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Betriebsnachfolge muss gut geplant sein

Handwerkskammer unterstützt Senioren und Junioren beim reibungslosen Übergang auf dem Chefsessel
Eine transparente Kommunikation mit allen Beteiligten ist beim Übergabeprozess eines Unternehmens entscheidend für das Gelingen des komplexen Vorhabens. Foto: amh-online.deesprechen von Existenzgründungsplänen an.
Eine transparente Kommunikation mit allen Beteiligten ist beim Übergabeprozess eines Unternehmens entscheidend für das Gelingen des komplexen Vorhabens. Foto: amh-online.deesprechen von Existenzgründungsplänen an.

(pressebox) (Stuttgart, 02.03.2023) „Wenn die Perspektive beruflicher Selbstständigkeit jungen Menschen attraktiv erscheint, dann werden sie den Schritt wagen. Das müssen wir erreichen. Dann bleiben Chefsessel nie lange unbesetzt“, betont Peter Friedrich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Region Stuttgart. Die Zahlen sprechen Klartext: Über 31.000 Handwerksbetriebe waren bei der Handwerkskammer Region Stuttgart Anfang 2023 registriert. Geschätzte 5.000 dieser Firmen werden von einem Inhaber geführt, der älter ist als 60 Jahre. Für diese Unternehmerinnen und Unternehmer ist es an der Zeit, sich über die Firma Gedanken zu machen: Also Übergabe an Kinder oder Mitarbeiter, verkaufen, aufgeben? Ein ganzes Paket an Unterstützungs- und Servicemaßnahmen hat die Handwerkskammer hierfür im Angebot. Die Berater sind deshalb gefragte Anlaufstellen. Auch ein spezieller Nachfolgemoderator ist im Einsatz. Fast 300 Einzelberatungen mit älteren Betriebsinhabern kommen im Jahr zusammen – weitere 170 Beratungen fallen für das Besprechen von Existenzgründungsplänen an.

Kammerchef Friedrich zeigt die volkswirtschaftliche Bedeutung der Weiterführung von Handwerksbetrieben auf. „Das Handwerk sichert Arbeits- und Ausbildungsplätze und ist ein wichtiger Faktor für die Nahversorgung der Bevölkerung. Der Schaden ist groß, wenn in einzelnen Regionen beispielsweise Bäckereien oder Metzger mangels Nachfolger schließen müssen. Jeder weiß: Handwerksbetriebe erbringen Leistungen, die wesentlich zur Stabilität der Gesamtwirtschaft und zum Lebenskomfort beitragen. Hinzu kommt, dass in diesen Firmen in der Region Stuttgart annähernd 50.000 Mitarbeiter beschäftigt sind.“ Um den demografischen Wandel zu meistern, seien Mittelstand und Handwerk zukünftig mehr denn je auf innovative und kreative Unternehmer angewiesen. „Wir brauchen diese dynamischen und entschlossenen jungen Menschen mit guten Ideen. Erfolgreiche Betriebsübernahmen erhalten nicht nur Arbeitsplätze, sondern schaffen oft neue und generieren höhere Steuereinnahmen. Sie verhelfen der Wirtschaft zu einer besseren Dynamik, beschleunigen die notwendigen strukturellen Anpassungsprozesse und führen nicht selten zu neuen, innovativen Produkten und Leistungen, die für die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft von hoher Bedeutung sind.“

Meister als solide Qualifikation

Peter Friedrich weiß: „Das Gründen wie auch die Übernahme eines Betriebes gehören zur DNA des Handwerks. Selbstständig zu sein, ist für viele Handwerker Teil ihres Selbstverständnisses. Deshalb absolvieren auch viele junge Handwerker die Meisterprüfung, um die maßgeschneiderte Qualifikation mitzubringen.“ Doch werden in den letzten Jahren auch im Handwerk Gründungen vor allem in den meisterpflichtigen Berufen immer schwieriger und komplexer. „Wenn wir aber weniger Betriebsgründer und weniger Nachfolger haben, schwächt das die Wirtschaftskraft.“

Beim Thema Betriebsnachfolge handelt es sich nicht um ein branchenspezifisches Thema. Es geht vielmehr um einen ganz normalen Generationenwechsel, der sich von A wie Augenoptiker bis Z wie Zimmerer-Handwerk durchzieht. Betriebsübergaben laufen dort zielführend und problemlos, wo das Thema frühzeitig erkannt und angegangen wird, so die Erfahrung der Betriebswirtschaftlichen Berater bei der Stuttgarter Handwerkskammer. Die übergabebereiten Unternehmer informieren sich rechtzeitig, stellen die Weichen in der Familie, im Betrieb oder strecken die Fühler nach externen Übernehmern aus und gehen das Thema aktiv an. Die Informationsphase mündet dann in die Beratungsphase. Ganz wichtig ist dann die Entscheidungsphase. Involviert sind Berater, Banken, der Steuerberater, vielleicht ein Rechtsanwalt oder ein Notar - und nicht selten von Anfang an die Belegschaft. Eine sinnvolle Transparenz gibt den Beschäftigten die Sicherheit, dass es weitergeht.

