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Pressemitteilung BoxID: 126906 (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie)
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Die wirtschaftliche Lage in der Bundesrepublik Deutschland im September 2007 [1]

(PresseBox) (Berlin, ) Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einem robusten Aufschwung. Dieser ist durch binnen- und außenwirtschaftliche Auftriebskräfte solide unterlegt. Durch die Turbulenzen an den Finanzmärkten und die jüngste Entwicklung von Eurokurs und Ölpreis haben sich die Risiken für die weitere Entwicklung zwar erhöht. Die Voraussetzungen dafür, ihre Auswirkungen zu verkraften, sind jedoch aufgrund der günstigen Gesamtkonstitution der deutschen Wirtschaft gegeben.

Das Wirtschaftswachstum der deutschen Volkswirtschaft hatte sich im ersten Halbjahr etwas verlangsamt. Zuletzt nahm das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal preis-, kalender- und saisonbereinigt [2] um +0,3 % zu. Die konjunkturelle Dynamik wurde damit allerdings etwas unterzeichnet, weil die Frühjahrsbelebung nach dem milden Winter entsprechend schwächer ausfiel als üblich.

Das robuste und regional breit angelegte weltwirtschaftliche Wachstum, der Verlauf des weitgehend spannungsfreien heimischen Aufschwungs sowie die vorliegenden Konjunkturindikatoren sprechen - auch angesichts der bisherigen Finanzmarktturbulenzen - für eine Fortsetzung des Aufschwungs in Deutschland. Seine Dynamik dürfte allerdings nicht ganz an die des durch Sondereffekte begünstigten Vorjahres heranreichen. Bislang ist für Deutschland nur von sehr begrenzten dämpfenden Effekten durch die Störungen an den Finanzmärkten auszugehen, solange es bei einer weichen Landung der US-Wirtschaft bleibt.

Der Aufwärtstrend der Erzeugung im Produzierenden Gewerbe setzte sich bis zuletzt fort, wenngleich sich das Expansionstempo etwas abschwächte. Im Juli blieb die Produktion im Produzierenden Gewerbe preis- und saisonbereinigt praktisch unverändert (+0,1 %), erhöhte sich aber im Dreimonatsvergleich [3] weiter um 0,9 %. Eine überdurchschnittliche Anzahl von Ferientagen dämpfte im Juli den Anstieg.

Die Industrieproduktion nahm im Juli um 0,2 % zu. Sie weist auch in der Tendenz weiter aufwärts (Zweimonatsvergleich [4] +0,7 %) und überschreitet den Vorjahresstand deutlich (+6,1 %). Die Auftragseingänge erweisen sich weiterhin als ausgesprochen lebhaft. Im Juli kam es allerdings nach dem starken Juni-Ergebnis zu dem erwarteten Rückpralleffekt (saisonbereinigt -7,1 %).

Die Nachfrageschwankungen wurden durch die Entwicklung der Großaufträge ausgelöst. In den aussagekräftigeren Zwei- und Dreimonatsvergleichen erhöhten sich die Auftragseingänge in der Industrie aber weiter (+2,8 % bzw. +3,2 %). Die stärkeren Nachfrageimpulse kamen aus dem Ausland (Zweimonatsvergleich: +5,1 %). Die Inlandsnachfrage erhöhte sich moderater (+0,5 %). Das ifo-Geschäftsklima im Verarbeitenden Gewerbe schwächte sich im August angesichts der Finanzmarktturbulenzen überraschend wenig ab. Insgesamt erscheinen die Aussichten für die Industrie damit weiter günstig.

Die Erzeugung im Bauhauptgewerbe erhöhte sich im Juli preis- und saisonbereinigt um 1,3 %. Die schwache Entwicklung der Bauproduktion der vorangegangenen Monate, die auch auf witterungsbedingte Verschiebungen und auf das Auslaufen von Sondereinflüssen zurückzuführen war, konnte damit aber nicht ausgeglichen werden (Dreimonatsvergleich -6,0 %). Die Auftragseingänge gingen im Juni saisonbereinigt erneut deutlich zurück (-6,1 %) und tendieren auch im Zwei- und im Dreimonatsvergleich schwach (-5,2 % bzw. -3,3 %). Impulse sind derzeit nur vom gewerblichen Bau zu erwarten.

