17. VDA-Mittelstandstag: Digitalisierung im Mittelstand

Wissmann: Für die deutschen Zulieferer ergeben sich vielfältige Chancen aus der Digitalisierung

Berlin/Gravenbruch, (PresseBox) - „Die aktuellen Geschäftszahlen stimmen die deutschen Zulieferer positiv. Ihre Erlöse verzeichnen seit Jahresbeginn ein leichtes Plus. Laut jüngsten Zahlen liegt die Stammbelegschaft bei den Unternehmen der Zulieferindustrie weiter oberhalb der 300.000-Marke“, sagte Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), auf dem 17. Mittelstandstag des VDA in Gravenbruch bei Frankfurt/Main vor 200 hochrangigen Gästen. Er unterstrich: „75 Prozent der Wertschöpfung stammen von den Zulieferern, ebenso der Großteil der Innovationen. Durch Innovationstreiber wie die Entwicklung alternativer Antriebe und das vernetzte und automatisierte Fahren gewinnt die Wertschöpfung der Lieferanten weiter an Bedeutung.“

Diesen guten Aussichten stehen große Herausforderungen gegenüber. „Die deutschen Unternehmen müssen im Zuge der Globalisierung neben Produktinnovationen auch Strategien zur Internationalisierung entwickeln, um die Kundenwünsche weltweit zu erfüllen“, sagte Wissmann. „Politische Unsicherheiten auf zentralen Automobilmärkten sowie der immense technologische Wandel im Bereich der Digitalisierung und Elektromobilität stellen die Zulieferer zudem vor zentrale unternehmerische Investitionsentscheidungen.“

Auf der Veranstaltung, die von Horst Binnig, Vorstandsvorsitzender der Rheinmetall Automotive AG, und Gunnar Herrmann, Vorsitzender der Geschäftsführung Ford-Werke GmbH, sowie Arndt G. Kirchhoff, Geschäftsführender Gesellschafter & CEO der Kirchhoff Holding GmbH & Co. KG sowie VDA-Vizepräsident und Vorsitzender des VDA-Mittelstandskreises, eröffnet wurde, sprach u. a. Jens Spahn, MdB, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Finanzen.

Zur Agenda des diesjährigen Mittelstandstages – „Die Automobilindustrie im Wandel – Digitalisierung im Mittelstand“ – sagte Wissmann: „Für die deutschen Zulieferer ergeben sich vielseitige Chancen aus der Digitalisierung. Die Daten, die ein Auto generiert, entstehen in Steuergeräten der Zulieferer. Zudem lassen sich durch intelligente Vernetzung der Produktion, der Logistik und der Entwicklung erhebliche Effizienzpotenziale heben. Die machen die heute schon sehr effiziente Lieferkette noch besser – mit Potenzialen für alle.“

Wissmann wies auf den harten internationalen Wettbewerb hin, in dem die Zulieferer sich immer wieder neu bewähren müssen. Gerade bei der Digitalisierung sei die Konkurrenz groß, etwa durch neue Player aus dem Silicon Valley. Hauptinnovationsfelder der deutschen Zulieferunternehmen seinen daher neben der Entwicklung alternativer Antriebskomponenten die Elektronik, Sensorik und Softwareentwicklung. „Wir dürfen nicht unterschätzen, wie unendlich viele Code-Zeilen bereits heute in einem Auto, in jedem Steuergerät vorhanden sind. Die deutschen Zulieferer sind hier sehr erfahren. Und ein Auto fährt niemals mit Software allein. Es ist das Zusammenspiel kluger Algorithmen mit hochwertiger Elektronik und Mechanik, die ein hochwertiges Auto ausmacht.“, so der VDA-Präsident.

Die Innovationskraft der Branche sei sehr hoch. Wissmann: „Schon heute sind die deutschen Zulieferer Patenweltmeister im Bereich des vernetzten und automatisierten Fahrens. An allen seit 2010 weltweit erteilten Patenten auf diesem Feld hat die deutsche Automobilindustrie einen Anteil von 58 Prozent. Bei den Zulieferern kommt Deutschland sogar auf einen Anteil von gut 82 Prozent der globalen Patente.“

Zudem unternehmen die deutschen Hersteller und Zulieferer enorme Anstrengungen, um den alternativen Antrieben zum Durchbruch zu verhelfen: Bis 2020 werden dafür insgesamt weitere 40 Milliarden Euro investiert. „Der Hochlauf der Elektromobilität kommt“, sagte Wissmann. „In 10 Jahren könnten weltweit 15 bis 25 Prozent der Pkw-Neuzulassungen E-Fahrzeuge sein.“

Für die deutschen Zulieferer ergeben sich hier erhebliche Potenziale, um innovative Komponenten für die Elektromobilität zu entwickeln und neue Geschäftsmodelle zu erschließen. „Diese Entwicklung geht Schritt für Schritt, denn der klassische Verbrenner wird nicht von heute auf morgen ersetzt. Selbstverständlich bereiten sich die Unternehmen, die heute besonderes Know-how bei Verbrennungsmotoren haben, nicht erst seit gestern auf den Wandel vor“, unterstrich Wissmann.

