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(pressebox) (Magdeburg, 26.04.2011) Die Industrie- und Handelskammer Magdeburg führt seit dem Frühjahr 1991 regelmäßig quartalsweise Umfragen zur gegenwärtigen und zukünftig erwarteten wirtschaftlichen Entwicklung unter repräsentativ ausgewählten Mitgliedsunternehmen durch und wertet sie aus.
Die wesentlichen Ergebnisse werden nachfolgend in der Zusammenfassung dargestellt.
Gesamttendenz Industrie Baugewerbe Handel Gastgewerbe Verkehrsgewerbe Dienstleister Weitere Lageverbesserungen primär im Produzierenden Gewerbe und bei den Dienstleistern, Geschäftserwartungen generell aufgehellt Vorleistungs- und Investitionsgüterproduzenten geben weiter Konjunkturimpulse, Exporterwartungen etwas gedämpft Auftragseingänge im Plus, Geschäftserwartungen verbessert Lageeinschätzungen fallen schlechter aus als im Vorquartal, Umsatzerwartungen ziehen leicht an Rückläufige Umsätze drücken auf die aktuellen Lagebewertungen, Prognosen Richtung Hauptsaison wieder optimistischer Ertragslage verschlechtert, Geschäftserwartungen trüben sich ein Auftragseingänge und Umsätze mit positiver Entwicklung vor allem im unternehmensnahen Bereich, Erwartungswerte deutlich aufgehellt
Lage und Erwartungen insgesamt
Der Konjunkturaufschwung setzt sich im IHK-Bezirk Magdeburg in der Gesamtbetrachtung weiter fort.
Im 1. Quartal 2011 erreicht der Gesamtindex des Konjunkturklimas mit 118 (von 200 möglichen) Punkten einen Wert, der nur noch knapp unter den Spitzenwerten aus dem Hochkonjunkturjahr 2007 liegt.
Bei näherer Betrachtung bietet sich jedoch keinesfalls ein einheitliches Bild. Bei den Lagebewertungen kommen die entscheidenden Konjunkturimpulse derzeit lediglich von den "Schwergewichten" Industrie und Dienstleister, saisonal bedingt liegt hier auch das Baugewerbe im Positivbereich. Etwas ausgeglichener gestaltet sich der Einfluss der Erwartungswerte auf das Gesamt-Konjunkturklima: hier verzeichnet nur das Verkehrsgewerbe eine Abwärtsentwicklung, in allen anderen Branchen haben sich die Geschäftserwartungen mehr oder weniger stark aufgehellt. Die Investitions- und Beschäftigungspläne halten sich mehrheitlich noch auf gutem Niveau.
Lage und Erwartungen in den Branchen
Industrie
Die Industrie hat ihre angestammte Rolle als Konjunkturmotor endgültig wieder übernommen, gleichwohl ist das Gesamtbild nicht ganz ungetrübt. Auf der Positivseite vermelden viele Firmen einen weiteren Anstieg der Auftragseingänge:
der Saldo legt im Vergleich zum Vorquartal von +26 auf +41 zu. Die Zuwächse wurden im Wesentlichen im Inland generiert, während die Auslandsaufträge vorerst auf dem Niveau des letzten Quartals verharren. Vom Nachfrageschub profitieren primär die Vorleistungs- und die Investitionsgüterproduzenten - ihre Lagebewertungen legen noch einmal deutlich zu: der Saldo erreicht +52 bei den Vorleistern, +50 bei den Herstellern von Investitionsgütern.
Einen gegenläufigen Trend verzeichnen hingegen die Konsumgüterproduzenten:
eine verschlechterte Auftrags- und Umsatzsituation drückt hier die Lageeinschätzungen per Saldo nach +34 im 4. Quartal 2010 auf aktuell +19.
Die Geschäftserwartungen der Industriebranche legen zwar insgesamt noch einmal leicht zu - diese Aufwärtsbewegung ist jedoch allein den Investitionsgüterproduzenten zu verdanken: hier schauen aktuell 50 Prozent der Befragten optimistisch auf den zukünftigen Geschäftsverlauf.
