PresseBox
Pressemitteilung BoxID: 521530 (yourmove gGmbH)
  • yourmove gGmbH
  • Osterrade 8a
  • 21031 Hamburg
  • https://www.yourmove.de
  • Ansprechpartner
  • Nikolas Aichele
  • +49 (40) 5896473-0

Wiederentdeckung der einmaligen Kleinwagenproduktion

Cuno Bistrams ermöglicht Projekt der Generationen im Bereich Technik, Handwerk, Bildung

(PresseBox) (Hamburg, ) yourmove präsentiert zusammen mit seinen Bildungspartnern auf der Automechanika Frankfurt vom 11.-16. September 2012 in der Galleria zwischen Halle 8 und 9 ein weltweit einmaliges Projekt zum Erhalt des kulturellen Bandes von Damals bis in die Zukunft.

Die Darstellung des Projektes erfolgt anhand der historisch einmaligen Cuno Bistram- Kleinwagen, welche von 1948 bis 1973 im Tierpark Hagenbeck Hamburg gefahren sind und vereint die Themen Technik, Handwerk, Bildung, so wie Ethik in der Restaurierung. Die Mitarbeit auf der Messe am Bau eines Prototypen ist dabei ausdrücklich erwünscht. Die Jugendlichen lernen sowohl die Herangehensweise an die Aufgabe, als auch das Abnehmen und Übertragen einer Karosserieform und die ersten Dengelschritte zum Bau der Karosserie. Das Weiterbildungsprogramm der yourmove-Akademie rundet das Thema ab.

Als Highlight wird auf der Automechanika ein originales Fahrzeug fahrfertig gemacht. Der Messechef selbst, Olaf Mußhoff, wird mit diesem Kleinwagen dann am Sonntag 16.09.2012 die Automechanika Sternfahrt anführen. Ein gewagtes Unternehmen, sind die Cuno-Bistram- Wagen doch einige Jahrzehnte nicht mehr gefahren. Die momentan nicht bekannte Geschwindigkeit (laut Zeitzeugen etwas über Schritt) und der Drang nur nach links fahren zu wollen (der Ovalkurs im Hagenbeck Tierpark war nur links befahrbar) halten Olaf Mußhoff nicht davon ab, dieses weltweit einmalige Fahrzeug der Öffentlichkeit live zu präsentieren.

Bemühen wir die Geschichtsbücher, erfahren wir nur sehr wenig über die vielleicht kleinste Automanufaktur Deutschlands. Cuno Bistram war Hamburger Ingenieur und konstruierte nach dem Krieg 5 Kleinwagen für den Betrieb im Tierpark Hagenbeck in Hamburg und ein straßenzugelassenes Exemplar mit 150 ccm und 6,7 PS, gut für eine Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h, wie die Töchter Cuno Bistrams bei der Wieder-Vorstellung am 07.05.12 im Museum der Arbeit berichteten.

Die 5 Stück "Hagenbeck-Wagen" werden in fünf unterschiedlichen Ansätzen für die Nachwelt erhalten und restauriert, vom Verbleib als "Scheunenfundzustand" über eine konservatorische Restaurierung bis hin zur modernen Vollrestaurierung. Zudem werden Prototypen gebaut, als Ausblick in die Zukunft wie ein Kleinserienhersteller wie Cuno Bistram sein Projekt aus heutiger Sicht möglicherweise gesehen hätte. "Die Chance dieser Sammlung besteht auch darin, alle Möglichkeiten einer Erhaltung und Restaurierung aus ethischen und historischen Gesichtspunkten durchzuspielen", so Projektleiter Nikolas Aichele. "Wir haben uns geeinigt diesen Weg zu gehen, da es eine einmalige historische Chance ist, einen Diskussionsansatz an gleichwertigen Fahrzeugen zuzulassen, um nachvollziehbare und vergleichbare Werte zu erhalten."

Die Geschichte Cuno Bistrams (1923-1973):

Bemühen wir die Geschichtsbücher, erfahren wir nur sehr wenig über die vielleicht kleinste Automanufaktur Deutschlands.

Cuno Bistram war Hamburger Ingenieur und konstruierte nach dem Krieg diverse Kleinwagen. Mit diesen betrieb er von 1948 bis zu seinem Tode 1973 auf eigene Rechnung einen Oval-Rennkurs (von den Kindern nach dem berühmten Rennkurs in Berlin, auch "Avus" genannt) im Tierpark Hagenbeck in Hamburg. Eine Fahrt kostete anfangs laut Erzählungen 50 Pfennig und war nach der kargen Nachkriegszeit eine Sensation. Eigentlich für Kinder (Mindestalter 6 Jahre) und Jugendliche gedacht, fuhren auch Erwachsene unter dem Vorwand der Kinderbetreuung mit. Die Fahrzeuge wurden in einer Werkstatt auf dem Gelände gewartet und immer wieder repariert.

