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Von der Erholungs- in die Aufschwungphase

Landesarbeitsgemeinschaft der IHKn in Sachsen-Anhalt zur Wirtschaftsentwicklung 2010

(pressebox) (Magdeburg, 03.03.2011) Viele Unternehmen in Sachsen-Anhalt konnten sich im Jahr 2010 von den Folgen der Wirtschaftskrise erholen. In weiten Teilen mündet diese Erholung in eine Phase des Aufschwungs. Der Geschäftsklimaindex über alle Branchen hat sich im Jahresverlauf kontinuierlich verbessert und den Stand vor der Krise erreicht. Dieser Trend basiert im Wesentlichen auf einer stark verbesserten Geschäftslage, während die Erwartungen zurückbleiben. Zu diesen Ergebnissen kommt die Landesarbeitsgemeinschaft der Industrie- und Handelskammern in Sachsen-Anhalt (LAG) in ihrem Wirtschaftsreport 2010, für den mehr als 1.100 Unternehmen befragt wurden.

Der Aufschwung zeigt sich auch in der Investitionsbereitschaft der Unternehmen, die 2010 in allen Branchen deutlich zugelegt hat. Die Beschäftigungsplanungen insgesamt weisen im Jahresverlauf kaum Schwankungen auf. Die Unternehmen sehen sich jedoch mit einem deutlich veränderten regionalen Arbeitskräftemarkt konfrontiert. Dieser ist nach der Krise wieder stärker von strukturellen Einflüssen und damit vom demografisch bedingten Mangel an Fachkräften geprägt.

"Die Zeichen stehen wieder auf Wachstum. Das ist die entscheidende Botschaft, die von den aktuellen Daten des Jahres 2010 ausgeht", so Klaus Olbricht, Präsident der Industrie- und Handelskammer Magdeburg. Viele Unternehmen hätten ihre wirtschaftliche Lage genauso gut eingeschätzt wie vor der Krise. "Dass ihre Erwartungen an die künftige Entwicklung deutlich verhaltener ausfallen", so Olbricht weiter, sei ein Zeichen für die gesteigerte Vorsicht der Unternehmer angesichts der zurückliegenden Erfahrungen. "Die Krise ist konjunkturell überstanden, strukturell sind wir auf gutem Weg." Dabei werde der zunehmende Fachkräftemangel eine entscheidende Herausforderung sein.

Dr. Thomas Brockmeier, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau, geht auf eine weitere Problemlage ein: "Die konjunkturell gute Stimmung der Unternehmen sollte nicht getrübt werden durch die Umwelt- und Energiepolitik. Hier muss der Gesetzgeber seine Regulierungsvorhaben mäßigen, um eine nachhaltige Standortpolitik zu erreichen. Dies betrifft sowohl die EU-Ökodesignrichtlinie, das Energiekonzept der Bundesregierung und auch landespolitische Maßnahmen, wie die geplanten Umweltzonen in Halle und Magdeburg."

Die wichtigsten Ergebnisse des Konjunkturberichts:

Industrie verbucht wieder mehr Aufträge: Die Industrie hat beim aktuellen Konjunkturauf-schwung eine Schlüsselrolle gespielt. Das aufgehellte Geschäftklima wird getragen von guten Lagebewertungen. Auch die Geschäftserwartungen liegen per Saldo im positiven Bereich. Insbesondere Vorleistungs- und Investitionsgüterproduzenten vermeldeten nach dem Einbruch 2009 im Jahr 2010 wieder deutliche Zuwächse bei den Auftragseingängen aus dem In- und Ausland. Die Exporterwartungen befinden sich seit mehreren Quartalen kontinuierlich im Aufwind. Die Investitionstätigkeit wurde verstärkt, die Beschäftigungspläne liegen wieder sichtbar im Plus.

Baugewerbe profitiert vom Konjunkturpakt II: Das Klima im Baugewerbe entwickelte sich im ersten Halbjahr 2010 relativ gut. Abgearbeitet werden konnten Aufträge, die aufgrund des langen Winters 2009/2010 verschoben wurden, zusätzliche öffentliche Aufträge aus dem Konjunkturpaket II sowie Aufträge, die aus dem Abbau des Investitionsstaus in anderen Branchen resultierten. Diese Besonderheiten wirkten nicht über das erste Halbjahr hinaus. Auf die gute Lage folgten Negativbewertungen im vierten Quartal, auch die Erwartungen gingen zurück. Das erklärt, warum sich in der zweiten Jahreshälfte der Geschäftsklimaindex im Baugewerbe wieder eingetrübt hat.

Handel zeigt sich robust: Der Handel hat sich 2010 gut entwickelt. Die per Saldo günstigen Lageeinschätzungen gehen auf gestiegene Umsätze zurück. Das schlug sich in deutlich positiven Werten des Geschäftsklimas, insbesondere im zweiten Halbjahr nieder. Hier erreichte der Index ein per Saldo positives Terrain. Der Einzelhandel zeigte sich insbesondere mit dem Weihnachtsgeschäft 2010 zufrieden. Eine Fortsetzung dieser Aufschwungtendenz für 2011 sehen die Unternehmen allerdings mehrheitlich nicht. Entsprechend negativ fallen die Pläne für Beschäftigung und Investitionen zum Jahresende aus.

Dienstleistungsgewerbe sorgt für Stabilität: Das Dienstleistungsgewerbe ist seiner Rolle als Stabilitätsanker der konjunkturellen Entwicklung auch 2010 gerecht geworden. Das Geschäftsklima setzt den Aufwärtstrend des Vorjahres auf höherem Niveau fort. Die Lagebewertungen haben sich kontinuierlich verbessert. Insbesondere unternehmensnahe Dienstleister steigerten Umsatz und Ertrag. Die Geschäftserwartungen sind per Saldo noch im positiven Bereich, entwickeln sich aktuell allerdings leicht rückläufig. Trotzdem plant die Branche, wieder Personal einzustellen.

Verkehrsgewerbe optimistisch: Das Verkehrsgewerbe steht exemplarisch für die gegenwärtige konjunkturelle Erholungs- und Aufschwungphase: Die Indexwerte des Geschäftsklimas übertreffen, getragen von stark verbesserten Lageeinschätzungen, die Vergleichswerte des Jahres 2009 deutlich. Im zweiten Quartal 2010 wurde die Null-Linie erstmals seit dem Herbst 2007 überschritten. Ausschlaggebend dafür waren mehr Aufträge des produzierenden Gewerbes. Die Erwartungen bleiben insgesamt verhalten. Als ein entscheidendes Zukunftsrisiko werden steigende Kraftstoffpreise angegeben.

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