen wir den Sparer-Pauschbetrag (1.000 €) und ggf. den Grundfreibetrag bewusst aus (Freistellungsauftrag, NV-Bescheinigung)?
- Könnten hohe Kapitalerträge Auswirkungen auf
- die Familienversicherung in der GKV oder
- späteres BAföG haben?
- Sind wir bereit, die Erträge voll über unsere eigene Steuerlast zu tragen?
- Wie wirkt sich das Vermögen im Fall von Pflege, Unterhalt oder Erbschaft aus?
- Wie viel Wertschwankung halten Eltern und Großeltern emotional aus?
- Wie groß ist die Bereitschaft, auch in Krisenzeiten investiert zu bleiben?
- Welcher Aktienanteil (z. B. 60–100 %) passt angesichts des (langen) Anlagehorizonts?
Schritt 5 – Verantwortlichkeiten und Kommunikation
- Wer zahlt wie viel ein (Eltern, Großeltern, Paten)?
- Wer ist für Einzahlungen und Anpassungen zuständig?
- Wie und ab welchem Alter wird das Kind einbezogen?
- Wann sprechen wir als Familie wieder über die Geldanlage (z. B. jährliche „Finanz-Familienkonferenz“)?
Finanzentscheidungen in Familien sind nie nur „Zahlenfragen“. Es geht um Sicherheit, Gerechtigkeit, Freiheit, Zukunftsängste – und oft auch um unterschiedliche Risikowahrnehmung zwischen Eltern, Großeltern und (später) den Kindern.
Hier kann ein psychometrisches Risikoprofiling wie FinaMetrica sehr hilfreich sein:
- FinaMetrica ist ein wissenschaftlich entwickeltes, psychometrisches Tool zur Messung der Risikotoleranz, das weltweit seit vielen Jahren eingesetzt wird.
- Über einen standardisierten Fragebogen wird sichtbar, wie viel Risiko jemand innerlich “tragen” kann und will – unabhängig von aktuellem Marktgeschehen oder kurzfristigen Emotionen.
- Die Methodik ist transparent, empirisch validiert und erfüllt die regulatorischen Anforderungen in Europa.
- die Großeltern eher unerfahren oder risikoscheuer sind,
- die Eltern bereits Aktienanlage-erfahren und risikobereiter sind,
- und das Kind später eigene Vorstellungen haben wird,
7. FCM Familienkonferenz: Ein Raum für gute Geldentscheidungen
Aus dieser Mischung aus Fakten, Emotionen und Familienrollen entsteht der Bedarf nach einem Rahmen, in dem alle Beteiligten gemeinsam auf das Thema schauen können – ohne (Verkaufs)druck, mit Zeit für Fragen und Gefühle.
Genau hier setzt die FCM Familienkonferenz als Coaching-Format an:
- Eltern, Großeltern (und je nach Alter auch die Jugendlichen) kommen an einen Tisch.
- Gemeinsam werden Ziele, Prioritäten und Spielregeln für die Geldanlage des Kindes erarbeitet:
- Wofür ist das Geld gedacht – und wofür ausdrücklich nicht?
- Wie viel Eigenständigkeit wünschen wir uns mit 18, 21, 25?
- Wie verteilen wir Rollen und Verantwortlichkeiten? - Die Ergebnisse verbinden wir mit einem klaren fachlichen Rahmen:
- steuerliche & rechtliche Eckpunkte (Steuerberater kann einbezogen werden),
- FinaMetrica-Risikoprofile aller relevanten Entscheidungsträger
- daraus ergibt sich die passende Vermögensanlagestruktur der Depots
- und jetzt entscheiden Sie selbst oder übergeben die Produktauswahl an einen Vermögensverwalter.
8. Fazit: Die wichtigsten Fragen für Eltern & Großeltern
Wenn Sie Geld für Kinder und Enkel anlegen möchten, sind Sie schon auf einem sehr guten Weg. Die entscheidenden Fragen lauten:
- Ziel & Zeithorizont:
Wofür genau ist das Geld gedacht – und wann soll es zur Verfügung stehen? - Rechtliche Zuordnung:
Soll das Vermögen heute schon dem Kind gehören (Junior-Depot / Kinderkonto) oder zunächst bei Eltern/Großeltern bleiben? - Steuern & Sozialrecht:
Wie nutzen wir Sparer-Pauschbetrag und Grundfreibetrag des Kindes sinnvoll – und behalten BAföG sowie Familienversicherung im Blick? - Risikoprofil & Produktwahl:
Welches Maß an Schwankung fühlt sich für unsere Familie stimmig an – und wie übersetzen wir das – selbst oder mit einem Finanzberater/Vermögensverwalter - in eine Kombination aus Tagesgeld und weltweitdiversifizierende ETFs? - Familienkommunikation:
Wer ist beteiligt, wer entscheidet mit – und wann setzen wir uns wieder zusammen, um die Strategie zu überprüfen?