Bei den Vorleistungsgüterherstellern stagnieren die Erwartungswerte, bei den Konsumgüterproduzenten sind sie im Vergleich zum Vorquartal gar gesunken und erreichen zu Jahresbeginn 2011 per Saldo lediglich noch einen Wert von +3, nicht zuletzt aufgrund pessimistischerer Umsatz- und Exporterwartungen. Generell erhalten die Erwartungen an das zukünftige Exportgeschäft nach starker Aufwärtstendenz im letzten Quartal 2010 zu Jahresbeginn 2011 wieder einen leichten Dämpfer - dies bestätigt den Befund einer derzeit eher stagnierenden Auslandsnachfrage.
Die Investitionsfreude der Industrieunternehmen zeigt sich durch die uneinheitlichen Prognosen noch nicht getrübt: der Saldo liegt mit +25 auf einem sehr guten Niveau.
Die Beschäftigungspläne sind nach wie vor deutlich im Plus - die entscheidende Frage wird immer häufiger sein, ob die Unternehmen ihre Nachfrage mit adäquat qualifizierten Arbeitskräften decken können.
Baugewerbe
Das regionale Baugewerbe schöpft nach langem Winter wieder Mut und Zuversicht. Die Auftragseingänge liegen in der Gesamtbetrachtung im Plus: 37 Prozent der befragten Hochbau- und 39 Prozent der Tiefbauunternehmen berichten von einer verbesserten Auftragslage. Folgerichtig hellen sich auch die generellen Lageeinschätzungen der Bauunternehmen auf: nach -45 im 4. Quartal 2010 erreicht der Saldo aktuell einen Wert von +6. Damit wird die Situation nicht nur im Vergleich zum Vorquartal günstiger beurteilt, sondern auch im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresquartal.
Die Geschäftserwartungen der Baubranche hatten sich bereits zum Jahresende 2010 sichtbar verbessert, dieser Trend setzt sich fort: im 1. Quartal 2011 ist der Saldowert mit +2 seit mehreren Quartalen wieder leicht im Plus. Die überwiegende Mehrheit der Bauunternehmen will dennoch ihre Investitionsausgaben (noch) nicht steigern. Erfreulichere Tendenzen gibt es von den Beschäftigungsplänen zu vermelden: sie haben sich per Saldo mittlerweile leicht in den positiven Bereich bewegt.
Handel
Der in der letzten Umfrage registrierte Pessimismus der Großhändler bezüglich ihrer Umsatzentwicklung hat sich nicht bewahrheitet, im Gegenteil: 41 Prozent der Befragten berichten hier von gestiegenen Umsätzen. Auf die Lagebewertungen der Großhandelsunternehmen hat dies allerdings noch keinen entscheidenden Einfluss, sie zeigen sich im Vergleich zum Vorquartal leicht eingetrübt. Ähnliches Bild im Einzelhandel: die Umsätze sind zwar per Saldo leicht verbessert, sie erfüllen aber offensichtlich nicht die zuvor gestellten Erwartungen. Folgerichtig fallen auch die Lageeinschätzungen der Einzelhändler wieder schlechter aus als im Vorquartal: der Saldo sinkt von +34 auf +4. Die Konsumneigung der Kunden ist nach der Sondersituation zu Weihnachten aktuell erwartungsgemäß rückläufig.
Der Blick auf die kommenden Monate fällt wieder etwas versöhnlicher aus. Die Umsatzerwartungen legen sowohl im Einzelhandels- als auch im Großhandelsbereich zu. Die Gesamt- Geschäftserwartungen im Handel verharren per Saldo bei einem leicht positiven Wert von +4.
Die Investitionspläne der Handelsunternehmen liegen mittlerweile deutlich im Plus, die Beschäftigungspläne verbleiben jedoch weiterhin im negativen Bereich.
