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Pressemitteilung BoxID: 373271 (Verband der Bahnindustrie in Deutschland (VDB) e.V.)
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Europäische Schienengüterverkehrskorridore: Investitionen für Wettbewerbsfähigkeit des Schienengüterverkehrs notwendig

(PresseBox) (Berlin, ) Der Verband der Europäischen Bahnindustrien (UNIFE) veröffentlicht heute die erste Ausgabe seines ERTMS Freight Corridors Tracker. ERTMS bezeichnet das einheitliche Leit- und Sicherungssystem für den Schienenverkehr in Europa (European Rail Traffic Management System). Die neuen Übersichtskarten dokumentieren die Fortschritte beim Aufbau eines vollständig kompatiblen und wettbewerbsfähigen Eisenbahngüterverkehrsnetzes in Europa.

"Während ERTMS bei sehr vielen Hochgeschwindigkeitsstrecken in Europa bereits erfolgreich eingesetzt wird und weltweit sehr erfolgreich ist, verhindern einige Länder ganz bewusst die Schaffung von kompatiblen Frachtkorridoren in Europa, indem sie ihre Strecken einfach nicht dafür ausrüsten", sagt Michael Clausecker, Generaldirektor der UNIFE. "Die Europäische Kommission muss handeln, damit die für die ERTMS-Ausrüstung vorgesehenen Fristen eingehalten werden. Es kann nicht sein, dass eine kleine Minderheit von Ländern die anderen davon abhält, Fortschritte bei der Durchgängigkeit des Schienenverkehrs in Europa zu machen. Am Ende ist der einzige Gewinner in der heutigen Situation der Straßengüterverkehr, der weiterhin eine erfolgreiche Wettbewerbsposition einnimmt."

Die von der UNIFE herausgegebenen Daten zeigen, dass nur wenige Frachtstrecken bisher mit ERTMS ausgerüstet sind, während der europäische ERTMS-Bereitstellungsplan eine stufenweise Ausrüstung der sechs ERTMS-Korridore in den Jahren 2015 und 2020 vorsieht.

"Auch Deutschland im Herzen Europas muss der Verantwortung für den europäischen ERTMSBereitstellungsplan gerecht werden", sagt Ronald Pörner, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Bahnindustrie in Deutschland (VDB). "Vier von sechs ERTMS-Korridoren führen durch Deutschland. Die Regierung der Bundesrepublik Deutschland ist verpflichtet, diese vier Korridore auszurüsten. Sie sollte jetzt die notwendigen finanziellen und technischen Schritte zur Umsetzung dieses Ziels unternehmen."

Die ERTMS-Ausrüstung der Schienengüterverkehrskorridore steht im Gegensatz zur Situation auf den Hochgeschwindigkeitsstrecken, die in Ländern wie Spanien, Italien oder Belgien erfolgreich mit ERTMS betrieben werden. Auch weltweit haben solch unterschiedliche Ländern wie China, Indien, Südkorea, Taiwan, Libyen, Marokko, Saudi-Arabien, Algerien, Mexiko oder Neuseeland - anders als Europa - ERTMS bereits eingeführt erfolgreich wird.

Was den europäischen Güterverkehr betrifft, stellt die ERTMS-Ausrüstung oftmals eine Herausforderung dar, da ERTMS zusätzlich zu einem schon vorhandenen Leit- und Sicherungssystem eingeführt wird. ERTMS kann jedoch seinen vollen Nutzen nur dann entfalten, wenn die Investitionen gut koordiniert sind und entlang einer internationalen Güterverkehrsstrecke vorgenommen werden. Aus diesem Grund unterstützen UNIFE und VDB die im europäischen Bereitstellungsplan enthaltene und von der EU koordinierte Herangehensweise. Der europäische und deutsche Bahnindustrieverband fordern von den Mitgliedsstaaten, die in diesem Plan enthaltenen Termine zu unterstützen.

