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Pressemitteilung BoxID: 252613 (Universität Wien)
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Buchneuerscheinung zur alpinen Lebewelt

Ökologen der Universität Wien publizieren bei Oxford University Press

(PresseBox) (Wien, ) Alpin im ökologischen Sinne heißt Leben an den Kältegrenzen, ob in den Alpen, den tropischen Hochgebirgen Afrikas, dem Himalaja oder den Bergen der Arktis. Diese extreme Lebewelt ist keineswegs arm oder nur ein Randbereich der biologischen Vielfalt. Von den 11.000 Blütenpflanzen Europas leben schwerpunktmäßig ca. 2.000 bis 2.500 Arten an der Waldgrenze und darüber; und weltweit gilt ähnliches. Dazu ist nun in der renommierten Oxford University Press die Publikation "Biologie alpiner Lebensräume" (Originaltitel: The Biology of Alpine Habitats), erstellt von Ökologen der Universität Wien, erschienen.

Alpine Pflanzen können hunderte, wenn nicht tausende Jahre alt werden. Vor allem die wichtigen Arten, die den Rasen bilden, können als so genannte Klone, die vorne weiter wachsen und hinten absterben, praktisch ewig weiterleben. Auf diese Art überdauern diese Pflanzen auch beachtliche Klimaänderungen. Wenn sie aber einmal zerstört sind, wie z.B. beim Planieren von Schipisten, so dauert es sehr lange Zeit, bis sich wieder ein Klonsystem aufgebaut hat. Diese und ähnliche Erkenntnisse sind im neuen Buch zusammengefasst.

Die Autoren des Buches "Biologie alpiner Lebensräume" sind Georg Grabherr, Leiter des Departments für Naturschutzbiologie, Vegetations- und Landschaftsökologie der Universität Wien, und Laszlo Nagy, Inhaber der Firma Eco-Science Scotland und langjähriger Mitarbeiter des Zentrums. Beide sind international anerkannte Hochgebirgsökologen, die sich vor allem mit dem globalen Aspekt der Gebirgsforschung auseinandersetzen. Ein Beispiel dafür ist Forschungsinitiative GLORIA (Global Observation Research Initiative in Alpine Environments), eine Kooperation zwischen Universität Wien und Akademie der Österreichischen Wissenschaften (ÖAW) zur Erforschung der Klimafolgen in den Hochgebirgen der Erde. In deren Rahmen haben inzwischen mehr als 60 Forschungsteams weltweit Beobachtungsstationen eingerichtet, in denen die Auswirkungen der Klimaerwärmung auf die alpine Kälteflora beobachtet werden. Die Initiative wurde von Georg Grabherr und MitarbeiterInnen ins Leben gerufen und wird von Wien aus koordiniert.

Georg Grabherr beschäftigte sich schon in seiner Doktorarbeit mit den Lebensverhältnissen alpiner Pflanzen und forschte über die Produktionsbiologie alpiner Urwiesen und ihrem Lebenszyklus. Georg Grabherr ist Leiter des Departments für Naturschutzbiologie, Vegetations- und Landschaftsökologie der Fakultät für Lebenswissenschaften der Universität Wien und Mitbegründer und Leiter des internationalen Forschungsprogramms GLORIA.

Laszlo Nagy hat nach Jahren in der Tropenwaldforschung wissenschaftliche Arbeiten in den schottischen Bergen durchgeführt. Nagy koordinierte die erste Übersicht über die Lebewelt der Europäischen Hochgebirge in einem von der European Scientific Foundation finanzierten Projekt. Zu den Ergebnissen zählt der eingangs erwähnte, überraschend hohe Beitrag alpiner Pflanzen zur Gesamtvielfalt - eine Vielfalt, die durch den Klimawandel global und langfristig gefährdet ist.

Das Buch richtet sich zwar an die Fachwelt, fortgeschrittene Studenten und Wissenschaftler, bietet aber zweifellos allen, die an der faszinierenden alpinen Lebewelt interessiert sind, einen anregenden und fundierten Überblick auf dem neuesten Stand des Wissens.