Journalisten, Suchmaschinen und Social Media

Die Zeit rennt, der Redaktionsschluss steh kurz bevor. In unserer digitalisierten Welt wird Zeit beim Recherchieren immer kostbarer. Deshalb nutzen Journalisten heute andere Informationskanäle, um aktuell berichten zu können. Doch welche Bedeutung haben dabei Recherchetools, Smartphones und soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter?

Für die Studie „Recherchieren 2015“ der Universität der Bundeswehr München haben 857 Journalisten aus ganz Deutschland im Sommer 2015 Fragen zu ihrem Rechercheverhalten beantwortet. Mit der Online-Befragung führt das Institut für Organisationskommunikation die Studie „Das Google-Dilemma“ aus dem Jahr 2013 fort.

 

Web-Recherche am häufigsten über Google und Facebook

Die Ergebnisse zeigen: Suchmaschinen wie Google haben bei der Recherche von Journalisten weiter an Bedeutung gewonnen. Auch Soziale Medien werden als Informationsquellen genutzt. Knapp ein Viertel der Journalisten nutzt Facebook, Twitter und YouTube mehrmals täglich. Facebook ist dabei mit Abstand die erste Anlaufstelle. Fast die Hälfte der Journalisten hofft, dort neue Themen zu finden. Mehr als jeder Dritte nutzt die Sozialen Netzwerke, um sich über die Reaktionen der User zu informieren.

Über die Hälfte der Journalisten recherchiert einmal oder mehrmals täglich mit mobilen Endgeräten. Journalisten recherchieren also nicht mehr allein am Arbeitsplatz, sondern ortsunabhängig auch unterwegs. Zusätzlich gewinnt die schnelle und direkte, unmittelbare Kommunikation an Bedeutung. Hier liegt der große Vorteil von Social Media – aber auch Presseportale wie die PresseBox oder Recherchetools wie der idw-Expertenmakler (Informationsdienst Wissenschaft) schaffen einen direkten Draht zwischen Journalisten und Presseverantwortlichen.

 

Pressemitteilungen bleiben wichtig für Informationsgewinnung

Wie steht es aber um das klassische Mittel zum Informationsaustausch zwischen Journalisten und PR-Schaffenden, die Pressemeldungen? Laut der Studie erhalten Journalisten täglich rund 50 Pressemitteilungen – etwas weniger, als die Befragung im Jahr 2013 noch ergeben hat. Allerdings löschen Journalisten heute deutlich mehr Pressemitteilungen bereits ungelesen, nämlich rund die Hälfte. Nur 14 Prozent der Pressetexte werden verwendet. Um diese Quote zu erhöhen, sollten PR-Schaffende daher unbedingt auf neue, relevante Informationen setzen und auf eine zielgerichtete Auswahl der Journalisten achten. Einige Pressedienste wie die PresseBox gehen hier bereits den umgekehrten Weg:

Die Journalisten registrieren sich gezielt und wählen die für sie relevanten Themengebiete, zu denen sie Pressemitteilungen erhalten möchten. So landen fachfremde Informationen erst gar nicht im Postfach. Eine Erleichterung für beide Seiten: Sender und Empfänger. Trotz der Menge an Mitteilungen misst über die Hälfte der Journalisten Pressemitteilungen heute eine größere Bedeutung bei der Informationsgewinnung zu als noch vor fünf Jahren. PR-Schaffenden werden von 55 Prozent der Journalisten daher nicht als Gegenspieler angesehen, das hat sich seit der Studie von 2013 nicht verändert.

 

Alte Grundsätze gegen Qualitätsverlust unter Zeitdruck

Trotz der neuen Möglichkeiten, die die Digitalisierung für Medienmacher geschaffen hat, müssen sich Journalisten und PR-Schaffende gleichermaßen mit einer Entwicklung auseinandersetzen: Durch die Digitalisierung fließen Informationen schneller – die Zeit scheint dabei immer kostbarer und knapper zu werden. Gleichzeitig wird die Menge der Informationen größer. Lassen sich Journalisten von der Flut an Informationen mitreißen, leidet womöglich die Qualität der Veröffentlichungen.

Die Studie haben die Journalisten angegeben, nach wie vor großen Wert auf eine ordentliche Recherche zu legen, obwohl sie gleichzeitig weniger Zeit im Arbeitsalltag für weitgehende, tiefere Recherchen haben. Immer seltener recherchieren Journalisten vor Ort und sprechen dort mit den Menschen – aus Zeitgründen bleiben sie daher am Schreibtisch sitzen. Gleichzeitig geben sie an, hinsichtlich der Informationsqualität von persönlichen Kontakten überzeugt zu sein. Gerade ein mal 12,6 Prozent der Befragten nutzen diese noch am häufigsten, um an Informationen zu gelangen. Suchmaschinen dagegen sind für fast die Hälfte der Journalisten das häufigsten genutzte Mittel – insbesondere, um bei der Erstrecherche schnell einen Überblick über das Thema zu gewinnen.

Insbesondere bei der schnellen Recherche in den Sozialen Medien ist sich die Mehrheit der Journalisten einig: Sie muss um weitere Recherchewege ergänzt werden. Über die Hälfte der Journalisten gibt an, nicht von den Stimmungsbildern in den sozialen Netzwerken auf die Meinungsverteilung in der Gesellschaft zu schließen. Die Frage nach der Glaubwürdigkeit der Informationsquellen und der Rechtelage zur Verwendung der Inhalte bleibt weiterhin wichtiger Teil der journalistischen Arbeit.

Weite Informationen zu den Ergebnissen der Studie „Recherchieren 2015“ finden Sie hier.

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