Wenn die Haustechnik frei im Netz steht

Neustadt an der Weinstraße, (PresseBox) - Mit der IT-Sicherheit in Krankenhäusern steht es nicht unbedingt zum Besten, wie wir in der Vergangenheit bereits an mehreren Beispielen gesehen haben. Doch bislang drehten sich die Befürchtungen und Vorkommnisse meist um die Sicherheit der Patientendaten und die Verwaltung. Jetzt ist allerdings ein Fall bekannt geworden, bei dem diese Bereiche nicht betroffen waren. Vielmehr gelang es sogenannten White Hats (also Hackern, die Sicherheitslücken aufspüren, um den Betroffenen die Chance zu geben, sie zu schließen), sich in die komplette Haustechnik einer nagelneuen Luxusklinik in der Schweiz einzuklinken.

Die beiden White-Hat-Hacker Tim Philipp Schäfers und Sebastian Neef vom Projekt Internetwache.org waren offenbar selbst sehr überrascht, als sie auf der Suche nach Schwachstellen im Netz auf ungesicherte Geräte einer Schweizer Luxusklinik stießen und sich mit den angezeigten IP-Adressen Zugriff auf die gesamte Haustechnik hätten verschaffen können, vom Licht über die Medizingase im OP bis hin zur Lüftung. Auch genaue Schaltpläne zu den Funktionen der Gebäudesteuerung waren problemlos einsehbar. Zusammen mit einem 3D-Rundgang durch die Klinik auf der Homepage des Betreibers ergaben die Daten laut Schäfers und Neef ein sehr umfassendes Bild der Infrastruktur der Klinik. Da es sich bei dem Krankenhaus um eine Luxusklinik mit der entsprechenden Klientel handelt, mag man sich nicht ausmalen, was Kriminelle mit diesem Wissen anfangen könnten.

Die White Hats meldeten die Sicherheitslücke bereits im vergangenen Jahr an die zuständigen Stellen in der Schweiz und siehe da: Der bisher frei verfügbare Zugang zu den Systemen war innerhalb weniger Tage aus dem Netz verschwunden. In einer Stellungnahme gegenüber der Meldestelle gab die Klinik bekannt, dass die Systeme nur während einer Testphase vor der eigentlichen Eröffnung frei im Netz gestanden hätten. Das mag zwar eine Begründung sein, ist aber keinesfalls eine Entschuldigung. Denn auch während der Testphase hätte sich Schad-Software in den Systemen der Klinik einnisten können, ohne dass jemand davon etwas mitbekommen hätte. Eine entsprechende Anfrage des News-Portals Golem.de, ob das System auf eventuellen Befall untersucht wurde, ließ das Management der Klinik unbeantwortet.

Der Fall zeigt zweierlei:

1. Krankenhäuser sind trotz ihrer elementar wichtigen Rolle immer noch viel zu leicht angreifbar und es fehlt den Verantwortlichen häufig an der nötigen Kompetenz, um alle Bereiche der IT-Sicherheit überblicken und entsprechend handeln zu können.

2. Intelligente Haussysteme, zu denen in kleinerem Maßstab auch bereits Smart-Home-Geräte wie vernetzte Kühlschränke oder Glühbirnen gehören, sind noch immer längst nicht so sicher, wie man glauben mag. Hier sind auch die Hersteller und Software-Anbieter in der Pflicht, ihren Kunden die richtigen Tools an die Hand zu geben und sie auf die Gefahren ungeschützter Smart-Home-Systeme hinzuweisen.

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