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(pressebox) (Jena, 03.04.2008) Erster Andockprozess wurde heute erfolgreich abgeschlossen. Ab 2009 planen die europäische und japanische Raumfahrtagentur zahlreiche Transportmissionen zur ISS, für die Jenoptik Basislieferant der Rendezvous- und Dockingsensoren ist.
Mit dem Andocken des ersten ATV (Automated Transfer Vehicle) "Jules Verne" der Europäischen Raumfahrtagentur ESA an die Internationale Raumstation ISS erlebt Europa eine Weltpremiere im All. Die Rendezvous- und Docking-Sensoren der Jenoptik ermöglichen diesen vollautomatischen Prozess in einer Höhe von 350 Kilometern. Mit dem heutigen Andocken des ATV ist die gesamte Mission ein Erfolg für die 41 internationalen Projektpartner und die europäische Raumfahrt.
Wenn ab Mai 2009 die Zahl der ständigen Besatzungsmitglieder der ISS von heute drei auf dann sechs steigt, besteht ein erhöhter Bedarf an Versorgungsflügen, die nicht allein durch amerikanische und russische Missionen abgedeckt werden können. Die europäische und japanische Raumfahrtagentur planen derzeit insgesamt fünf beziehungsweise sieben Flüge mit ihren unbemannten Transportfahrzeugen zur ISS. Der nächste Flug eines ATV ist bereits für 2009 geplant. Jedes ATV kann bis zu sieben Tonnen Ladung, wie etwa wissenschaftliche Experimente, Lebensmittel und Treibstoff, transportieren.
Sowohl für die Transportfahrzeuge der europäischen Raumfahrtagentur als auch für die japanischen Missionen ist Jenoptik der Basislieferant der Rendezvous-Sensoren. Von der EADS SPACE Transportation, Generalunternehmer für das europäische Versorgungsfahrzeug, hatte die Jenoptik-Tochter Jena-Optronik GmbH, Jena, Ende 2004 einen langfristigen Lieferauftrag in zweistelliger Millionenhöhe für Rendezvous-Sensoren erhalten. Nach erfolgreichem Abschluss der Entwicklungsarbeiten waren die ersten zwei Sensoren bereits 2004 ausgeliefert worden. Mit dem japanischen Technologiekonzern Mitsubishi Electric Corporation, Generalunternehmer für die Versorgungsfahrzeuge der japanischen Raumfahrtagentur JAXA, wurde Ende 2007 eine Vorabermächtigung (Authorization to Proceed - ATP) über die Lieferung von insgesamt zwölf Rendezvous- und Dockingsensoren im insgesamt zweistelligen Millionenwert abgeschlossen. Die Lieferung wird bis ins Jahr 2012 laufen.
Hohe Anforderungen an Robustheit, Zuverlässigkeit und Genauigkeit des Systems.
Der Start des ersten ATV mit den Rendezvous- und Docking-Sensoren (RVS) der Jenoptik an Bord erfolgte am 9. März 2008. Mit Hilfe einer zweistufigen Ariane-5-ES-Rakete wurde das ATV vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana gestartet und in einer Höhe von 272 Kilometern bei einer Geschwindigkeit von 7,45 km pro Sekunde separiert. Von seinem Parkorbit in 2.000 Kilometer Entfernung zur ISS hat das ATV in den vergangenen Tagen bereits zwei Demonstrationsflüge bis auf elf Meter zur ISS absolviert.
Zum Einsatz kommen beim automatischen Andocken die Rendezvous- und Docking-Sensoren RVS TGM (Telegoniometer) und RVS VDM (Videometer). Das System RVS ist in der Lage, ab etwa 3.000 Metern Entfernung und Anflugrichtung des ATV zur Internationalen Raumstation zu messen: RVS sendet Laser-Strahlen als kurze Lichtpulse, ein Spiegelsystem im RVS lenkt diese Lichtpulse zur ISS. Am russischen Modul "Svesda" der ISS, an dem das ATV andockt, sitzen spezielle Reflektoren - vergleichbar mit den Rückstrahlern von Autos, nur wesentlich präziser und deshalb effizienter - die das Laser-Licht zurückstrahlen.
