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Lage wieder stabil, Erholung im Jahresverlauf Planungs- und Investitionssicherheit von der Politik gefordert

Wolfgang März, Hauptgeschägtsführer der IHK Magdeburg; Klaus Olbricht, Präsident der IHK Magdeburg; Carola Schaar, Präsidentin der IHK Halle-Dessau und Prof. Dr. Peter Heimann, Hauptgeschäftsführer der IHK Halle/Dessau, erläutern die Wirtschaftsentwicklung 2009 und die Aussichten für das laufende Jahr
Wolfgang März, Hauptgeschägtsführer der IHK Magdeburg; Klaus Olbricht, Präsident der IHK Magdeburg; Carola Schaar, Präsidentin der IHK Halle-Dessau und Prof. Dr. Peter Heimann, Hauptgeschäftsführer der IHK Halle/Dessau, erläutern die Wirtschaftsentwicklung 2009 und die Aussichten für das laufende Jahr

(pressebox) (Magdeburg, 13.04.2010) Für die Unternehmen in Sachsen-Anhalt war das Jahr 2009 geprägt durch die Finanzkrise und die Erholung von deren Folgen. Getragen von Lageeinschätzung und Erwartungen verbesserte sich der Geschäftsklimaindex der Unternehmen kontinuierlich. Die Beschäftigungspläne der Unternehmen erholten sich im Jahresverlauf etwas. Dank flexibler Beschäftigungsmodelle und staatlicher Förderungen im Rahmen der Kurzarbeiterregelung wurden Mitarbeiter vielfach trotz Produktionsrückgängen gehalten. Die Investitionspläne der Unternehmen sind nach wie vor zurückhaltend, die Investitionsstarre zu Beginn des Jahres wird aber zunehmend aufgelöst. Zu diesen Ergebnissen kommt die Landesarbeitsgemeinschaft der Industrieund Handelskammern in Sachsen-Anhalt (LAG) in ihrem Wirtschaftsreport 2009, für den mehr als 1.100 Unternehmen befragt wurden.

"Zwar ist die Krise noch nicht ganz vorbei, aber durchatmen darf man ruhig schon mal. Ich denke, wir haben das Schlimmste hinter uns. Eine gewisse Erleichterung ist also zu spüren. Die Turbulenz des Jahres 2009 zeigt sich in den unterschiedlichen Extremwerten zu Jahresbeginn und Jahresende. Sie dokumentieren zum einen eine tiefe Krise und zum anderen eine bemerkenswerte Erholung. Die befürchteten Katastrophen blieben aus. Schrittweise wurde zur Normalität zurückgekehrt, entsprechend wich die Verunsicherung", so Carola Schaar, Präsidentin der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau, nach deren Meinung gleichwohl eine gewisse Zurückhaltung bleibe. Viele Investitionen und so manche Neueinstellung seien auf Eis gelegt.

"Kohärenz und Verlässlichkeit" lautet dementsprechend eine vordringliche Forderung der LAG an die Wirtschaftspolitik. "Den Unternehmen muss Zuversicht vermittelt, Mut gemacht werden - ihnen muss die dringend benötigte Planungs- und Investitionssicherheit wiedergegeben werden. Eine effiziente und effektive Mittelverwendung ist oberstes Gebot. Die Investitions- und speziell auch die Innovationsförderung muss sich auf das Wesentliche und Machbare konzentrieren", so Klaus Olbricht, LAG-Sprecher und Präsident der Industrie- und Handelskammer Magdeburg. An die Landesregierung appellierte Olbricht, die Landesprogramme für Innovations- bzw. F&E-Förderung grundsätzlich von Haushaltssperren auszunehmen.

Die wichtigsten Ergebnisse des Konjunkturberichts:

Industrie: stetige Erholung nach Vorjahresschock.

