Wie Künstliche Intelligenz den Übersetzungsmarkt verändert

Geschäftsführer von AP Fachübersetzungen - Übersetzungs- und Dolmetscherbüro für Medizin, Pharma, Recht und Technik (PresseBox) ( Nürnberg, )
Die Digitalisierung und somit auch die Künstliche Intelligenz (KI) sind weltweit auf dem Vormarsch und machen sich branchenübergreifend breit. Die Industrieländer befinden sich in einem regelrechten Wettkampf, um sich Spitzenreiter der Technologie nennen zu können. Die ständige Weiterentwicklung der Technik und der Fortschritt machen selbstverständlich auch vor der Übersetzungsbranche nicht halt.

Viele Unternehmen greifen mittlerweile auf Maschinenübersetzungen/MT (engl. machine translation) zurück, um Kosten und Zeit zu sparen. Online-Tools und Websites wie z. B. Google Translate und DeepL Translator werden hier häufig verwendet, um Texte jedweder Art zu übersetzen. Doch sind Maschinen bereits so weit fortgeschritten und so gut programmiert, dass sie den menschlichen Übersetzer vollkommen ersetzen können?

Die Beantwortung dieser Frage ist selbstverständlich nicht ganz so leicht. Die Qualität der MT hängt maßgeblich von der Art des Textes und dessen Schreibstil ab. Neutrale, leicht geschriebene bzw. klinisch verfasste Dokumente und Texte, wie man sie z. B. im Rechts-, Technik- oder Medizinbereich findet, können oft besser von Maschinen erfasst, analysiert und übersetzt werden als andere. Die Übersetzung ist oft recht brauchbar oder sogar gut und zutreffend. Doch selbstverständlich sollte man auch hier vorsichtig sein: Wenn es um ein sehr engspezialisiertes Thema geht und der Text sehr branchen- bzw. fachgebietsspezifische Terminologie beinhaltet, kann eine Maschinenübersetzung hier oft grobe Fehler enthalten. Auch Inkonsistenzen in der Verwendung der Terminologie sind hier keine Seltenheit, da die Maschine je nach Satzbau und Kontext eventuell einen anderen Terminus verwendet, wohingegen ein menschlicher Übersetzer hier besser auf die Kontinuität achten kann. Ebenso sind gängige brancheninterne Formulierungen der Maschine in vielen Fällen nicht geläufig. Die Anpassung an landesspezifische Eigenarten bzw. Standards können ebenfalls nicht berücksichtigt bzw. vorgenommen werden. Dies sind „Symptome“ der Vorgehensweise der Übersetzungsprogramme – obwohl die Maschinen den Text analysieren, übersetzen sie ihn am Ende nun einmal stur, ohne ihn weiter zu hinterfragen oder etwa zu erkennen, was eventuell für den Zielmarkt angepasst werden muss.

Weiterhin gibt es natürlich auch noch freier formulierte, literarische und Marketing-Texte. Hier müssen allerdings noch wesentlich mehr Verbesserungen bei der Maschinenübersetzung vorgenommen werden. Maschinen liefern zwar oft ein durchaus brauchbares Grundgerüst für die Übersetzung, doch die Formulierungen sind hier größtenteils sehr steif. Somit entsteht häufig kein flüssiges Lesegefühl und keine geschmeidigen Übergänge. Auch Wortspiele sind für Maschinen nur schwer zu erfassen und gehen in den meisten Fällen komplett verloren. Die Übertragung solcher linguistischen Spielereien in eine andere Sprache bzw. die Findung eines Äquivalents ist hier nur mit der Hilfe eines richtigen Übersetzers möglich.

Jedoch muss man sich der Realität stellen, dass die Wirtschaft im Allgemeinen immer mehr auf Maschinenübersetzungen setzen wird. Dies wird unweigerlich zu vielen Veränderungen auf dem Übersetzungsmarkt führen. So werden sich beispielsweise die Arten von Texten verändern, die noch von Menschen übersetzt werden. Übersetzungen von Alltagsdokumenten, wie z. B. Geschäfts- und Handelskorrespondenz, sind bereits jetzt schon größtenteils nicht mehr notwendig. Dies wird sich noch ausweiten auf kleine Dokumente und Texte, die von nicht ganz so großer Wichtigkeit sind (z. B. nur für den internen Gebrauch). Das Hauptaugenmerk wird sich auf Texte im Literatur- und Marketingbereich richten. Den Erfindungsgeist und das linguistische Geschick von Menschen können Maschinen vorerst nicht ersetzen. Vor allem Werbeprospekte, Zeitungsartikel und Bücher verlangen es regelrecht, von richtigen Übersetzern übersetzt zu werden, damit sie ihre Wirkung nicht verfehlen. Doch auch engspezialisierte Dokumente und Texte, die von größerer Bedeutung und Tragweite sind, wie z. B. Packungsbeilagen, (multinationale) Verträge, technische Spezifikationen und Dokumentation, werden Übersetzer so schnell nicht an Maschinen verlieren. Denn wenn hier Fehler oder Inkonsistenzen in der Terminologie oder im Sinn des Textes entstehen, hat dies weitreichende Folgen. Man kann sich nur sicher sein, dass alles hieb- und stichfest ist, wenn ein richtiger Fachübersetzer mit dem entsprechenden Hintergrundwissen und jahrelanger Erfahrung auf dem Gebiet sich der Übersetzung annimmt.

Die Kunst des Übersetzens wird so schnell also nicht aussterben, aber sie wird sich verändern. Der Übersetzungsmarkt befindet sich bereits im Wandel, wie so viele andere Branchen auch. Aber die Frage bleibt: Wird die Maschine den Menschen als Übersetzer komplett verdrängen? In manchen Übersetzungsbereichen ja, in anderen – z. B. im Dolmetschen – nein. Maschinenübersetzungen können zwar als Hilfestellung für Übersetzer dienen, sie aber nicht vollkommen ersetzen.
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