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Pressemitteilung BoxID: 234718 (Universität Paderborn)
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Deutsche Unternehmensbesteuerung für multinationale Konzerne auf dem Prüfstand

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert Steuerforschung an der Universität Paderborn

(PresseBox) (Paderborn , ) Mindestbesteuerungskonzepte, z. B. Verlustverrechnungsbeschränkungen, sollen sicherstellen, dass erfolgreiche Unternehmen der Besteuerung nicht durch unerwünschte unternehmerische Gestaltungsmaßnahmen entgehen. Angesichts der angespannten Lage vieler öffentlicher Haushalte sind Mindestbesteuerungskonzepte in einigen Staaten in unterschiedlicher Form bereits eingeführt worden. "Vor dem Hintergrund der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise kommt der in Deutschland seit der letzten großen Reform andauernden Debatte um eine weitere Verschärfung der Verlustverrechnungsregelungen eine herausragende Bedeutung zu." betont Prof. Dr. Caren Sureth. Das grundsätzliche Interesse an einer Verbesserung der bestehenden Mindestbesteuerungskonzepte, insbesondere für multinationale Konzerne, sei weiterhin groß.

Zahlreiche Untersuchungen belegten, so Sureth, dass die deutsche Mindestbesteuerung großen Einfluss auf die Investitionsaktivität von körperschaftlich organisierten Unternehmen habe. Dies gelte vor allem in Zeiten mit Liquiditätsengpässen oder gar Verlusten. Es fehlten jedoch aussagekräftige quantitative Analysen der Wirkungen unterschiedlicher Mindestbesteuerungskonzepte auf unternehmerische Entscheidungen bei grenzüberschreitender Geschäftstätigkeit.

Diese Forschungslücke soll das von der Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Projekt "Der Einfluss von Mindestbesteuerungskonzepten auf international tätige Konzerne" der Paderborner Wirtschaftswissenschaften schließen. Nach einer erfolgreichen zweijährigen ersten Projektphase wurde das Projekt um weitere zwei Jahre verlängert. Dabei werden die Wirkungszusammenhänge für sinnvolle Konstellationen grenzüberschreitend tätiger Konzerne und ausgewählte Konzerndaten analytisch, numerisch (Simulationen) und gegebenenfalls empirisch untersucht. Projektleiterin Caren Sureth über das Ziel ihres Forschungsprojektes: "Die Untersuchungsergebnisse können zur Verbesserung des bestehenden deutschen Steuerrechts für multinationale Konzerne beitragen. Auf diese Weise soll auch ein Beitrag zu aktuellen europäischen und deutschen Steuerreformdiskussionen vor dem Hintergrund der Finanz- und Wirtschaftskrise geleistet werden."

Mit den DFG-Mitteln kann über insgesamt vier Jahre eine halbe wissenschaftliche Mitarbeiterstelle finanziert werden. Zusätzlich wurden von der DFG über 20.000 Euro an Sachmitteln zur Verfügung gestellt.

Weitere Informationen:

Sind Unternehmen grenzüberschreitend tätig, wird das Wirkungsgefüge erheblich komplizierter. Projektmitarbeiterin Claudia Dahle: "Vorherrschende Diskussionen um eine Steuerharmonisierung innerhalb der Europäischen Union weisen auf eine mögliche Veränderung in den kommenden Jahren hin. Insbesondere die Vorhaben zur Einführung einer einheitlichen Körperschaftsteuerbemessungsgrundlage sowie eine grenzüberschreitende EU-weite Gruppenbesteuerung würden zu erheblichen Veränderungen bei der Besteuerung von multinationalen Konzernen führen. Derzeit stehen diverse Regelungen zur Verlustverrechnung und zu Mindestbesteuerungskonzeptionen im Mittelpunkt steuerrechtlicher Diskussionen. Potenzielle Neuerungen auf EU-Ebene hätten erheblichen Einfluss auf das deutsche Steuerrecht sowie auf Investitionsbedingungen und Standortentscheidungen von multinationalen Unternehmen." Hierzu wird am Lehrstuhl von Caren Sureth ein Investitionsmodell entwickelt, welches Aussagen über die Auswirkungen der zu Modelltypen zusammengefassten Konzepte erlaubt.