Die Industrie als Konjunkturtreiber war durch die hohe Exportabhängigkeit am stärksten und am frühesten vom weltweiten Produktionsrückgang betroffen. Entsprechend groß war der Einbruch des Geschäftsklimas im ersten Quartal. Die Industrie gab aber auch das Muster für die Erholung im Jahresverlauf vor, so dass gegen Jahresende wieder ein leicht positiver Klimawert zu verzeichnen war. Die Stimmung der Unternehmen lag zum Jahresende wieder auf Vorkrisenniveau. Die Beschäftigtenzahlen sind mit minus 3,9 Prozent in 2009 gegenüber dem Vorjahr weit weniger gesunken als der Umsatz. Zuwächse sind vorerst aber nicht wieder zu erwarten.

Baugewerbe: weiter angespannt.

Die ohnehin angespannte Lage wurde durch den massiven Auftragsrückgang aus dem Wirtschaftsbau weiter verschlechtert. So lag der Geschäftsklimaindex 2009 mehrheitlich unter den Werten für 2008. Eine Erholung ist trotz des Konjunkturprogramms II kaum auszumachen. Die spezielle Ausgestaltung der öffentlichen Aufträge für Ausbau und Sanierung sorgt bei den eher industriell ausgerichteten Bauunternehmen der IHKn nur vereinzelt für Aufträge. Angesichts rückläufiger Bevölkerungszahlen und damit vermutlich geringerer Infrastrukturinvestitionen bleibt die Lage auch künftig angespannt. Die Beschäftigungs- und Investitionspläne der Unternehmen weisen bereits darauf hin.

Handel: kaum krisenhafte Ausschläge.

Der Handel blieb wegen seiner Binnenorientierung vom Krisengeschehen weitgehend unbeeindruckt. Dennoch wirkten sich sinkende Unternehmensgewinne und eine unsichere Beschäftigungssituation negativ aus. Der konjunkturelle Tiefpunkt wurde zu Beginn des Jahres 2009 erreicht. Von da an hellte sich die Situation wieder auf, und im vierten Quartal 2009 erreichte der Geschäftsklimaindex für Sachsen-Anhalt wieder einen Wert oberhalb des Vorjahresniveaus. Die anfänglich erwarteten Arbeitsplatzverluste traten nicht ein. Auch wenn sich die Situation konjunkturell normalisiert hat, bleibt sie strukturell weiterhin angespannt.

Dienstleistungsgewerbe: durchweg recht stabil.

Trotz starker Abhängigkeit von der Industrie blieb ein Einbruch aus. Der Geschäftsklimaindex verlief im gesamten Jahr oberhalb der Null- Linie. Die Stimmung verbesserte sich im Jahresverlauf so, dass im vierten Quartal 2009 der Vorjahreswert wieder übertroffen wurde. Das heterogene Dienstleistungsgewerbe hat sich im laufenden Abschwung als wenig krisenanfällig gezeigt. Dennoch drohen angesichts nach wie vor enger Verflechtungen mit der Industrie und starker Abhängigkeit von der Kaufkraft auch hier künftig Risiken. Die Investitions- und Beschäftigungspläne fallen aktuell leicht negativ aus.

Verkehrsgewerbe: durchatmen nach tiefem Fall.

Das Geschäftsklima verbesserte sich im Jahresverlauf kontinuierlich. Der Indexwert liegt im vierten Quartal 2009 wieder über dem Vorjahreswert. Insgesamt ist eine Erholung spürbar. Der Absturz zuvor war allerdings rasant: Hohe Kraftstoffpreise, Mauterhöhung und ein drastischer Einbruch der Transportaufträge aus der Industrie waren die größten Probleme. Gründe für die Verschnaufpause sind neben dem leichten Rückgang der Kostenbelastung auch eine gewisse Marktbereinigung infolge der lange angespannten Situation. Trotzdem schaut auch das Verkehrsgewerbe eher skeptisch in die Zukunft: neben den nach wie vor negativen Salden von Lage und Erwartungen sind die Investitions- und Beschäftigungsplanungen der befragten Unternehmen negativ.

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