Anfangs liefen die Kleinwagen noch ohne Motor und wurden mit einem Schleppseil auf eine Holzrampe gezogen. Diese fungierte als Startrampe, so dass die Fahrzeuge, der Schwerkraft folgend, wenige Sekunden Fahrt aufnahmen. Ein paar Jahre später wurden die gleichen Fahrzeuge mit einem 50-ccm-Zündapp-Mopedmotor ohne Getriebe aber mit einseitiger Bremse aufgerüstet. Das Knattern der Einzylinder liegt auch heute noch manchen Zeitzeugen in den Ohren.

Die Wiederentdeckung der Kleinwagen:

Um die Cuno Bistram-Kleinwagen tummeln sich viele Legenden. Einst galten sie als verschollen. Ihr Aussehen wie Renn-Monoposti trugen zu weiteren Geschichten bei, welche durch Schwarz-Weiß-Fotos entsprechend noch unterstützt wurden. Ein Leseraufruf in der Oldtimer-Praxis 10/90 schließlich brachte einige Details ans Tageslicht. Gerüchte sprachen von 50 hergestellten Fahrzeugen. Tatsächlich hergestellt wurden 5 Kleinwagen für den Betrieb im Tierpark Hagenbeck in Hamburg und ein straßenzugelassenes Exemplar mit 150 ccm und 6,7 PS, gut für eine Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h, wie die Töchter Cuno Bistrams bei der Wieder-Vorstellung am 07.05.12 im Museum der Arbeit berichteten. 4 Stück der Kleinwagen konnten bei der Vorstellung im "Scheunenfundzustand" präsentiert werden. Diese waren vom Wiederentdecker Arno Becker vom Club "Automobil Veteranen Freunde Deutschland" (AVF) auf dem Boden einer Futterkammer des Tierparks Hagenbeck entdeckt worden. Bei der Präsentation wartete Dr. Claus Hagenbeck dann noch mit der Sensation auf, auch den fünften Wagen entdeckt zu haben. Zusammen mit dem ehemals straßenzugelassenen Fahrzeug, welches mittlerweile im Bruce Weiner Microcar-Museum in den USA steht, ist somit das Lebenswerk Cuno Bistrams wieder komplett und kann der Nachwelt erhalten bleiben. Die Fahrzeuge sind ab sofort im Museum der Arbeit in Hamburg ausgestellt. Die beiden Töchter Cuno Bistrams stellen diese, mit der Unterstützung von Dr. Claus Hagenbeck, dem Museum zur Verfügung.

Das Projekt Cuno Bistram-Kleinwagen:

Das Gesamtprojekt wird in Zusammenarbeit von dem Museum der Arbeit in Hamburg und yourmove durchgeführt. Es ist derart komplex, dass kein zeitliches Limit gesetzt werden kann. Die Gliederung erfolgt in zwei Hauptbereiche A und B, welche sich über den gesamten Zeitraum parallel ergänzen. Im Laufe des Projektes sollen die Fahrzeuge zeitgleich an unterschiedlichen Orten bei diversen Institutionen restauriert werden.

A: Das Projekt als Restaurierungsdarstellung und Diskussionsgrundlage:

Die Sammlung der 5 Stück "Hagenbeck-Cuno-Bistram-Kleinwagen" der sogenannten "Schnapsglasklasse" sollen nicht nur ausgestellt werden. Diese werden in fünf unterschiedlichen Ansätzen für die Nachwelt erhalten. "Die Chance dieser Sammlung besteht auch darin, alle Möglichkeiten einer Erhaltung und Restaurierung aus ethischen und historischen Gesichtspunkten durchzuspielen", so Projektleiter Nikolas Aichele. "Wir haben uns geeinigt diesen Weg zu gehen, da es eine einmalige historische Chance ist, einen Diskussionsansatz an gleichwertigen Fahrzeugen zuzulassen, um nachvollziehbare und vergleichbare Werte zu erhalten. Diese Arbeit wird von mir in einer schriftlichen Dokumentation festgehalten, welche dann als weitreichende Grundlage für unterschiedliche Restaurierungen genutzt werden kann".

Fahrzeug A verbleibt im "Scheunenfundzustand"
Fahrzeug B wird restauratorisch konserviert
Fahrzeug C wird teilrestauriert
Fahrzeug D vollrestauriert nach handwerklichen Herstellungsmöglichkeiten von 1948
Fahrzeug E wird einer Vollrestaurierung nach heutigen Möglichkeiten unterzogen.

Weitere Kleinwagen sollen als Prototypen folgen, um frühere Ansätze und zukünftige Möglichkeiten darzustellen: Ein sechstes Fahrzeug wird ein Nachbau der Seifenkistenversion von 1948. Als siebte Variante ist, in Anlehnung an die Zukunft, eine Version mit Elektromotor und ev. Solarquelle vorgesehen, ein Ausblick in die Zukunft wie ein Kleinserienhersteller wie Cuno Bistram sein Projekt aus heutiger Sicht möglicherweise gesehen hätte.

