Frage des Monats

Wie verbreitet sind Reifendruckregelanlagen?

Frage des Monats © Roland Krieg (PresseBox) ( Köln, )
Traktoren fahren mit ihren Reifen sowohl über asphaltierte Straßen als auch im Gelände auf dem Feld. Für die Straße rollen großvolumige Reifen mit hohem Innendruck am besten. Auf dem Feld hingegen gelten andere Prinzipien. Mit einem niedrigen Reifendruck wird die Auflagefläche des Reifens stark verbreitert, was zu einem niedrigeren Bodendruck führt (Reifendruck = Bodendruck). Ein geringerer Reifeninnendruck verringert damit Bodenverdichtung, Schlupf und Spurtiefe. Daraus folgt eine höhere Zugkraft bei geringerem Dieselverbrauch. Der Reifeninnendruck beim Wechsel von der Straße auf das Feld wird beispielsweise beim Grubbern und Pflügen von 1,6 auf 1,1 bar abgesenkt. Für die Fahrt zurück muss der Reifen wieder aufgepumpt werden. Neben einigen Nachrüstanlagen sind Reifendruckregelanlagen für Traktoren und Güllefässer mittlerweile auch ab Werk erhältlich. Beim Wechsel zwischen Feld und Straße wird der Reifeninnendruck heute bequem per Tablet oder Schlepperterminal angepasst. Die Regelanlagen werden regelmäßig in den landwirtschaftlichen Wochenblättern beschrieben und getestet. Doch wie weit sind sie in der Praxis tatsächlich vorhanden?

Der Pflanzenschutzspezialist ADAMA aus Köln hat bei Landwirten im April 2019 über die Agentur agriExperts des Deutschen Landwirtschaftsverlages zum Vegetationsstart einmal nachgefragt. 201 Praktiker haben die Frage beantwortet und auch Begründungen für die Entscheidung angegeben. Die Antworten zeigen die klare Trennung zwischen wirtschaftlichen Aspekten und umweltrelevanten Einschätzungen.

46 Prozent der Landwirte haben keine Reifendruckregelanlage (RDA) und wollen sie auch nicht. Nur 16 Prozent besitzen eine, immerhin 37 Prozent der Landwirte wollen beim nächsten Kauf die Technik mitberücksichtigen oder planen sie mit ein. Dabei sind sich alle Nutzer und Planer über die Bedeutung einer RDA einig: „Die Technik macht einfach Sinn, um den Boden zu schützen und die Wirtschaftlichkeit zu steigern.“ Ein Landwirt ergänzt: „Wir haben seit Jahren in mehreren Fahrzeugen Regelanlagen verbaut, damit der Bodendruck gemindert wird.“ Denn, so fasst ein dritter Landwirt zusammen: „Weil der Boden die wichtigste Produktionsgrundlage ist und daher Bodenschutz oberste Priorität hat.“ Der Umweltvorteil ist bekannt.

Und wer sagt „Nein“? Ein Teil der Landwirte hat so gut arrondierte Flächen, dass er mit seinen Traktoren kaum auf die Straße muss. Für andere sind die Teilflächen so klein, dass der ständige Luftdruckwechsel eher stört. Eine dritte Gruppe arbeitet tatsächlich manuell mit speziellen Ventilen und Handkompressor. Für 44 Landwirte, also für rund die Hälfte der „Nein“-Sager, ist die Technik zu teuer. Sowohl für die Nachrüstung als auch bei der Planung eines neuen Traktors. Die Berechnungen von Landwirtschaftskammern weisen nur sehr individuelle Vorteile von RDA aus. Die Einsparungen von Diesel beispielsweise nehmen erst ab einer bestimmten Betriebsgröße und Betriebsausrichtung zu.

Ein Landwirt hat das Thema auf den Punkt gebracht: Für ihn ist die Technik zu teuer und sie ist „auch sehr wenig in unserer Region verbreitet“. Ein gutes Vorbild in der Region kann offenbar der Installation von RDA einen Schub geben. Österreich hat das erkannt und, wie ein Berufskollege aus dem Nachbarland berichtet, fördert das Land die Nutzung von RDA als „Investition zur Verbesserung der Umweltwirkung“.
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