Handwerk erwartet im 2. Halbjahr mehr kommunale Aufträge

Traublinger: „Steuerliche Abgabenlast rasch senken“

München, (PresseBox) - „Auch wenn das 2. Quartal 2009 durchwachsen war, erwarten wir, dass sich die Handwerkskonjunktur in diesem Jahr besser entwickelt als die Gesamtwirtschaft“, erklärte der Präsident des Bayerischen Handwerkstages (BHT), Heinrich Traublinger, MdL a. D., bei der Vorstellung der neuesten Konjunkturzahlen in München. Die niedrige Inflation lasse den Verbrauchern mehr im Portemonnaie und auch die niedrigen Sparzinsen erleichterten die Entscheidung zum Konsum, so Traublinger weiter.

Die Umsätze der bayerischen Handwerksbetriebe sanken im 1. Halbjahr um nominal drei Prozent auf rund 40,9 Milliarden Euro. Rechnet man die Preissteigerung heraus, steigt das Minus auf gut vier Prozent. Die Kapazi-tätsauslastung verringerte sich im 2. Quartal 2009 gegenüber dem Vorjah-reszeitraum nur noch um einen Punkt auf 74 Prozent. Die Auftragsreserven reichten im 2. Quartal 2009 noch für 5,6 Wochen (minus 0,3 Wochen im Vorjahresvergleich).

73 Prozent der Handwerksunternehmer in Bayern bezeichneten ihre aktuelle Lage als gut oder zufriedenstellend. Das sind zwar gegenüber dem Vor-jahreszeitraum immer noch drei Prozentpunkte weniger, doch im Vergleich zum 1. Quartal 2009 kletterte der Index um zehn Prozentpunkte. Verant-wortlich dafür ist das Baugewerbe. Dort waren drei von vier Befragten mit der aktuellen Lage zufrieden oder fanden sie „gut“. Trotz explodierender Zulassungszahlen ist die Stimmung unter den Kfz-Betrieben eher verhalten positiv. Gründe dürften Rückgänge im Reparaturgeschäft und beim Ge-brauchtwagenhandel sein. Trotzdem erwarten auch in den nächsten Mona-ten 71 Prozent aller Betriebe, dass die Geschäfte weiter gut bzw. zufrie-denstellend laufen (minus sechs Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr). Aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage haben viele Unternehmen ihre Investitionen vorerst auf Eis gelegt. Sowohl die Investitionsneigung (25 Prozent, minus drei Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum) als auch die Ausgaben bewegten sich auf schwachem Niveau. Zusam-mengerechnet flossen in den ersten sechs Monaten 1,15 Milliarden Euro (minus zehn Prozent) in Anlagen und Produktionsstätten.

Nach ersten Schätzungen waren Ende Juni 858.000 Personen in den baye-rischen Handwerksbetrieben beschäftigt. Gegenüber dem Vorjahreszeit-raum entspricht das einem Rückgang von einem Prozent. Die Zahl der Handwerksbetriebe lag zur Jahresmitte bei knapp 187.000 und damit im Vorjahresvergleich um 1,1 Prozent höher. „Für das Gesamtjahr 2009 rech-nen wir in Bayern mit einem nominalen Umsatzrückgang von bis zu drei Prozent auf etwa 90,2 Milliarden Euro. Damit würde das Handwerk aber immer noch deutlich besser abschneiden als die Gesamtwirtschaft. Die Zahl der Beschäftigten dürfte sich im Jahresmittel um rund ein Prozent auf 855.000 Personen verringern“, berichtete Traublinger.

Für das 2. Halbjahr 2009 setzt das Handwerk vor allem auf die Kommunen als Antriebsfeder. Der BHT-Präsident: „Wir erwarten, dass von den Sanie-rungsprojekten überwiegend Betriebe des Ausbaugewerbes profitieren, die sich auf Wärmedämmung, den Austausch von alten Fenstern und die In-stallation von Heizungs- und Solaranlagen spezialisiert haben. Ich appelliere an die Kommunen, die Aufträge zügig zu vergeben und dabei auch sachgerecht von den Erleichterungen bei Ausschreibung und Vergabe Gebrauch zu machen, um das regionale Handwerk zu stärken!“

Im Vorfeld der Bundestagswahl forderte der BHT-Präsident die Politik auf, die steuerliche Abgabenlast rasch zu senken. In einem ersten Schritt müss-ten die kalte Progression beseitigt und der sog. Mittelstandsbauch im Tarif-verlauf begradigt werden, um vor allem kleine und mittlere Einkommen zu entlasten. Traublinger regte weiter an, die Schwächen der Unternehmens-steuerreform zu beseitigen und die Ungereimtheiten der Erbschaftsteuerre-form zu bereinigen. Der BHT-Präsident: „Die starre Lohnsummenklausel ist gerade in der aktuellen Wirtschaftskrise für viele Betriebe nicht einzuhalten und muss deshalb entschärft werden.“ Außerdem fordert das Handwerk, den Einkommensteuerbonus auf bestimmte Handwerkerleistungen auszu-bauen. Traublinger: „Der maximale Betrag, der von der Steuer abgezogen werden kann, sollte auf 4.000 Euro angehoben werden. Damit wären die Handwerkerleistungen mit den haushaltsnahen Dienstleistungen gleich gestellt. Außerdem fordern wir, dass der ermäßigte Mehrwertsteuersatz auch auf arbeitsintensive Dienstleistungen im Handwerk angewendet wird. Diese Maßnahme wäre ein wichtiger Beitrag zur Stärkung der Nachfrage und zur Bekämpfung der Schwarzarbeit.“

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