Über zu definierende Werte, Sicherheitslücken, Know-how "Abgang", dicht zu haltenden Leitungen und Guanxi

datadirect in Freiburg und in Taicang

Freiburg, (PresseBox) - Datadirect Network Technology GmbH ist ein mittelständisches IT-Unternehmen aus Freiburg, das Security-Lösungen und VoIP Telefonanlagen in 27 Länder der Welt betreut.

Im März 2009 eröffnete das Unternehmen in Taicang eine Niederlassung.

Anfangs waren es ein deutscher und zwei chinesische Mitarbeiter. Gegenwärtig sind zehn chinesische Mitarbeiter und der Geschäftsführer der Niederlassung, Markus Wöhrle, am chinesischen Standort beschäftigt.

Die Leistungen der datadirect-Niederlassung in Taicang/Shanghai konzentrieren sich auf grenzüberschreitende Leitungs-/Bandbreiten-Optimierung, interne Netzwerksicherheiten und auf den Aufbau von VoIP- und Videokonferenz - Systemen.

Grundsatz: Einheitliche Security-Police.

Thomas Nieberle ist Gesellschafter und Geschäftsführer in Deutschland und Supervisor der datadirect Ltd. Taicang. Er fliegt fünfmal im Jahr nach China, d.h. in drei Jahren hat er fünfzehnmal den Standort aufgesucht, an dem sein Unternehmen mit völlig anderen Gegebenheiten zu tun hat.

Herr Nieberle, 9000 km Luftlinie von Freiburg bis Taicang, 6 h Zeitverschiebung. Wenn Sie morgens auf Ihrem Firmengelände in Deutschland einparken, ist in China bereits Nachmittag.

Wie sicher ist das für einen Mann, der mit Sicherheit zu tun hat und diese mit Nachdruck anderen Firmen ans Herz legt?

Wir haben in China unseren Prokuristen Markus Wöhrle als Geschäftsführer für China und ich bin als Supervisor lediglich als Unterstützung für den Aufbau und Weiterentwicklung der Niederlassung vor Ort. Ansonsten funktioniert die Niederlassung auch ohne mich. Wir sind ja auch durch Videokonferenzen eng verbunden.

Deutsche Firmen mit Niederlassungen in China beklagen mangelnden Schutz ihrer Interna.

Wie stellt sich für Sie die tägliche Unternehmenssituation in Taicang?

Sicherheit und Verfügbarkeit der IT ist das, was wir für unsere Kunden bieten. Die Planung der Vorgehensweise wird bereits im Vorfeld der Implementierung im deutschen Mutterhaus der Unternehmen vorgenommen. Danach muss die Sicherheitspolicy, die für das Gesamtunternehmen gilt, in der Niederlassung in China realisiert und deren Einhaltung ständig vor Ort kontrolliert werden. Wir arbeiten seit ca. 8 Jahren mit deutschen Unternehmen in China zusammen und haben in diesen Jahren viel gelernt und erarbeitet, was wir nun in neue Projekte einbringen.

Bei den Firmen, die einen Verlust, wir sagen Abgang, des Firmen Know-how registrieren, sind sehr oft Nichtvorhandensein oder Fehlinstallationen der Sicherheitsrichtlinien ein grassierender Grund der Sicherheitslücken. Wir haben die Erfahrungen gemacht, dass die chinesischen IT - Mitarbeiter nicht konsequent nach deutschen Vorgaben arbeiten bzw. diese nicht einhalten. Es wird immer der einfache oder für sie der pragmatischste Weg gegangen. Es ist zumeist gar keine Absicht, ein Sicherheitsleck zu schaffen. Die Sensibilität für dieses Thema ist nicht vorhanden. Daher muss auch das, was einmal installiert wurde immer Vorort kontrolliert werden.

Ein deutsches Unternehmen geht nach China und bietet Sicherheit für Netzwerke.

Wie haben Sie diese Botschaft vor drei Jahren bei den Behörden kommunizieren können?

Die chinesischen Investitionsbehörden -wie in Taicang- sind interessiert, ein Wirtschaftswachstum in der Zusammenarbeit mit deutschen Firmen zu erreichen. Deutsches Engagement muss China nützlich sein (können). Aber, was bringt ein IT-Security und IT - Infrastruktur Anbieter wie die datadirect dem Land China? Den Behörden war bewusst, dass viele deutsche Unternehmen Probleme mit ihrer chinesischen IT haben. Sei es die Anbindung nach Deutschland, die viel zu langsam ist und verbessert werden muss oder gutes IT Personal zu finden. Perfekt in Englisch und möglichst nach einem Jahr noch in der Firma.

