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(pressebox) (Würzburg, 13.11.2009) Während wir Infrarotstrahlen und Mikrowellen inzwischen ganz selbstverständlich nutzen - sei es um Fernsehprogramme zu wechseln oder eine kalt gewordene Mahlzeit aufzuwärmen - fristen Terahertz-Wellen noch ein Schattendasein. Doch das kann sich bald ändern, denn Wissenschaftlern aus dem Süddeutschen Kunststoff-Zentrum in Würzburg und Institut für Hochfrequenztechnik der TU Braunschweig dem ist es gelungen, die bisher schwierig zu fassenden Wellen in einem kompakten und für den industriellen Bedarf geeigneten System zu bändigen. Hierfür haben Thomas Hochrein, Karsten Kretschmer und Norman Krumbholz den Otto von Guericke-Preis der AiF verliehen bekommen.
In einem Projekt der industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF), gefördert aus Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie über die AiF, forschten zwei Jahre lang der Physiker Thomas Hochrein und der Maschinenbau-Ingenieur Dr. Karsten Kretschmer vom Süddeutschen Kunststoff-Zentrum (SKZ) in Würzburg sowie der Wirtschaftsingenieur Norman Krumbholz vom Institut für Hochfrequenztechnik der Technischen Universität (TU) Braunschweig an einem Terahertz-System. Mit der Verleihung des diesjährigen mit 5.000 Euro dotierten Otto von Guericke-Preises an diese Wissenschaftler will die AiF auf ihre Forschungsergebnisse aufmerksam machen, weil sie ein ausgezeichnetes Beispiel für den direkten Wissenstransfer in die Wirtschaft sind. Der Festakt fand am 10. November 2009 in Wetzlar statt, während der 82. Tagung des Wissenschaftlichen Rates der AiF.
Wie bei allen Projekten der industriellen Gemeinschaftsforschung stand auch hier die praktische Anwendung im Vordergrund. In diesem Fall sollte die industriell noch kaum genutzte Terahertz-Technologie bei der Verarbeitung neuer Kunststoffe getestet werden. Das Ergebnis erfüllte vollständig die Erwartungen der Forscher: deutlich kürzere Entwicklungszeiten mit weniger Ausschuss und mehr Qualität. Die in diesem Forschungsprojekt gewonnenen Erkenntnisse führten zur Entwicklung neuer Komponenten für Terahertz-Systeme, die - weil kleiner und stabiler - endlich auch für den industriellen Einsatz geeignet sind.
Der Erfolg dieses Forschungsprojektes liegt vor allem darin, dass die Ergebnisse gleich in mehreren Branchen innovative Anwendungen ermöglichen. Zum Beispiel in der Lebensmittelbranche, in der Pharmaindustrie oder bei der Herstellung von Baustoffen können auf dieser Basis ganz neue Verfahren zur automatisierten Qualitätskontrolle entwickelt werden. Wie bedeutsam die Erkenntnisse für die Zukunft der Kommunikationsbranche sind, können wir uns noch gar nicht ausmalen, wenn man bedenkt, dass mit Terahertz-Frequenzen weit mehr Daten übertragen werden können als mit den bisherigen Technologien. Vorstellbar ist dagegen, dass wir demnächst entspannter und zügiger durch die Flughafenabfertigung gelangen, wenn auch Sprengstoffe und Drogen berührungslos identifiziert und mühelos noch in der Verpackung von Medikamenten und harmlosen Substanzen unterschieden werden können.
In der Terahertz-Technologie steckt jede Menge Potenzial, es kommt nur darauf an, dieses für die industrielle Anwendung zu adaptieren. Das wissen die Preisträger nur zu gut: Sie planen bereits weitere Kooperationsprojekte zu diesem Thema.
Über die Preisträger
Thomas Hochrein (30) ist nach dreijähriger Tätigkeit in der Industrie seit 2007 am Süddeutschen Kunststoff-Zentrum (SKZ) tätig. 2008 forschte er auf dem Gebiet der Terahertz-Spektroskopie bei Polymeren an der Rice University in Houston (Texas, USA). Aktuell promoviert er bei Prof. Martin Koch am Institut für Hochfrequenztechnik der TU Braunschweig in der Arbeitsgruppe Terahertz-Systemtechnik. Norman Krumbholz (30) studierte Elektronik an der TU Braunschweig und an der Rice University in Houston (Texas, USA). Dr. Karsten Kretschmer (36) ist seit 2003 am SKZ tätig. Er leitet das Geschäftsfeld „Modifizierung von Polymeren“ und ist stellvertretender Geschäftsführer im Bereich Forschung und Entwicklung.
Über die AiF
Die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen ist ein gemeinnütziger Verband, der vor 55 Jahren auf Initiative der mittelständischen Industrie gegründet wurde. Heute umfasst das Innovationsnetzwerk der AiF rund 100 industrielle Forschungsvereinigungen aus unterschiedlichen Branchen, ca. 700 Forschungsstellen sowie etwa 50.000 mittelständische Unternehmen. Im gesamten Netzwerk laufen jährlich mehrere Tausend Forschungsprojekte. Im vergangenen Jahr 2008 sind insgesamt über 350 Millionen Euro öffentliche Fördermittel in die Forschung für den Mittelstand über die AiF geflossen. Damit ist sie die führende deutsche Organisation zur Förderung angewandter Forschung und Entwicklung für den Mittelstand mit zwei Geschäftsstellen in Köln und Berlin.
Über SKZ - Das Kunststoff-Zentrum: Seit über 50 Jahren begleitet das SKZ die positive Entwicklung der Kunststoffbranche. Es hat sich kon-sequent den praxisorientierten Bedürfnissen des Marktes angepasst und ist heute mit ca. 350 Mitar-beitern inzwischen die mit Abstand größte Kunststoff-Technologietransfereinrichtung Deutschlands.
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