Die privaten Konsumausgaben stützen dagegen den Aufschwung. Sie stiegen im zweiten Quartal preis- und saisonbereinigt um 0,6 % gegenüber dem Vorquartal an und erholten sich merklich vom umsatzsteuerbedingten Einbruch im ersten Quartal. Das Umsatzvolumen im Einzelhandel (ohne Handel mit Kraftfahrzeugen und ohne Tankstellen) erhöhte sich im Juli leicht um 0,6 % gegenüber dem Vormonat. Auch bei den Neuzulassungen von Personenkraftwagen setzte sich der Erholungskurs fort. Die Stimmungsindikatoren für das Konsumklima und den Einzelhandel zeichnen ein relativ freundliches Bild. Vor allem sprechen der lebhafte Beschäftigungsaufbau und die im Vergleich zum Vorjahr höheren Tariflohnabschlüsse für eine Zunahme der privaten Konsumausgaben im weiteren Jahresverlauf.

Die Aus- und Einfuhrdynamik liefert weiterhin wichtige Impulse für die Wirtschaftsentwicklung, schwächte sich im laufenden Jahr allerdings merklich ab. Die Warenausfuhren in jeweiligen Preisen blieben im Juli gegenüber dem Vormonat saisonbereinigt praktisch unverändert (-0,1 %), der Vorjahresstand wurde mit 11,8 % (Ursprungswert) weiter deutlich überschritten. Die Wareneinfuhren nahmen im Juli preis- und saisonbereinigt um 2,4 % ab und lagen nur noch 6,3 % (Ursprungswert) über dem Vorjahr. Die weiteren Aussichten für den Außenhandel bleiben nach der gegenwärtigen Einschätzung aufgrund des robusten weltwirtschaftlichen Wachstums und der hohen Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Exporte gleichwohl recht günstig. Allerdings sind die Risiken und die Unsicherheit mit den Turbulenzen an den Finanzmärkten merklich gestiegen. Ein schwächerer Dollar dürfte sich dämpfend auswirken, sollte in der Bedeutung angesichts der Struktur und regionalen Aufteilung der Exporte aber auch nicht überschätzt werden.

Die Belebung am Arbeitsmarkt setzt sich - gestützt auf den wirtschaftlichen Aufschwung - gegenwärtig mit etwas schwächerer Dynamik fort. Die Beschäftigung erhöht sich im Juli weiter recht kräftig (saisonbereinigt +39.000). Der Aufbau der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung (Juni: saisonbereinigt +7.000) und der Rückgang der Arbeitslosigkeit (August: saisonbereinigt -15.000) haben sich demgegenüber verlangsamt. Insgesamt waren 3,705 Mio. Personen arbeitslos gemeldet, 666.000 weniger als im Vorjahr. Am aktuellen Rand wirken sich auch Sonderentwicklungen aus. So dürfte die verstärkte Überprüfung des Arbeitslosenstatus die Arbeitslosenzahl im Verlauf nicht mehr verringern. Bei der Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung wirkt wohl die nach dem milden Winter etwas schwächere Frühjahrsbelebung noch nach. Die Belebung des Arbeitsmarktes sollte sich deshalb in den kommenden Monaten fortsetzen.

Die Verbraucherpreise gingen im August um 0,1 % gegenüber dem Vormonat zurück (Juli: +0,4 %). Ausschlaggebend hierfür waren rückläufige Preise für saisonabhängige Nahrungsmittel. Hierdurch konnten auch die zum Teil deutlichen Preiserhöhungen bei Milchprodukten kompensiert werden. Darüber hinaus wirkten sich rückläufige Preise für Kraftstoffe sowie saisonbedingt für Pauschalreisen und Ferienwohnungen preisdämpfend aus. Die Jahresrate der Verbraucherpreisinflation verblieb im August bei 1,9 % (Juli 1,9 %). Der Ölpreis der Sorte Brent betrug Mitte September rund 78 US-Dollar je Barrel. Für einen Euro erhielt man nahezu 1,39 US Dollar.

Den Monatsbericht finden Sie in Kürze auf unserer Homepage unter der Rubrik "Wirtschaft".

[1] In diesem Bericht wurden statistische Daten verwendet, die bis zum 17. September 2007 vorlagen.
[2] Wenn nicht anders vermerkt, handelt es sich bei den in diesem Bericht verwendeten saisonbereinigten Angaben um Berechnungen nach dem Verfahren Census X-12-ARIMA.
[3] Dreimonatsvergleich: Veränderung Mai/Juni/Juli gegenüber Februar/März/April
[4] Zweimonatsvergleich: Veränderung Juni/Juli gegenüber April/Mai