Ein wirtschaftlich gesunder Betrieb mit Renditeaussichten, einem Kundenstamm und einer funktionierenden Belegschaft wird in der Regel eine für beide Seiten zufriedenstellende Nachfolgelösung realisieren können. Dies gilt auch in derzeit schwierigen Branchen wie beispielsweise im Lebensmittel-Handwerk. Stimmen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind junge Handwerkerinnen und Handwerker - egal ob aus der Familie, aus der Belegschaft oder Externe - bereit, in die Verantwortung zu gehen. Es ist aber zu beobachten, wie eine Corona-Pandemie, die Energiekrise oder die Folgen der Inflation rasant Vorstellungen, Umstände und Pläne über den Haufen werfen können. Solche nicht vorhersehbaren Faktoren gilt es mit der Erfahrung der Übergeber und der Zuversicht der nachrückenden Generation abzufedern.

Wie sieht die ideale Nachfolgelösung aus?

Die Berater bei der Handwerkskammer Region Stuttgart erleben sehr häufig, dass sich Betriebsinhaber zu spät mit der Nachfolgeregelung befassen. Oft sind die Vorstellungen bezüglich des Unternehmenswerts und der daraus folgende Kaufpreis oder die Pachthöhe überhöht. Ist das Unternehmen ein wesentlicher Teil der Altersabsicherung des Übergebers, schränkt dies die Gestaltungsmöglichkeiten im Nachfolgeprozess deutlich ein. Liegt zudem noch ein Investitionsstau vor, wird es besonders schwierig. Der Übergeber darf auch nicht versäumen, sich rechtzeitig zurückzuziehen. Er muss Verantwortung übergeben, er muss loslassen können. Die Qualifikation des Nachfolgers muss zudem stimmen. Dies sowohl in fachlicher Weise als auch in den menschlichen Voraussetzungen wie Durchhaltevermögen, Führungskompetenzen sowie unternehmerischen Qualitäten. Die Meisterprüfung im Handwerk ist hierbei eine sehr solide Basis. Und nicht zuletzt braucht es Vertrauen und die Wertschätzung zwischen Übergebern und Übernehmern. Das alles muss stimmen, schließlich handelt es sich ja um das Lebenswerk auf der einen und um die Lebensziele auf der anderen Seite.

Expertenwissen unbedingt nutzen

Die Betriebswirtschaftlichen Berater der Handwerkskammer sind erfahrene Begleiter für Übergeber wie für Übernehmer. Sehr empfehlenswert ist auch ein Gespräch mit dem sogenannten Moderator für Unternehmensnachfolge bei der Handwerkskammer. Er berät in ausführlichen Erstgesprächen, analysiert die momentane Situation, fragt Vorstellungen ab, erarbeitet Lösungsansätze, plant die nächsten Schritte und vermittelt gegebenenfalls weitere Beratungstermine. Zum kostenfreien Service der Handwerkskammer gehört zudem die umfassende Beratung im gesamten Nachfolgeprozess. Hierfür ist ein Vor-Ort-Termin mit dem Spezialisten ratsam. Wichtig ist eine für beide Seiten neutrale Beratung zu bieten.

Weil Betriebsnachfolgen komplexe Konstrukte sind, gehen die Handwerkskammern das Thema derzeit intensiv an. Ziel des Projekts Nachfolgenetzwerk ist beispielsweise, potenzielle Übergeber und Übernehmer für das Thema Betriebsnachfolge zu sensibilisieren. „Wir wollen die nötige Aufmerksamkeit sowie die passenden Informations- und Beratungsangebote schaffen“, berichtet Peter Friedrich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer. Für ihn hat die Sensibilisierung und Beratung der Zielgruppen höchste Priorität. „Die hohen Teilnehmerzahlen bei Vorträgen zeigen immer wieder, wie relevant das Thema im Handwerk ist. Deshalb ist es wichtig, die Maßnahmen bei unseren Zielgruppen, aber auch weit darüber hinaus zu positionieren.“

Um die Zielgruppen wie Meisterschüler, Studenten, Studienabbrecher, Quereinsteiger, vor allem die Nutzer der Social-Media-Kanäle für eine Betriebsnachfolge im Handwerk zu sensibilisieren, entstanden bei der Handwerkskammer Region Stuttgart mehrere Best-Practice-Videos. So erzählt ein Akademiker von seinem Weg ins Handwerk, ebenso wird der Weg eines angestellten Jungmeisters vorgestellt, wie er einen global agierenden Handwerksbetrieb übernimmt. „Zur Palette der unterstützenden Maßnahmen ist weder die Betriebsbörse der Kammer wegzudenken noch die Web-Seminare oder Fachvorträge in Meisterkursen“, betont Kammerchef Friedrich.

Was ist bei einer Betriebsnachfolge unbedingt zu beachten?

9 Ratschläge zum Nachdenken

Infos:

www.hwk-stuttgart.de/betriebsuebergabe, www.hwk-stuttgart.de/betriebsboerse

www.hwk-stuttgart.de/nachfolgenetzwerk, www.hwk-stuttgart.de/veranstaltungen

Kostenfreie Info-Veranstaltungen „Rund um die Betriebsnachfolge“:

  1. März: Zehntscheuer, Maiergasse 8, 70771 Leinfelden-Echterdingen
  2. April: Kreissparkasse Waiblingen, Bahnhofstraße 13, 71332 Waiblingen
  3. Oktober: Volksbank Backnang, Schillerstraße 18, 71522 Backnang

Beginn immer 18:30 Uhr, Anmeldung: www.hwk-stuttgart.de/nachfolge2023-wn

Ansprechpartner:

Herr Gerd Kistenfeger
Pressestelle
Telefon: +49 (711) 1657-253
Zuständigkeitsbereich: Pressesprecher

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