"Letztes Geleit"

Rostock, (PresseBox) - Letztes Geleit" - dies war das Leitmotiv, unter dem am 22. November in der Universitätskirche Studierende der Medizin und Zahnmedizin des 2. Studienjahres für die Angehörigen der Körperspender eine Feierstunde gestalteten.

Das Verlesen der Namen der Körperspender ist der dichteste Moment. Die Gespanntheit ist atmosphärisch spürbar. Man hört kein Hüsteln, kein Nebengeräusch, kein Füßescharren, während die anonymen Toten hier das erste und einzige Mal öffentlich beim Namen genannt werden. Ein Student nach dem anderen tritt aus dem Halbkreis heraus, nennt Namen und Vornamen des Köperspenders sowie Geburts- und Sterbetag, entzündet seine Kerze an der Osterkerze und steckt sie danach in den Leuchter. Etwa 60 Namen mit ebenso vielen Lebensdaten - und für alle flackert für die Dauer der Feier eine Kerze. Die Repräsentation der Verstorbenen erfolgt über die Nennung und den Gestus; keine Urne, kein Sarg verstört die Imagination. Zu sehen sind das Rund der "Lebenslichter", gerahmt von den Studenten und dahinter hoch aufragend der Hochaltar mit seinen goldgeschnitzten Heiligen. Nachdem die letzte Kerze ihren Ort gefunden hat, verharren die Studenten eine lange Weile schweigend, ehe sie wieder in den Bankreihen Platz nehmen.

Unter Leitung des Praktischen Theologien und Universitätspredigers Prof. Thomas Klie und des Direktors des Instituts für Anatomie der Universitätsmedizin, Prof. Andreas Wree, gestalteten die Studierenden diese beeindruckende Feierstunde. Die Universitätskirche war mit ca. 400 Besuchern bis auf den letzten Platz besetzt. Neben den Studierenden waren auch viele Angehörige zur Feier gekommen, ebenso zahlreiche Rostocker, die ihren Körper der Anatomie bereits vermacht haben.

Mit Wortbeiträgen, Gedichten und Musik drückten die Studierenden ihren Respekt und ihre Dankbarkeit den Verstorbenen gegenüber aus. "Durch diese Erfahrungen wurden uns zukünftigen Ärzten nicht nur wichtige medizinische Kenntnisse, sondern auch menschliche Werte vermittelt", so der Medzinstudent Patrick Richter in seiner Ansprache. Die musikalische Gestaltung lag bei einem Chor aus 30 Medizinstudenten, der sich spontan für diese Feierstunde zusammengefunden hatte. Am Piano spielten Christoph Konkolefski und Samer Sabarini.
Unter Leitung von Martje Synwoldt stimmte der Chor die Besucher mit dem Lied "Per crucem" ein.

Eingeleitet von Eric Claptons Klassiker "Tears in Heaven" betonte Prof. Klie in seiner Predigt: "Wir wollen Sie als Angehörige auf dem letzten Teil Ihres langen Trauerwegs begleiten. Wir, die wir die Körperspender lebend nicht gekannt haben, wollen damit unseren Dank sagen. Denn es schließt sich heute und mit der Beisetzung am Samstag ein Kreis. Etwas kommt zu einem guten Ende."

Im Namen des Instituts für Anatomie und der Universitätsmedizin Rostock dankte Prof. Wree den Verstorbenen. Er dankte für ihre uneigennützige Opferbereitschaft, auf die die medizinische Ausbildung in Rostock angewiesen sei. Die Verstorbenen hätten es den Lehrenden mit Ihrer Körperspende möglich gemacht, angehenden Ärztinnen und Ärzten, Zahnärztinnen und Zahnärzten eine gute und fundierte Ausbildung zum Wohle ihrer späteren Patienten zu geben.
Prof. Wree betonte die große Bedeutung der Gedenkfeier, um - wie es in Rostock seit 1994 geschieht - die Verstorbenen respektvoll zu verabschieden. Er wünschte sich, dass der Stein, der 1994 von der Medizinischen Fakultät für das Urnenfeld in Kühlungsborn gestiftet wurde, auch weiterhin eine Stätte des Gedenkens und Dankens bleibe. Mittlerweile können die Urnen der Körperspender auch auf dem Areal des Ruheforstes in Rövershagen beigesetzt werden.

Zur rituellen Verabschiedung der Verstorbenen traten die Angehörigen zusammen mit den Studierenden an die Stufen zum Altarraum und schmückten einen großen geflochtenen Ball aus Weidenzweigen mit ihren Blumen. Dieses Gebinde wurde zur Urnenbeisetzung am 24.11.2012 auf dem Urnenfeld des Instituts für Anatomie auf dem Friedhof in Kühlungsborn niedergelegt.

Prof. Klie ließ das letzte Geleit mit dem Vaterunser und dem Segen ausklingen.

Die Feierstunde war geprägt von der Präsenz der Studierenden und ihren individuellen Beiträgen. Viele Angehörige haben den Professoren nach der Feier Dank gesagt; man war beeindruckt und gerührt. Spontan fragten Anwesende nach der Möglichkeit, sich selber nach dem Ableben der Anatomie zur Verfügung zu stellen.

Literatur zur Körperspenderfeier:Thomas Klie: Seinen Körper spenden. Kleine Phänomenologie einer finalen Gabe, in Ders. (Hg.), Performanzen de Todes. Neue Bestattungskultur und kirchliche Wahrnehmung, Stuttgart 2008, 223-232.

Diese Pressemitteilungen könnten Sie auch interessieren

News abonnieren

Mit dem Aboservice der PresseBox, erhalten Sie tagesaktuell und zu einer gewünschten Zeit, relevante Presseinformationen aus Themengebieten, die für Sie interessant sind. Für die Zusendung der gewünschten Pressemeldungen, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse ein.

Es ist ein Fehler aufgetreten!

Vielen Dank! Sie erhalten in Kürze eine Bestätigungsemail.


Ich möchte die kostenlose Pressemail abonnieren und habe die Bedingungen hierzu gelesen und akzeptiert.