Auch die Beschaffung der Hard- und Software der gleichen Hersteller wie in Deutschland ist eine Sorge, die die Unternehmen grundsätzlich haben. Die Behörden erkannten, was sie durch unsere Ansiedlung in Taicang an Mehrwert für deutsche Unternehmen haben werden und erhoffen sich auch dadurch, mehr deutsche Unternehmen nach Taicang werben zu können.

Die Zusammenarbeit mit den Behörden war und ist vorbildlich. Es wurde uns in der Gründung -und auch jetzt- immer geholfen. Wir hatten keine Berater in der Einstiegsphase; und ich würde dieses immer wieder so machen. Der Kontakt zu den Behörden wird durch uns direkt gehalten und dadurch waren wir in der ganzen Gründungsthematik viel näher am Thema. Dadurch haben wir erhebliche Kosten eingespart. Dieses Vertrauen ist nun die Basis einer wirklich guten Zusammenarbeit.

Die Niederlassung datadirect Co., Ltd bedient den Standort Asien. Welche Länder konkret?

Wir haben in Taicang/ Shanghai ein Network Operating Center (NOC) aufgebaut, das mit dem großen NOC in Freiburg zusammen arbeitet und Kunden in China, Korea, Japan, Thailand, Malaysia, Singapur und Indien rund um die Uhr überwacht und managed. Die Einsätze in diesen Ländern werden von Taicang aus realisiert. Der Standort Taicang ist noch immer im Ausbau. Wir denken auch über eine Erweiterung durch einen Standort in Beijing nach.

Wie zahlreich war und ist heute das deutsche Unternehmensumfeld an dieser von Ihnen fest gemachten Lokalität?

Taicang liegt am westlichen Ufer des Yangtz-Flusses, grenzt im Süden an Shanghai und im Westen an Suzhou. Taicang ist eine moderne Hafenstadt und hat ca. 600.000 Einwohner.

In Taicang sind derzeit 160 deutsche mittelständische Unternehmen ansässig. Wir haben von Taicang aus den Zugang zu den zwei Flughäfen von Shanghai, den in Hongqiao in 30 Minuten und den in Pudong in 75 Minuten, die uns die Tore zu Asien und der Welt öffnen. Auch einer der größten Schiffshäfen Chinas ist vor der Tür und für viele produzierende Firmen ein wichtiger Punkt zur Ansiedlung. In Taicang gibt es ein Ausbildungszentrum für Werkzeugmechaniker, Industrie- und Zerspanungsmechaniker nach deutschen Standards im dualen Ausbildungssystem.

Im Wesentlichen sind es produzierende Unternehmen wie Automobilzulieferer, Maschinenbau und Baumaterialien Produzenten.

Es geht immer um die Arbeit Ihrer Tochter für deutsche Tochter-Unternehmen in Asien? Oder arbeiten Sie auch für chinesische Unternehmen?

Nein, wir arbeiten fast ausschließlich für deutsche Unternehmen, weil wir in dieser Konstellation unseren Mehrwert als Bindeglied der deutschen Mutter und der Niederlassung in China optimal einbringen können. Wir versuchen, durch die sicheren Kommunikationswege, die wir herstellen auch Mehrwerte für die Unternehmen zu schaffen in dem sie auch verschlüsselte Telefonie und Videokommunikation erhalten. Da diese Kommunikationsmöglichkeit "Flat" zur Verfügung steht, erhöht es auch die Häufigkeit wie sie genutzt werden.

Es gibt in China ca. 7.000 deutsche Unternehmen, die adäquate IT - Probleme haben. Und das ist unser Potential. Wenn wir an diesen Schnittstellen unseren Service einzubringen können, haben wir einen guten Job gemacht.

Arbeiten chinesische Unternehmen für Sie?

Ja, wir arbeiten sehr eng mit der China - Telekom zusammen, mit Verkabelungsunternehmen sowie Distributoren für Hard - und Software. Wir importieren wenig, denn wir können durch unsere umfangreichen Lizenzen in China optimal kaufen. Man muss wissen, dass man -für alles, was man tut in China- zuerst immer eine Lizenz bei den Behörden beantragen muss.

Was sind Probleme eines deutschen Unternehmens in Taicang?

Das Hauptproblem in der IT stellt immer die sichere, kostengünstige und schnelle Verbindung nach Deutschland dar. Durch unsere enge Zusammenarbeit mit der China Telekom und durch die Unabhängigkeit von Internet - Providern insgesamt haben wir Kanäle nach Deutschland, die diese Kriterien optimal bedienen.

Ein weiteres Thema ist, soll das deutsche Unternehmen eine eigene IT vor Ort aufbauen? Rentiert sich das? Und wie arbeitet diese mit Deutschland zusammen?

