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Pressemitteilung BoxID: 129462 (Viega GmbH & Co. KG)
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Feininstallationen in der Antarktis bei minus 48 Grad Celsius: Versorgungssicherheit auf Forschungsstation „Neumayer III“ durch Viega-Rohrsysteme

(PresseBox) (Attendorn, ) Auf einer Bremerhavener Werft steht derzeit ein bemerkenswertes Millionen-Projekt vor der Vollendung: der Neubau der Antarktisstation "Neumayer III". Gewissermaßen im Trockendock hat das Alfred-Wegener-Institut hier den Wohn- und Arbeitskomplex der Forschungsstation aufbauen und ausstatten lassen, bevor die "Neumayer III" in den kommenden Monaten wieder zerlegt in die Antarktis reist. Damit sie dort unter widrigsten Bedingungen über Jahrzehnte zuverlässig betrieben werden kann, wurden höchste Anforderungen an alle verarbeiteten Materialien gestellt. Die Kupfer- und Edelstahl-Rohrleitungsnetze für die Wärme- und Trinkwasserversorgung sind beispielsweise aus den Viega-Systemen Profipress und Sanpress Inox aufgebaut.

Seit 1981 erforscht das Alfred-Wegener-Institut (AWI) am Nordrand der Antarktis auf dem Ekström-Schelfeis unter anderem das Klima. Durch den ständigen Schneefall aber versank bisher jede Forschungsstation im ewigen Eis. Auf der heutigen "Neumayer-Station" lastet ebenfalls bereits eine zwölf Meter dicke Schnee- und Eisschicht, die alles verformt. Dieses Schicksal soll der neuen Forschungsstation erspart bleiben: Sie steht auf 16 hydraulisch ausfahrbaren Stelzen. Damit kann die jährliche Schneelast ausgeglichen und die Station doppelt so lange genutzt werden wie bisher, also etwa 30 Jahre. Mit dem Bau der "Neumayer III" werden also auf modernstem Stand der Technik die wissenschaftlichen und logistischen Voraussetzungen für einen langfristigen Forschungsbetrieb in der Antarktis erfüllt.

Ebenso innovativ wie das Stelzen-Konzept ist die Modulbauweise. Die Wohn- und Arbeitsräume sowie die Laboratorien sind nicht mehr in einer Röhre, sondern in rund 120 Stahlcontainern untergebracht. In Bremerhaven fertig ausgestattet können diese einzeln verschifft und auf dem ewigen Eis wieder zu einer 60 Meter langen, 20 Meter breiten zweigeschossigen Einheit zusammengebaut werden. Eine aerodynamisch geformte Außenhülle schützt die beheizte Einheit wie ein Zelt gegen die extreme Witterung.

Höchste Materialanforderungen Damit bei bis zu minus 48 Grad Celsius Außentemperatur in der Station kontinuierlich 22 Grad Celsius, unter dem Schutzzelt durchgängig 5 Grad Celsius herrschen, wurden für die Stahlcontainer spezielle Außenwände entwickelt. Ihr Wärmedurchgangskoeffizient ist so berechnet, dass die Transmissionswärmeverluste das frostfreie Temperaturniveau unter dem "Zeltdach" aufrecht erhalten.

Die von der Firma Kaefer hergestellten Lolamat-Platten für die Außenwände sind ein herausragendes Beispiel für das hohe Innovationsniveau der "Neumayer III": Obwohl Leichtbaumaterial, erfüllen sie die besonderen statischen Herausforderungen des Containerbaus und decken gleichzeitig sämtliche Wärme-, Schall- und Brandschutzanforderungen ab, die das deutsche Baurecht an ein solches Objekt stellt.

Doch an den gleichen Maßstäben mussten sich nach gut zweijähriger General- und Ausführungsplanung auch alle weiteren Ausstattungskomponenten messen lassen. Denn das Lastenheft sah drei Punkte ganz vorn: An erster Stelle stand ein Höchstmaß an Betriebssicherheit. Zweitens sollte der Aufwand bei eventuellen Änderungen / Reparaturen an der Haustechnik möglichst gering sein. Und drittens war ein Maximum an Widerstandsfähigkeit während der Aufbauphase der Station in der Antarktis gefordert, da die Materialien nahezu ungeschützt unter widrigsten Witterungsbedingungen zwischengelagert werden.