B: Das Projekt als Bildungsansatz:

Das Projekt dient dazu Bildungsmaßnahmen für Technik und Handwerk in unterschiedlichen Ansätzen aufzeigen. Kinder und Jugendliche werden dabei in Teilbereichen in die Restaurierungsstufen, Teilnehmer der Weiterbildungs-Seminare der yourmove-Akademie in die Komplexität des Projektes einbezogen.
Das Lernen an Live-Objekten soll Spaß vermitteln und helfen, die Grundlagen der Technik und des Handwerks leichter aufnehmen zu können. Dabei wird als zusätzlicher Lernprozess darauf geachtet, keine Originalsubstanz zu zerstören.

Prof. Christian Wiesmüller (Pädagogische Hochschule Karlsruhe, technische Bildung): "Im Bildungsprozess geht es u.a. um die Begegnung eines lernenden Subjekts mit der objektiven Welt, um zu tragfähigen Vorstellungen von der Welt und um zu einem grundlegenden „Ja“ zur Welt zu gelangen. Zur objektiven Welt gehören die Werkstoffe und ihre sachgerechte Bearbeitung. Schon gegenwärtig ist es nicht leicht, Nachwuchs im Handwerk, im Industriefach oder im Ingenieurfach zu gewinnen. Die Gründe sind vielfältig. Unter anderem dürfte es aber auch daran liegen, dass der heranwachsenden Generation Grunderfahrungen mit den Werkstoffen fehlen, die kulturgeschichtlich und zivilisatorisch eine unverzichtbare Rolle spielen. Deshalb gehört Metall, wie Holz und Kunststoff und zukünftig exemplarische Mischformen sowie die grundlegenden Werkzeuge auf die Bänke der Schulzimmer aller Altersstufen und Schularten. Nur so können Schülerinnen und Schüler erkennen, ob sie Neigung und Begabung für entsprechende Berufe haben."

Prof. Dr. Haas (Hochschule Karlsruhe Technik und Wirtschaft, CNC-Technologie, Fertigungstechnik): „Wissen Sie, was eines der großen Probleme bei der Ausbildung ist: Unsere Studierenden können mit dem PC hervorragend umgehen, sie haben aber kein Gespür mehr für den Werkstoff, den ihre programmierten Maschinen bearbeiten sollen.“

Heiko Kögl (Ausbilder im Kfz.-Wesen): "Im Bereich der Grundbildung, sowie in der Fort-und Weiterbildung, stellen wir immer häufiger fest, dass wichtige Grundlagen der Mechanik und Elektrik fehlen. Theoretisches Wissen ist vorhanden aber sobald es an die Umsetzung geht, streiken häufig die "Hände", da immer seltener Hand an die Fahrzeuge angelegt wird. Das Gefühl für Werkstoffe und sämtliche physikalische Größen kann nur mit großen Mühen abgeschätzt werden. Mein Ziel ist es, dass Lehrlinge mehr und mehr ganzheitlich gefordert werden. Sie sollen die Möglichkeiten erkennen, die Ihnen "außerhalb der Norm" zur Verfügung stehen. Wir brauchen junge Menschen, die mit Ihrem Kopf das richtige Mittel finden, um anschließend mit Ihren Händen das Handwerk umzusetzen. Gerade in einer schnelllebigen Zeit, stechen die hervor, die "komplett" sind, Mechaniker die sich auf die traditionellen Werte des Handwerks besinnen aber nicht die Augen vor modernen Technologien verschließen."

Dipl.-Ing. Nikolas Aichele (Leiter yourmove-Akademie und Projektleiter Cuno Bistram-Kleinwagen): "Die technische Bildung im Sekundarbereich und außerschulische Lernorte werden eine immer größere Bedeutung bekommen, wollen wir technische und traditionell handwerkliche Fähigkeiten auch für die zukünftigen Generationen erhalten. Zudem unterstützen wir so die Findungsphase zur handwerklichen Ausbildung. Aufgrund der demografischen Entwicklung muss sich das Handwerk mehr und mehr gegen andere Berufsformen wie z.B. das Computerwesen durchsetzen."

Dr. Jürgen Bönig, Kurator Museum der Arbeit in Hamburg: " Wer die Gegenwart richtig verstehen will, sollte ihre Geschichte kennen. Das gilt auch für das Verständnis von Technik. Das Verständnis von Technik ist die Voraussetzung für ihren intelligenten Einsatz und ihre Weiterentwicklung. Moderne, computergesteuerte Maschinen und Systeme sind heute zumeist komplett verkleidet. Sie sind für viele Betrachter wie eine Blackbox.“
„Alte Maschinen hatten noch keine Umhausung. Das mechanische Zusammenspiel von Zahnrädern, Getrieben, Wellen und Werkzeugen ist bei diesen alten Geräten gut zu erkennen. Auch Nicht-Ingenieure können anhand alter Maschinen entdecken, auf welche unterschiedliche Weise Metall bearbeitet werden kann und welche Kräfte dabei beherrscht werden müssen.“

Das kulturelle Band zwischen früher und morgen muss erhalten bleiben! Technik und Handwerk sind Teile dieses kulturellen Bandes.