Wir bieten den Firmen den Service, die IT in seiner Firma zu realisieren. Damit hat er für jedes Thema den richtigen Spezialisten. Bis hin zu den chinesischen IT- Ingenieuren, die in Deutschland studiert haben und nun für uns in Taicang arbeiten.

Wenn Sie Netzwerke sichern wollen, ist Wissen nötig. Wissen geht nur mit Verständigung. Wenn Sie auf Sekundärinformationen angewiesen sind, haben Sie Vertrauen. Wie sicher können Sie dann noch sein, wenn die Sprache zwischen Ihnen und dem Wissen steht?

Das Wissen, was wir dazu benötigen ist das Wissen, was wir in unserer Firmenzentrale in Freiburg schon lange haben und durch Schulungen über Videokonferenzen und vor Ort an unsere Mitarbeiter weiter geben. Unsere chinesischen Ingenieure, die in Deutschland studiert haben, sind auch immer wieder in Freiburg, um sich auf den neuesten Stand zu bringen. Da lassen wir nichts anbrennen.

Ist es effizient oder kulturlos, im Chinesischen Restaurant in Deutschland die Nr. 38 oder M 11 zu bestellen oder "Ich möchte bitte Lung-Feng mit Hummersaté, Gemüse und Grillsauce."? Oder ist es eine Art Light-Verständigung, die gleichfalls zum Ziel führen kann?

Da kann sich jeder ganz chinesisch verhalten und den für ihn pragmatischsten Weg wählen, den er mag. Leider ist ein China-Restaurant in Deutschland nicht mit dem abwechslungsreichen Essen, was man in China bekommt, zu vergleichen. Es ist alles sehr europäisch angepasst in Deutschland. Aber ich verstehe die Frage auch anders: Natürlich muss eine Kommunikation zwischen uns Deutschen, Europäer und unseren chinesischen Partnern immer auf den Punkt kommen. Ich nehme mal an, dass ich nie die chinesische Sprache beherrschen werde. Aber, ich muss es auch nicht. Auch Sprachen sind globalisiert und entwickeln sich. Und die Brücke ist und bleibt Englisch.

Wie sicher und autonom ist Ihre Niederlassung?

100%ig sicher gibt es nicht! Wir sind immer im Wettstreit mit Hackern, die Netze dicht zu halten. Unser Unternehmen in China ist autonom, aber es benötigt unsere Kontakte zu den Firmenzentralen und ständige Weiterbildungen. Wir bilden von Deutschland aus immer ein Backup des Network Operating Centers, damit wir in Notfällen immer auch selbst noch eingreifen können.

Wir haben auch schon Deutsche Behörden, die unsere Netze nutzen wollten, ablehnen müssen, weil diese von chinesischen Hackergruppen bevorzugt angegriffen werden. Wenn wir diese auf die gleichen Leitungen schalten würden, dann würde das für unsere mittelständischen Industriekunden eine Sicherheitsgefahr darstellen.

Haben Sie mit Wettbewerbs-Turbulenzen zu kämpfen?

Wenig, da es in China nicht viele IT - Unternehmen aus Deutschland gibt, die Security und Infrastruktur machen. Die vorhandenen sind Großunternehmen, die meist nur Ihresgleichen bedienen. Da muss das Auftragsvolumen schon bei 1 Million Euro liegen. Das ist natürlich bei mittelständischen Unternehmen höchst selten. Chinesische Unternehmen kennen deutsche Wünsche und Standards nicht und sind daher auch kein Wettbewerber.

Eine sehr große Anzahl deutscher Unternehmen kann sich der "Goldgräberstimmung" in China nicht entziehen. Oder wie würden Sie es bezeichnen?

China hat einen riesigen Binnenmarkt, in dem sehr viel Potential steckt. Daher ist die Stimmung gerechtfertigt. Deutsche Unternehmen und deren Produkte sind in China angesehen und begehrt. Ich bin auch sehr froh, dass Frau Merkel die deutsch-chinesische Zusammenarbeit so stark unterstützt. In China werden die deutsche Genauigkeit, Fleiß und Innovation sehr geschätzt und China möchte diese Tugenden auch in die chinesische Wirtschaft tragen.

Wer sind Ihre Sozialpartner?

Krankenversicherungsschutz gibt es auch in China, der grob zu zwei Drittel durch den Arbeitgeber und einem Drittel durch den Arbeitnehmer getragen wird.

