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Ökonom Hankel: Europäische Schuldenstaaten sollten Euro-Zone verlassen

Griechenland sollte die Drachme wieder einführen und stark abwerten

(PresseBox) (Düsseldorf, ) Der frühere KfW-Chefökonom und Euro-Kritiker Wilhelm Hankel hat nach der Ankündigung einer Klage gegen Staatshilfen für Griechenland einen Austritt der hochverschuldeten Euro-Staaten aus der Euro-Zone gefordert. "Griechenland, wie auch die anderen Euroländer in gleicher oder ähnlicher Lage, gehören nicht in den Euro-Club der strukturstarken und währungsstabilen EU-Staaten", sagte Hankel den am Freitag erscheinenden VDI nachrichten. "Sie gehören ins Wartezimmer auf den Euro - wo auch die Mehrzahl der osteuropäischen EU-Länder sitzt." Das sei auch für Griechenland die beste Lösung. "Griechenland würde sich selber den größten Dienst erweisen, wenn es aus der Euro-Union austritt, die Drachme wieder einführt und sie kräftig abwertet. Nur so schafft es die Voraussetzungen für neues Wirtschaftswachstum, Exportbelebung und die Wiederherstellung seiner Kreditwürdigkeit."

Sowohl für den Euro, wie auch für die verschuldeten Länder sei eine Trennung die beste Lösung. "Ein rechtzeitiger Austritt der überschuldeten Euro-Länder aus der Währungsunion würde diese zwar verkleinern aber stärken. Die EU würde aufhören, der "kranke Mann" der Weltwirtschaft zu sein. Die Währungsunion gewönne mit der neuen monetären Stärke an politischer Kraft und Profil in der Welt", sagte Hankel der Wochenzeitung. "Dasselbe gilt für die Austrittsländer. Sie ersparen sich nicht nur die schlimmsten Auswirkungen der Krise. Sie bekommen die Zeit und die Möglichkeiten zu ihrer Regenerierung und Rückkehr unter besseren Bedingungen in den Kreis der Euro-Länder."

Die aktuelle Krise des Euro hat nach Ansicht Hankels den Konstruktionsfehler des Euro offen gelegt. "Der Konstruktionsfehler jeder Währungsunion ist die Abschaffung der inneren Wechselkurse. Innerhalb der Eurozone gilt ein Wechselkurs von 1:1. Aber der ist unrealistisch. In den Ländern der Eurozone besteht ein erhebliches Lohnkosten- und Inflationsgefälle; es hat sich über den Euro kräftig ausgeweitet und vertieft - im Falle von Griechenland liegt der Anstieg der Lohnstückkosten bis zu 40 % über dem von Deutschland und den anderen stabilen Euroländern."

Den Euro werde es nur so lange geben, wie Deutschland bereit sei, für die Einheitswährung zu zahlen. Nicht Deutschland profitiere aber vom Euro, "sondern seine Exportwirtschaft", so Hankel. "Unsere schwächeren Europartner kritisieren Deutschlands "Lohndumping" und "Export-Imperialismus", der ihren schwachen Industrien jede Aufholchance nehme - ebenfalls ein Indiz dafür, dass eine gemeinsame Währung die Völker nicht vereint, sondern eher Unfrieden stiftet. Mit D-Mark und Währungswettbewerb hatten weder wir noch unsere Nachbarn diese Probleme." Deutschland sei "mit dem Euro ärmer geworden, als es vorher mit der D-Mark war, muss aber gleichwohl für seine Verarmung zahlen. Das ist weder ein Erfolgskriterium noch ein Vertrauensbeweis für die seit zehn Jahren betriebene Politik."

Das Interview finden Sie im Wortlaut unter: www.vdi-nachrichten.com/whankel