Verhandlungen in der Autoindustrie: Hauptsache günstig, auch zu Lasten der Qualität

Cover Ausgereizt rgb (PresseBox) ( Stuttgart, )
Vor knapp 40 Jahren gelang Ferdinand Piëch, Vorstand der VW AG, ein spektakulärer Schachzug: Er warb José Ignacio López de Arriortúa von Opel ab und verpflichtete ihn für den eigens für Lopez eingerichteten neuen Vorstandsbereich „Produktionsoptimierung und Beschaffung“ für VW. Damit begannen neue, noch härtere und rauere Zeiten in Bezug auf Art und Weise von Geschäftsgesprächen, nicht nur mit den Lieferanten. Aufgrund seines rigiden Verhandlungsverhaltens bekam Ignacio Lopez den Beinamen "Würger von Wolfsburg". Als Chefeinkäufer leitete er einen neuen Kurs im Beschaffungswesen ein, der die Zulieferer ohne Rücksicht auf eventuell gewachsene Geschäftskontakte erheblich unter Druck setzte. In der Folge litt darunter die Qualität teilweise gravierend. Das waren die Jahre, als die Karossen der VWs in relativ kurzer Zeit anfingen, stark zu rosten.

Mittlerweile ist Ignacio Lopez Geschichte. Was geblieben ist, ist der Ausdruck „Lopez-Effekt“, der schlicht für Schund steht. Jedoch lieferte Lopez die „Blaupause“ für Verhandlungen in der gesamten Autobranche. Viel zum Positiven verändert hat sich seitdem allerdings nicht. Im Gegenteil: Seminarteilnehmer und Zuhörer meiner Vorträge berichten immer wieder von denselben Tricks, nur die Taktiken haben sich seitdem verfeinert. Warum sollte sich auch etwas ändern, wenn die Tricks noch immer funktionieren? Und immer noch kommen neue Vorgehensweisen dazu - unterm Strich wird der Druck auf die Zulieferer immer weiter erhöht. So veröffentlichte die WirtschaftsWoche in der Januar-Ausgabe 2015 einen Bericht über die Methoden in der Automobilbranche mit dem Titel: „Krankes System - Ausbooten, austricksen, ausnehmen - noch nie waren die Methoden der Autokonzerne gegenüber kleinen und mittelgroßen Subunternehmern so brutal.“[1]

Eine neue Variante ist beispielsweise die „Mehrraumverhandlung", bei der sich die Teilnehmer gegenseitig unterbieten müssen. Die Autohersteller lassen regelmäßig Manager mittelständischer Zulieferer buchstäblich gegeneinander antreten, wenn die Konzerne Aufträge für ein neues Modell vergeben. Die ,,Mehrraumverhandlungen" sind eine gängige, aber längst nicht die einzige Strategie, mit der Autokonzerne mittelgroßen und kleinen Zulieferern den letzten Cent abpressen – und das mit zunehmender Schärfe.

Gerade innerhalb der Automobilbranche war die Einstellung „Hauptsache billig“ eine Zeit lang besonders weit verbreitet und ist es noch. Nicht nur vergleichsweise beiläufige Extras wie Fensterheber funktionierten nicht korrekt oder fielen aus, selbst wichtige, ja, lebenswichtige Ausrüstungsgegenstände ließen zu wünschen übrig. Ein Beispiel aus jüngerer Vergangenheit dafür ist der Airbag in Modellen eines anderen Herstellers. Dieses Sicherheitssystem wurde in zahlreiche Fahrzeuge mehrerer Autobauer eingesetzt und dabei qualitativ minderwertig hergestellt, mit tragischen Folgen für die Kunden. Die Airbags explodierten vereinzelt unkontrolliert während der Fahrt.

Vor diesem Hintergrund scheinen die Gedanken des ehemaligen Porschechefs Wendelin Wiedeking, die er 2008 in einem Buch niederschrieb, das Gegenstück zur herrschenden Verfahrensweise in der Automobilbranche zu sein. Er verweist darauf, dass Manager neben ihren betriebswirtschaftlichen Aufgaben auch die Pflicht haben, einen Beitrag zum Allgemeinwohl zu leisten.
  
[1]        WitschaftsWoche, Nr. 4, 19.01.2015, aus Unternehmen & Märkte „Krankes System“
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