Vereine gibt es in China nicht oder nur wenig. Jedoch gibt es eine Art chinesisches Sozialkapital, das die gesamte Kultur prägt, genannt "Guanxi". Damit sind persönliche Kontakte und Beziehungen gemeint, die auf dem Austausch von Geschenken, Essen und Gefälligkeiten beruhen. In diesem Umfeld wird auch Business verknüpft und gelebt.

In der Freizeit wird Sport gemacht oder man trifft sich gemeinsam zu Karaoke-Abenden. Was sehr stark ausgeprägt ist, ist der Familienverband, der viel stärker sich trägt als bei uns in Deutschland. Es ist auch wichtig als Inhaber eines Unternehmens, dass man Kontakte zu den Mitarbeitern pflegt, an kleine Geschenke aus Deutschland denkt oder mit den Mitarbeitern zum Essen geht. Wenn die Mitarbeiter in einem Unternehmen arbeiten, "das sich sehen lassen kann", sind sie stolz darauf und arbeiten gern für das Unternehmen.

Wie realisiert Ihre Niederlassung PR & Marketing in China?

Das machen wir nur über die AHK - Mitgliedschaft und der Teilnahme an Roundtable - Partnerschaften von Deutschen Unternehmen in China. Alles andere geht über Deutschland. Wobei wir unsere Neukunden meist über unsere Niederlassung in China gewinnen. Denn ein deutsches Unternehmen, z.B. aus Hamburg sucht seinen IT Partner meist im regionalen Umfeld von Hamburg. Freiburg wäre in diesem Fall sehr weit weg. Da wir aber einen erheblichen Mehrwert in Bezug auf China darstellen, kommen wir über China in das Geschäft und werden dann gefragt, ob wir solche Dienste auch für die Niederlassung in Italien oder Brasilien anbieten können.

Nach chinesischen Regeln ist eine Tochter-Ansiedlung nicht ohne lokalen Partner zu bewerkstelligen. Haben Sie einen chinesischen Partner?

Nein, wir haben keinen chinesischen Partner. Inzwischen kann ein in Deutschland etabliertes Unternehmen eine chinesische Limited gründen.

Bedeutet Sicherheit nicht auch Unterstellung, Argwohn?

Ich möchte in Deutschland niemandem etwas unterstellen, aber ich schließe mein Haus oder mein Auto ab. Alles andere ist grob fahrlässig und animiert Leute evt. zu Straftaten. Und das gilt auch für ein Unternehmen. Ich muss meine Werte definieren, mir dann überlegen wie sicher müssen sie geschützt werden. Zu viel Schutz kann auch den Arbeitsfluss hindern und dadurch nicht handhabbar sein oder von den Mitarbeitern nicht angenommen werden.

Passen Sie sich an oder bringen Sie sich ein?

Wir sind Gäste in China. Daher liegt es in der Natur der Sache, dass wir uns erst einmal angepasst haben. Wir sind aber so aufgewachsen, dass wir über alles nachdenken und es hinterfragen, was die Chinesen oft nicht gewohnt sind. Daher bekomme ich oftmals auf meine Fragen leider keine Antworten, was es mir schwer macht vieles zu verstehen. Die Kulturen sind sehr unterschiedlich und das Denken daher auch. Ich lerne immer dazu, aber ich bezweifle, dass ich jemals sagen kann:" Ich habe alles verstanden."

Bleibt es ein Tanz auf dem Vulkan?

Das ist ganz klar. Ja. China sitzt am längeren Hebel.

Die Erfahrung lehrt auch, dass Deutsche einer persönlichen Veränderung unterliegen. Kaum jemand möchte die asiatische Lebensmentalität missen. Wie lässt sich das eine mit dem anderen vereinbaren?

Ich habe schon sehr lange eine enge Beziehung zu Asien, denn ich habe vor über 20 Jahren Kinder in Thailand adoptiert. Die Welt wächst zusammen, alles ist miteinander verknüpft, was aber auch ein besseres Verstehen hervorbringt. Ich glaube fest daran, dass die gegenseitigen Abhängigkeiten auch gegenseitige Sicherheiten weltweit zur Folge haben werden.

Das Gespräch mit Thomas Nieberle führte Marlies Dyk

Diese Pressemitteilungen könnten Sie auch interessieren

News abonnieren

Mit dem Aboservice der PresseBox, erhalten Sie tagesaktuell und zu einer gewünschten Zeit, relevante Presseinformationen aus Themengebieten, die für Sie interessant sind. Für die Zusendung der gewünschten Pressemeldungen, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse ein.

Es ist ein Fehler aufgetreten!

Vielen Dank! Sie erhalten in Kürze eine Bestätigungsemail.


Ich möchte die kostenlose Pressemail abonnieren und habe die Bedingungen hierzu gelesen und akzeptiert.