Gastgewerbe
Bei den Unternehmen des Gastgewerbes bestätigen die aktuellen Umfragedaten die eher pessimistischen Prognosen aus dem letzten Quartal. Mehr als ein Drittel der Befragten berichtet von rückläufigen Umsatzzahlen. Diesen Negativtrend weisen sowohl die Beherbergungsbetriebe als auch die reine Gastronomie auf. Die Lagebewertungen haben sich in der Gesamtbetrachtung noch einmal deutlich eingetrübt (Saldo -26, Vorquartal: +16).
Von der Zwischensaison zur nächsten Hochsaison - diese Perspektive lässt die Geschäftsprognosen des Gastgewerbes erwartungsgemäß wieder deutlich besser ausfallen als zuletzt: der Anteil positiver Einschätzungen steigt im Beherbergungsbereich von 5 auf 24 Prozent, im Gastrobereich von 3 auf 15 Prozent. Der zuletzt registrierte Positivtrend bei den Beschäftigungsplänen war hingegen nur von kurzer Dauer, aktuell liegen sie wieder im negativen Bereich. Auch bei den Investitionsplänen können die guten Werte aus dem Vorquartal nicht gehalten werden, sie sind aber per Saldo weiterhin im Plus.
Verkehrsgewerbe
Im Spannungsfeld einer fortgesetzten Diskussion um steigende Kraftstoffpreise legt der konjunkturelle Aufwärtstrend im Verkehrsgewerbe vorerst eine Pause ein. Die Ertragslage hat sich wieder verschlechtert, Umsätze bzw. Transportvolumina haben nicht weiter zugelegt. Diese Entwicklung wirkt sich umgehend auf die Lagebewertungen der Unternehmen aus: der Anteil günstiger Lageeinschätzungen sinkt im Vergleich zum Vorquartal von 41 auf 32 Prozent.
Die zuletzt erfreulichen Erwartungswerte aus dem Verkehrsgewerbe trüben sich ebenfalls ein: nach leichtem Plus im Vorquartal erreichen sie aktuell nur noch einen Saldowert von -8.
Parallel hierzu sind die Umsatzerwartungen gleichfalls rückläufig. Die Investitionsbereitschaft der Verkehrsunternehmen fällt wesentlich verhaltener aus als in den beiden Quartalen zuvor: nur noch 8 Prozent der Befragten wollen ihre Investitionsausgaben ausweiten.
Die Beschäftigungspläne sind vom Abwärtstrend noch nicht allzu stark betroffen, sie tendieren aktuell nur leicht ins Minus.
Dienstleistungsgewerbe
Neben der Industrie sind es einmal mehr die Dienstleister, die den Gesamtaufschwung tragen.
Insbesondere bei den unternehmensnahen Dienstleistern haben sich Auftragseingänge und Umsätze weiter positiv entwickelt, demzufolge verzeichnet diese Branche auch eine nach wie vor recht gute Einschätzung der Gesamtlage: 47 Prozent der Befragten zeigen sich ausgesprochen zufrieden. Wie schon im Vorquartal können die personennahen Dienstleister dieser Entwicklung nicht folgen, wenngleich hier immerhin noch 39 Prozent der befragten Unternehmen ihre gegenwärtige Geschäftslage als gut beurteilen.
Die eher verhaltenen Prognosen der Dienstleister aus dem Vorquartal weichen einer doch deutlich ausgeprägten Zuversicht. Die Geschäftserwartungen hellen sich sowohl bei den personennahen als auch den unternehmensnahen Dienstleistern auf, letztere verzeichnen einen Anteil von 42 Prozent optimistischen Stimmen. Die Umsatzerwartungen der Dienstleistungsunternehmen haben deutlich zugelegt: 45 Prozent der Befragten rechnen hier mit Zuwächsen in den kommenden Monaten. Die Zurückhaltung bei den Investitionen wird langsam wieder aufgegeben, 26 Prozent wollen in diesem Bereich ihre Ausgaben steigern. Die Beschäftigungspläne im Dienstleistungsbereich verbessern sich per Saldo zwar nicht, verbleiben jedoch weiterhin deutlich im Plus.
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