PresseBox
Pressemitteilung BoxID: 597023 (wikopreventk GmbH)
  • wikopreventk GmbH
  • Franz Fischer Straße 7
  • 6020 Innsbruck
  • http://www.wikopreventk.com

Benachteiligung von Migranten auf Arbeitsmarkt verursacht hohe Kosten

START-Podiumsdiskussion: Integration von Menschen mit ausländischen Wurzeln in der Wirtschaft forcieren - Migranten in Behörden noch unterrepräsentiert - neue Lehrinhalte helfen bestehende Vorurteile zu überwinden

(PresseBox) (Dornbirn, ) Menschen mit ausländischen Wurzeln müssen künftig noch besser in den Vorarlberger Arbeitsmarkt integriert werden. Insbesondere ausländische Bildungsabschlüsse sollten umfassender und schneller anerkannt werden, um Einwanderern eine ihrem Ausbildungslevel adäquate Beschäftigung zu eröffnen. Dadurch könnten Städte und Gemeinden laut einer Studie des Österreichischen Städtebundes pro Jahr Kosten und Steuerausfälle von mehr als einer Milliarde Euro vermeiden. Dies waren einige der zentralen Aussagen der gestrigen Podiumsdiskussion zum Thema "Chancen und Hürden am Arbeitsplatz Vorarlberg" von START-Vorarlberg im Funkhaus Dornbirn. Über 70 Gäste und START-Paten aus Wirtschaft und Gesellschaft folgten der abwechslungsreichen und emotionalen Diskussion, bei der vier beruflich erfolgreiche Persönlichkeiten mit Migrationshintergrund der ORF-Kulturkoordinatorin Jasmin Ölz-Barnay Rede und Antwort standen.

Podiumsteilnehmer mit Migrationshintergrund

Um herauszufinden, wie Migranten ihre Chancen auf eine berufliche Karriere in Vorarlberg selbst einschätzen, ließen die Veranstalter auf dem Podium Menschen mit ausländischem Hintergrund zu Wort kommen: August Gächter (Zentrum für Soziale Innovation), Ava Schacherl-Lam (Assistentin der Geschäftsleitung und Marketingmanagerin Bertsch Holding GmbH), Dejan Prvulovic (Student und START-Vorarlberg Alumni), Marco Spitzar (Unternehmer und Pate START-Vorarlberg) sowie Nurcan Bakmaz (Verwaltung Landeskrankenhaus Feldkirch).

Verwertung der Bildung problematisch

"Bislang haben Einwanderer der ersten Generation und ihre in Vorarlberg aufgewachsenen Kinder auf dem Arbeitsmarkt mit zahlreichen Vorurteilen zu kämpfen. Nicht mangelnde Bildung sondern die Verwertung bestehender ausländischer Bildungsabschlüsse ist das eigentliche Problem. Zudem reicht ein leicht ausländischer Akzent oder schwer auszusprechender Name oft schon aus, um von der Personalabteilung beim Bewerbungsverfahren aussortiert zu werden" erklärt Gächter. Allerdings zeigte sich in der weiteren Diskussion, dass die Wirtschaft hier schon offener agiert und auch vermehrt Bewerber mit ausländischen Hintergrund einstellt. Hingegen würden Einwanderer und deren Kinder in öffentlichen Ämtern und Behörden eher selten beschäftigt.

Dequalifizierungsrate von mehr als 40 Prozent

Die Zahl der Menschen, die in Vorarlberg einer Tätigkeit nachgingen, die weit unterhalb ihrer Qualifikation sei, liege zwischen 40 und 65 Prozent. "Österreich verfügt mit den südeuropäischen Ländern damit über eine der höchsten Dequalifizierungsraten. In Skandinavien ist diese mit 20 bis 25 Prozent deutlich geringer", so Gächter.

Neue Ansätze: Mentoring, Zugang zu Netzwerken und weltoffene Kultur

Bildung bleibt eine Schlüsselqualifikation für gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt, ebenso die Anerkennung ausländischer Abschlüsse. Aber nicht nur diesbezüglich seien die Behörden stärker gefragt. Es ginge darum neue Wege zu finden, um bestehende Hürden und Vorurteile gegenüber Migranten zu überwinden, weiß Gächter. Der Zugang zu Netzwerken könnte hier entscheidend sein, erklären Gächter und Marco Spitzar einstimmig. Auch Student und START-Alumni Dejan Prvulovic sieht Mentoring als entscheidend für seinen leichten Zugang zum Arbeitsmarkt: "START-Vorarlberg hat mir mit meinem Stipendium die Entscheidung für ein Studium erleichtert und mich bereits gut mit der Wirtschaft vernetzt", erklärt Prvulovic. START-Vorarlberg teilt jedem seiner Paten als Mentor einen Stipendiaten zu, unterstützt persönliche Treffen und organisiert Netzwerk-Veranstaltungen.

Stärker internationale Schulbildung

Für Marco Spitzar müssen Vorurteile anderen Kulturen gegenüber bereits in der Schule angegangen werden. "Wenn die Bildung stärker international ausgerichtet wird, dann eröffnet das neue Sichtweisen auf die hier lebenden Migranten - und in einem zweiten Schritt für Vorarlberg neue Märkte", meint Spitzar. Es gehe auch darum Zuwanderung als Chance und Bereicherung zu begreifen. "Erst wenn wir nicht mehr über Integration diskutieren müssen, sind Migranten in Gesellschaft und Wirtschaft angekommen", stimmt Podiumsteilnehmerin Ava Schacherl-Lam diesem Gedankengang zu.

Interkultureller Dialog erfolgreich fortgesetzt

Die Podiumsrunde von START-Vorarlberg findet bereits zum zweiten Mal statt. Im vergangenen Jahr diskutierten Vorarlberger Persönlichkeiten mit Migrationshintergrund über die Bedeutung von Bildung für eine erfolgreiche gesellschaftliche Eingliederung von Menschen mit ausländischen Wurzeln. "Unser Ziel ist es, die Diskussionsreihe mit Migrantinnen und Migranten fortzuführen", so START-Koordinatorin Bianca Goldmann.

Über START

START-Vorarlberg fördert seit 2009 Jugendliche mit Migrationshintergrund bis zur Matura-Prüfung in einem speziellen Stipendienprogramm. Die Vorarlberger Initiative wurde von der Piz Buin-Stiftung initiiert und wird in ihrem fünften Jahr von insgesamt 31 Paten wie Unternehmen, Privatpersonen und Organisationen unterstützt. Dabei werden 85 Prozent von privaten Partnern und 15 Prozent von der öffentlichen Hand getragen. Seit 2013 ist START-Österreich und seine Teilorganisationen ein gemeinnütziger Verein. Spenden sind steuerlich absetzbar.

Bilder: Reges Interesse an der Diskussionsreihe von START-Vorarlberg. Unter den 70 Gästen auch Landesrätin Dr. Bernadette Mennel als START-Schirmherrin und die START-Patinnen Heidegunde Senger-Weiss und Andrea Kinz.