Über ERTMS

Es ist das Ziel des Europäischen Schienenverkehrsmanagementsystems (ERTMS), mehr als 20 unterschiedliche nationale Zugsteuerungs- und Kommandosysteme in Europa zu ersetzen, die für den internationalen Schienenverkehr ein großes technisches Hindernis darstellen. Das ERTMS bietet beträchtliche Vorteile in Bezug auf Interoperabilität, Einsparungen von Wartungskosten, erhöhte Sicherheit und höhere Verkehrskapazität. Das ERTMS macht den Schienenverkehrssektor wettbewerbsfähiger und hilft damit, das Aktionsfeld gegenüber dem Straßentransport anzugleichen und bietet letztendlich wichtige Umweltvorteile. Es gibt schätzungsweise 33.000 km Schienenwege in der Welt, die vertragsgemäß mit ERTMS auszurüsten sind oder bereits mit ERTMS arbeiten - davon liegen fast 50% außerhalb der EU.

Über den Frachtkorridor-Tracker der UNIFE

Der ERTMS-Frachtkorridor-Tracker wurde von UNIFE entwickelt und wird statistisch von den ERTMS-Herstellern unterstützt. Er enthält ausschließlich die sechs 'ERTMS-Korridore', die im europäischen Bereitstellungsplan erfasst sind. Einen vollständigen Überblick über die ERTMS-Anlagen in Europa will das neue System nicht geben. Allerdings spielen viele Länder, wie z.B. Spanien oder Italien, eine große Vorreiterrolle in der praktischen Anwendung von ERTMS in ihren Hochgeschwindigkeitsnetzen. Einen vollständigen Überblick über die mit ERTMS ausgerüsteten Strecken erhalten Sie unter www.ertms.com. Die Übersichtskarten erfassen nur die Strecken, die schon ausgerüstet sind oder für die ein Vertrag (oder ein Rahmenvertrag) unterzeichnet wurde. UNIFE wird den ERTMSFrachtkorridor- Tracker regelmäßig aktualisieren.

UNIFE - The European Rail Industry

Die UNIFE repräsentiert seit 1992 in Brüssel die Europäische Bahnindustrie. Der Verband umfasst 73 der europaweit führenden großen sowie klein- und mittelständischen Lieferanten für den Schienenverkehr auf dem Gebiet der Konstruktion, Fertigung, Wartung und Modernisierung von Schienentransportsystemen, Subsystemen und den dazugehörigen Ausrüstungen. Weitere Tausend Hersteller von Eisenbahnausrüstungen sind über 15 nationale Eisenbahnverbände an den Aktivitäten der UNIFE beteiligt. Die europäischen Mitglieder des Verbands haben europaweit einen Marktanteil von 80 Prozent und liefern mehr als 50 Prozent der weltweiten Produktion von Schienenausrüstungen.

Die UNIFE vertritt die Interessen seiner Mitglieder auf der Ebene der europäischen und internationalen Institutionen. Technisch arbeitet die UNIFE an der Festlegung von Interoperabilitätsstandards. Der Verband koordiniert die von der EU finanzierten Forschungsprojekte, die die technische Harmonisierung der Eisenbahnsysteme in Europa zum Ziel haben. Der Verband ist einer der unterstützenden Institutionen der Europäischen Eisenbahnagentur.

Verband der Bahnindustrie in Deutschland (VDB) e.V.

Der Industrieverband der Bahntechnikhersteller am Standort Deutschland vertritt die Interessen von 130 Unternehmen, von weltweit führenden Systemhäusern ebenso wie von spezialisierten mittelständischen Unternehmen. Die Mitglieder des VDB entwickeln und fertigen Systeme und Komponenten für Schienenfahrzeuge und Infrastruktur mit rund 45.000 Beschäftigten in Deutschland. Durch ihre Technologie sorgen sie weltweit mit exzellenten und wirtschaftlichen Bahnsystemen für mehr nachhaltigen Verkehr auf der Schiene.