Dieses Licht wird vom RVS wieder eingefangen. Aus dem Zeitunterschied zwischen gesendetem und wieder eingefangenem Lichtpuls und der "Blickrichtung" des Spiegelsystems wird dann berechnet, wie weit die beiden Weltraumgefährte voneinander entfernt sind, welche Relativ-Geschwindigkeit diese haben und in welchem Winkel sie zueinander liegen, damit das Versorgungsschiff schließlich zielgenau und sicher andocken kann.
Die Anforderungen an die Robustheit, Zuverlässigkeit und Genauigkeit des Sensors sind hoch. In einer Entfernung von 300 Metern zwischen RVS und ISS liegt die Messgenauigkeit des Sensors bei nur wenigen Millimetern.
Weiterentwicklung der Sensorsysteme für künftige Raumfahrtmissionen.
Die RVS-Lasertechnologien entwickelt Jenoptik bereits heute für zukünftige Raumfahrtmissionen weiter: Das aktuelle Projekt im Auftrag der Europäischen Raumfahrtagentur ESA zu neuen Imaging Lidar Technologien befindet sich seit April 2007 in der zweiten Entwicklungsphase. Den Zuschlag zur ersten, acht Monate dauernden Phase A der Studie hat die Jena-Optronik im Mai 2006 erhalten. In einer zweiten Entwicklungsphase werden nun bis Sommer 2008 neue Technologien unter Verwendung von Laserstrahlung im nahen Infrarotbereich erprobt. Die Ergebnisse sollen in die ExoMars-Mission einfließen. Unter anderem werden vom Marsboden entnommene Proben in einem kleinen, handballgroßen Container zurück in die Umlaufbahn des roten Planeten befördert. Der Imaging Lidar Sensor misst die Relativposition von Container und Mutterraumschiff in der Marsumlaufbahn ab 5 Kilometern Abstand bis zum "Einfangen" und liefert die erforderlichen Entfernungs- und Winkelmesswerte für Bahnkorrekturen und den eigentlichen Andockvorgang.
Zur Jenoptik-Raumfahrttechnik
In der Sparte Verteidigung & zivile Systeme kombiniert Jenoptik Lasersensorik, Optik, Optoelektronik, Mechanik und Elektronik zu komplexen Komponenten, Systemen und Anlagen. Schwerpunkte sind Fahrzeug- und Flugzeugausrüstung, optoelektronische Instrumente und Systeme für die Sicherheits- und Raumfahrtindustrie sowie Software, Mess- und Regeltechnik. Mit knapp 1.100 Mitarbeitern betrug der Spartenumsatz 2007 rund 180 Millionen Euro. Produktionsstandorte sind Wedel bei Hamburg, Jena, Essen und Altenstadt. Die Sparte geht auf die ESW GmbH sowie die Jena-Optronik GmbH und die Geschäftsbereiche Laser- und Infrarotsensorik der JENOPTIK Laser, Optik, Systeme GmbH zurück.
Im Geschäftsbereich Optronik (Jena-Optronik GmbH) entwickelt, fertigt und vertreibt Jenoptik optoelektronische Instrumente und Systeme für verschiedene Anwendungen im Bereich der Raumfahrttechnik, Nachrichtengewinnung und Aufklärung. In den vergangenen Jahren hat sich Jenoptik zu einem der führenden Instrumenten- und Systemanbieter auf dem internationalen Luft- und Raumfahrt-Markt entwickelt, ist im Bereich optoelektronischer Systeme für die Militärtechnik etabliert und bietet darüber hinaus umfassende Dienstleistungen für die Auswertung erfasster Daten. Schwerpunkte des Geschäftsbereiches sind die Satellitentechnik, multispektrale Aufnahmesysteme, die Bilddatenverarbeitung und Beobachtungsplattformen.
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