Mit Blick auf den EU-Austritt Großbritanniens führte Wissmann abschließend aus: „Die deutsche Automobilindustrie hat in Großbritannien 100 Produktionsstandorte, die meisten davon sind Fertigungsstätten deutscher Zulieferunternehmen. Der Brexit wird nicht spurlos an den Unternehmen vorbeigehen. Etwaige neue Handelsbarrieren werden daher an den Produktionsstandorten hierzulande unmittelbar zu spüren sein“, sagte Wissmann. Zugleich hob er hervor: „Aus Sicht der deutschen Automobilindustrie muss alles getan werden, um den bislang ungehinderten Waren- und Dienstleistungsverkehr zwischen Großbritannien und den anderen EU-Ländern auch künftig zu ermöglichen. Aber es gibt eine klare Priorität: Wir müssen unter den 27 EU Mitgliedstaaten zusammenstehen.“

Arndt G. Kirchhoff, Geschäftsführender Gesellschafter & CEO, Kirchhoff Holding GmbH & Co. KG sowie Vorsitzender des VDA-Mittelstandskreises, betonte: „Durch Vernetzung und Digitalisierung werden sich bekannte Geschäftsmodelle der Automobilindustrie stark wandeln. Die neuen digitalen Märkte unterscheiden sich fundamental von bekannten Märkten: Der Wettbewerb um Daten und die Datenschnittstellen bestimmt zukünftig mehr denn je über Marktanteile und –erfolge. Alle Facetten dieses Themas haben erheblichen Einfluss auf die Automobilindustrie durch neue Mobilitätsdienste, durch das vernetzte Auto und automatisierte Fahren oder in der Produktion. Gerade die mittelständische Zuliefererindustrie war in der Vergangenheit der Innovationstreiber unserer Branche. Um dieser Rolle weiter gerecht zu werden, brauchen wir konkrete Anknüpfungspunkte, die wir auf dem Mittelstandstag intensiv diskutieren.“

Gunnar Herrmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Ford-Werke GmbH:

„Die Welt verändert sich in rasantem Tempo und Megatrends verändern die zukünftigen Mobilitätanforderungen. Die Automobilindustrie – und auch Ford – steht vor einer der massivsten Veränderungen ihrer Geschichte. Auf dem Weg zum Automobil- und Mobilitätsanbieter sind Innovationen die Grundlage für zukünftige Mobilitätslösungen. Diese werden in Kooperation mit ausgewählten externen Partnern, Unternehmen und wissenschaftlichen Instituten entwickelt und implementiert auf der Grundlage einer vertrauensvollen Zusammenarbeit dem Leitsatz folgend ‚You are what you do‘.“

Welche Bedeutung das neu geschaffene „NEO-Team“ im Wandlungsprozess seines Unternehmens und für das Herausarbeiten von Zukunftsthemen der Mobilität habe, stellte Horst Binnig, Vorstandsvorsitzender von Rheinmetall Automotive AG, vor: „Wir sind es alle gewohnt, als Manager schnell und möglichst treffsicher zu entscheiden. In Zeiten von Fake News und Postfaktischem - und ich würde sogar sagen wollen trotz faktischer Aussagen und gleichzeitigem Innovationsdruck - wird es immer schwieriger, die richtigen  Entscheidungen zu treffen. Wir benötigen neue Perspektiven und saubere Analysen zur richtigen Entscheidung. Unser NEO-Team ist ein Katalysator hierzu."

Jens Spahn, MdB, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Finanzen: „Unsere Silicon-Valleys liegen im Sauerland, in der Oberpfalz und auf der Schwäbischen Alb. Dort entsteht innovative Technologie, die weltweit gefragt ist. Diesen Unternehmergeist müssen wir ausbauen, denn er ist der Garant dafür, dass es uns auch in Zukunft noch gut geht.“

           

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