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Warum das Ei nicht einfach zerbricht: Bionik-Forschung der HSB entschlüsselt das Geheimnis der Membran in der Eierschale

Statt das Ei nur als biologisches Objekt zu analysieren, betrachtet das Autorenteam der Hochschule Bremen (HSB) und des Departments of Bioengineering am Imperial College (London) die Eierschale als bionisches Modell, also als Vorbild für technische Anwendungen.
Statt das Ei nur als biologisches Objekt zu analysieren, betrachtet das Autorenteam der Hochschule Bremen (HSB) und des Departments of Bioengineering am Imperial College (London) die Eierschale als bionisches Modell, also als Vorbild für technische Anwendungen.

(pressebox) (Bremen, 02.07.2025) Ein Forschungsteam aus der Bionik an der Hochschule Bremen (HSB) und des Departments of Bioengineering am Imperial College (London) hat ein alltägliches Naturphänomen unter die wissenschaftliche Lupe genommen - mit erstaunlichem Ergebnis: Die innere Membran eines Hühnereis verleiht der spröden Eierschale eine erstaunliche Zähigkeit. Und genau diese Eigenschaft könnte wegweisend für die Entwicklung von Werkstoffen in Technik und Architektur sein.

Veröffentlicht wurde die Studie aktuell im Journal of the Mechanical Behavior of Biomedical Materials unter dem Titel: „The role of the membrane in the hen’s egg as a model for increasing the toughness of engineered brittle materials“.

Das Besondere: Statt das Ei nur als biologisches Objekt zu analysieren, betrachtet das Autorenteam die Eierschale als bionisches Modell, also als Vorbild für technische Anwendungen. „In der Bionik geht es uns darum, von der Natur zu lernen. Die Eierschale liefert hier ein Paradebeispiel dafür, wie fragile Strukturen durch eine geschickt integrierte Membran enorm an Zähigkeit und Verformungsarbeit gewinnen können“, erklärt Professor Jörg Müssig, Leiter der Biological Materials Group am Bionik-Innovation-Centrum der HSB.

Die Eierschale könnte zum Vorbild für Werkstoffe und Bauteile werden

Die Experimente zeigen eindrucksvoll: Wird die natürliche Membran entfernt, verliert das Ei bei Belastung fast vollständig seine Bruchzähigkeit. Wird sie jedoch durch bestimmte künstliche Membranen ersetzt, steigt die Energieaufnahmefähigkeit des gesamten Systems um ein Vielfaches. „Das hat direkte Implikationen für technische Anwendungen mit spröden Werkstoffen, etwa in der Luftfahrt, bei feuerfesten Werkstoffen oder sogar im Fassadenbau“, sagt Erstautor Raphael Woida.

Bionische Forschung made in Bremen zeigt hier erneut, wie sich hochkomplexe Prinzipien aus der Natur in einfache, aber effektive technische Konzepte überführen lassen. Die Eierschale, jahrtausendelang übersehen, könnte damit zum Vorbild für Werkstoffe und Bauteile werden, die bei Bruch nicht einfach zerfallen, sondern im wahrsten Sinne des Wortes „zusammenhalten“.

Weitere Informationen:

Link zur Publikation (Englisch)

Biological Materials Group am Bionik-Innovation-Centrum der HSB

Hochschule Bremen

Ansprechpartner:

Herr Prof. Dr. Jörg Müssig
Bionik-Innovations-Centrum (B-I-C) Fakultät 5 – Natur und Technik Hochschule Bremen (HSB)
Telefon: +49 (421) 5905-2747
Zuständigkeitsbereich: Bionik – AG Biologische Werkstoffe

Frau Meike Mossig
Telefon: +49 (421) 5905-2245
Zuständigkeitsbereich: Pressesprecherin

Über Hochschule Bremen: Die Hochschule Bremen (HSB) – City University of Applied Sciences macht Wissenschaft für die Praxis. Mit ihrem Studienangebot an ihren vier Standorten sichert sie den Fachkräftebedarf für Bremen und die Region. Die HSB ist stark in anwendungs- und grundlagenorientierter Forschung und leistet einen wichtigen Transfer in die Gesellschaft. Mit mehr als 70 Studiengängen in Ingenieurs-, Natur-, Wirtschafts- und Gesellschaftswissenschaften sowie internationalen MBA- und Masterstudiengängen ist die HSB die größte staatliche Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) und die zweitgrößte staatliche Wissenschaftseinrichtung im Bundesland Bremen. Knapp 9.000 Studierende sind eingeschrieben. Über 390 Kooperationen mit Partnerhochschulen weltweit sind Basis für die internationale Ausrichtung. Mit dem internationalen Netzwerk Strategic Alliance for Regional Transition European University – kurz: STARS EU – gestaltet die HSB mit acht internationalen Hochschulen eine Europäische Universität. Die Allianz wird von der Europäischen Union gefördert. Dank langjähriger Kontakte zu mehr als 180 Partnern aus der Wirtschaft, die eine besonders praxisorientierte Lehre und Forschung ermöglichen, bietet die HSB zukunftssichere und innovative Studieninhalte und gilt als Innovationsmotor für die Region. An die Hochschule Bremen angeschlossen ist das International Graduate Center (IGC) – eine exzellente Weiterbildungsadresse für Young Professionals aus der ganzen Welt und Berufstätige aus der Region.

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