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Pressemitteilung BoxID: 587089 (Universität Bielefeld)
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Professor Andreas Zick neuer Direktor des Bielefelder Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung

Sozialpsychologe zum Nachfolger von Professor Wilhelm Heitmeyer gewählt

(PresseBox) (Bielefeld, ) Professor Dr. Andreas Zick steht seit dem heutigen Dienstag (9. April) an der Spitze des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) der Universität Bielefeld: Der Vorstand hat ihn zum neuen Direktor gewählt. Der 51-Jährige forscht seit fünf Jahren als Professor für Sozialisation und Konfliktforschung an der Fakultät für Erziehungswissenschaft. Er tritt die Nachfolge von Professor Dr. Wilhelm Heitmeyer an, der das Institut 1996 mit gegründet und seitdem geleitet hat. Professor Dr.-Ing. Gerhard Sagerer, Rektor der Universität Bielefeld, gratuliert zu der Wahl. "Professor Zick ist ein renommierter Konfliktforscher, der das IKG seit vielen Jahren kennt und mit seiner Forschung zukünftig noch stärker bereichern und prägen wird", sagt der Rektor. "Ich danke Professor Heitmeyer für seine langjährigen Verdienste um das Institut und die Universität Bielefeld. Das IKG gehört heute zu den Markenzeichen unserer Hochschule."

Andreas Zick wurde einstimmig zum neuem Direktor des IKG gewählt. "Ich bin überaus stolz, dass ich das international renommierte Institut, das Wilhelm Heitmeyer aufgebaut hat, nun mit prägen darf", sagt Zick. "Angesichts der Konfliktlagen überall in der Welt und angesichts der Gewalt, die aus Konflikten rührt, ist die interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung dringend gefordert. Allein Europa steht derzeit vor der Frage, wie es seine Konflikte und die damit einhergehenden massiven Formen radikalisierter Gewalt verstehen und bearbeiten kann. Wir werden auch in Zukunft mit einem wissenschaftlichen Blick aus Bielefeld zum Verständnis beitragen."

Der Sozialpsychologe war erstmals 2004 für das IKG tätig - zu der Zeit mit einer Studie dazu, wie europäische Gesellschaften mit sozial schwachen Gruppen umgehen. Die Frage nach solcher "Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit" ist ein wesentliches Leitthema des IKG. Zusammen mit dem Gründungsdirektor Wilhelm Heitmeyer hatte er zu dem Thema das weltweit größte Forschungsprogramm zur Beobachtung gesellschaftlicher Vorurteile initiiert: Von 2002 bis zunächst 2012 befragte das IKG jedes Jahr 2.000 Personen zu ihren Ansichten und Einschätzungen gegenüber gesellschaftlich diskriminierten Gruppen.

Wilhelm Heitmeyer gilt als Pionier der Konfliktforschung. Seit Anfang der 1980er forscht er zu Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und sozialer Desintegration. In den frühen 1990ern wies er als einer der ersten Wissenschaftler auf die rasante Verschärfung der Fremdenfeindlichkeit und zunehmende rechtsradikale Tendenzen in Deutschland hin. Im Jahr 2012 wurde der 68-Jährige mit dem Göttinger Friedenspreis ausgezeichnet. Im Sommer wird Heitmeyer emeritiert und wendet sich neuen Aufgaben zu.

Andreas Zick stammt aus Essen und studierte an der Ruhruniversität Bochum Psychologie und Evangelische Theologie. Er promovierte 1996 an der Philipps-Universität Marburg und habilitierte sich 2008 an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg im Fach Psychologie. Seine Habilitation war der "Psychologie der Akkulturation" gewidmet, also der Frage danach, wie sich Menschen neue kulturelle Umwelten aneignen und dabei Konflikte erfahren und bewältigen.

Zick war als Wissenschaftler im Expertendialog der Bundeskanzlerin beteiligt. Er engagiert sich im wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Fußballliga, ist ehrenamtliches Mitglied des Kuratoriums der CIVIS-Medien-Stiftung für Integration und des Stiftungsrates der Amadeu-Antonio-Stiftung, die Projekte gegen Rechtsextremismus entwickelt und fördert. Er hat zuletzt das DFG-Graduiertenkolleg Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit am Standort Bielefeld geleitet, hat im Januar ein Projekt zur Beurteilung von Zugehörigkeit und Gleichwertigkeit zwischen Gruppen bei der Stiftung Mercator eingeworben und im März ein Projekt des Forschungsverbunds "Tat- und Fallanalysen hochexpressiver zielgerichteter Gewalt (TARGET)", das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird. In einem interdisziplinären Team an vielen Standorten analysieren die Forscher Fälle schwerster Gewalt durch Amok, School Shootings und Terrorismus.

Das interdisziplinäre Institut für Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld forscht in erster Linie zu konstruktiven und destruktiven Konflikten und ihren Folgen. Insbesondere die Ausmaße und Ursachen von Gewalt stehen im Mittelpunkt der Arbeit. Das IKG ist Teil des Forschungsschwerpunkts "Menschliche Entwicklungsmöglichkeiten, Konflikt und Gewalt" (Human Development, Conflict and Violence) der Universität Bielefeld. Der Schwerpunkt befasst sich mit den komplexen Vorgängen sozialer Konflikte und Gewalt und umfasst dabei unter anderem soziale Zusammenhänge und Institutionen, die menschliches Dasein und menschliche Entwicklung in verschiedenen Gesellschaften und Kontexten prägen.

Weitere Informationen im Internet:
www.uni-bielefeld.de/ikg