Typisch dafür sind die Rohrleitungssysteme für die Wärme- und die Trinkwasserversorgung. Bei der Vorinstallationen in den einzelnen Containern auf der Werft überzeugten die Viega-Systeme Profipress (Kupfer für die Heizungsverteilung) und Sanpress Inox (Edelstahl für das Trinkwassernetz) durch die schnelle und sichere Pressverbindungstechnik wie auf jeder normalen Baustelle. "Die wirkliche Herausforderung, die echte Bewährungsprobe", so Obermonteur Oliver Marx von Imtech, "wartet aber in der Antarktis, da die Installationen in den Containermodulen erst dort miteinander verbunden werden können. Und zwar völlig ungeschützt außerhalb der Gebäudehülle über die Dächer hinweg."

Entsprechend schnell, gleichzeitig aber zuverlässig müssen sich vor allem die Verbinder aus Kupfer und Edelstahl in den Dimensionen von DN 12 bis DN 35 verpressen lassen – obwohl sie zwischenzeitlich je nach Wetterlage zum Teil wochenlang bei Temperaturen bis minus 50 Grad Celsius deponiert waren. Für Viega-Planerberater Volker Hahn, der die Aufgabenstellung im Vorfeld abgeklärt hat, ist das aber kein Thema: "Der kritische Punkt sind bei so tiefen Temperaturen die Dichtringe. Durch die ausgesuchte Qualität der Elastomere, die Viega einsetzt, ist die Dichtheit selbst bei derartigen Minustemperaturen auf jeden Fall garantiert. Ergänzende Untersuchungen im Labor haben das im Übrigen nochmals bestätigt."

Mindestens ebenso wichtig war den Entwicklern der Antarktis-Station bei der Festlegung auf die Rohrleitungssysteme Profipress und Sanpress Inox die gemeinsame Installationstechnik, das "kalte" Verpressen. Bauleiter Axel Suhr: "Damit wir im arktischen Sommer 2007/2008 die Station aufbauen können, müssen etwa 3.500 Tonnen Material in die Antarktis verschifft und anschließend zeitaufwändig ins Landesinnere transportiert werden. Jeder `überflüssige´ Meter Rohr, jedes weitere Werkzeug würde also gewissermaßen doppelt zählen, wenn es nur eingeschränkt zu nutzen ist. Mit dem universellen Presswerkzeug und der überschaubaren Anzahl an Pressverbindern stellt sich diese Frage hingegen nicht."

Für ihn genau so wenig wie für die aus rund 40 Mitarbeitern bestehende "Sommerbesatzung" der Forschungsstation, denn bei später eventuell einmal anstehenden Reparaturen oder Anlagenerweiterungen werden sich Werkzeug- und Materialeinsatz automatisch in genau so engen Grenzen halten: "Ein paar Meter Kupfer- und Edelstahlrohr, ein ausgewähltes Verbindersortiment und der Koffer mit Presswerkzeug und Pressbacken in den passenden Dimensionen reichen völlig aus, um alle wesentlichen Arbeiten an den Rohrleitungsnetzen zu erledigen. Schließlich wäre es mehr als unangemessen, für eine fehlende Systemzange oder einen Spezialfitting immer gleich ein Transportflugzeug auf den Weg zu schicken…"

Zum Projekt

Bauherr:
Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung; Bremerhaven
Realisierung:
Bietergemeinschaft der Firmen J. Heinrich Kramer und KAEFER Construction GmbH; Bremerhaven
Installationsarbeiten:
Fa. Intech; Bremerhaven
Technische Daten:
Länge: 68 m
Breite: 25 m
Gesamthöhe: 29 m; 4 Etagen
geschützte Nutzfläche: 4.873 m²
klimatisierte Nutzfläche: 2.100 m²
Masse: 23.000 to
Energieversorgung: BHKW mit 3 Dieselgeneratoren (140 kWe, 190 kWth; zusammen 450 kW) und 1 Windkraftwerk (30 kW)
Gesamtkosten: 26 Mio. Euro, gefördert aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF)

Viega GmbH & Co. KG

Zu einem global agierenden Unternehmen hat sich die Viega GmbH & Co. KG, Attendorn, Westfalen, seit ihrer Gründung im Jahr 1899 entwickelt. Heute ist Viega mit international rund 2.800 Mitarbeitern einer der weltweit führenden Systemanbieter von Produkten für die Installationstechnik. Das Sortiment umfasst über 16.000 Artikel, die an den Standorten Attendorn-Ennest/Westfalen, Lennestadt-Elspe/Westfalen, Großheringen/Thüringen, McPherson/Kansas (USA) gefertigt werden. Seit Februar 2007 gehört zur Viega-Gruppe die gabo Systemtechnik mit Sitz in Niederwinkling, Bayern. Neben Rohrleitungssystemen produziert Viega Vorwand- und Entwässerungssysteme. Die Produkte kommen in der Gebäudetechnik ebenso wie im industriellen Anlagen- und Schiffbau zum Einsatz.